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Mediaset-Expansion
Berlusconi steigt bei ProSiebenSat.1 ein

Das Medienimperium der Familie Berlusconi hat große Pläne: Mediaset ist mit 9,6 Prozent als Aktionär bei ProSiebenSat.1 eingestiegen.

Text: W&V Redaktion

29. Mai 2019

Max Conze, Vorstandschef von ProSiebenSat.1 Media.
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Mediaset hat große Pläne: den Aufbau des ersten europaweiten Free TV-Konzerns. Teil dieser Pläne der Familie Berlusconi ist der deutsche Medienkonzern ProSiebenSat.1.

Der Konzern von Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi, die Mailänder Privatsendergruppe Mediaset, ist als großer Aktionär bei den Münchnern eingestiegen. Das erklärte am Mittwoch Mediaset-Chef Pier Silvio Berlusconi, der Sohn des in eine Skandalserie verwickelten Politikers.

Mediaset hält demnach nun 9,6 Prozent der Anteile und wäre damit Nummer zwei hinter dem US-Investmentfonds Capital World Growth, der nach einer Mitteilung vom August vorigen Jahres 9,98 Prozent der Aktien des Münchner Unternehmens besitzt.

"Der schnelle Globalisierungsprozess, der das internationale Umfeld bestimmt, erfordert, dass europäische Medienunternehmen wie wir Kräfte vereinen", sagte Berlusconi junior. Die Berlusconis haben ehrgeizige Pläne. Der Manager hatte kürzlich nach Berichten italienischer Medien den Plan verkündet, den "einzigen paneuropäischen frei empfangbaren Fernsehsender" zu schmieden.

Mediaset ist mit einem Umsatz von 3,4 Milliarden Euro im Jahr 2018 allerdings kleiner als ProSiebenSat.1 - die Münchner erwirtschafteten im vergangenen Jahr 4 Milliarden. Die Berlusconis kontrollieren Mediaset über ihre Investmentgesellschaft Fininvest, die von Berlusconi Seniors Tochter Marina gelenkt wird.

Gerüchte und Spekulationen über eine mögliche Übernahme der deutschen Sendergruppe durch Mediaset gibt es schon länger. ProSiebenSat.1-Chef Max Conze hatte einen Zusammenschluss kürzlich abgelehnt: "Ich sehe keine industrielle Logik in einer industriellen Kombination von Mediaset und ProSiebenSat.1." Den Einstieg der Italiener als Aktionäre dagegen erklärte Conze am Mittwoch für willkommen: "Wir begrüßen die Investition von Gruppe Mediaset und sehen dies als Votum des Vertrauens für unsere Strategie und unser Team."

Mediaset ist die größte Privatsendergruppe Italiens und diente Berlusconi Senior über Jahrzehnte als Vehikel für seine politischen Botschaften. Jenseits der italienischen Grenzen hat der Konzern bislang nur in Spanien ein großes Standbein, wo Mediaset nach eigenen Angaben ebenfalls größter Privatfernsehanbieter ist.

Den Einstieg bei ProSiebenSat.1 (P7S1) begründete Berlusconi Junior am Mittwoch mit der Abwehr der Konkurrenz aus Übersee, gemeint sind mutmaßlich Internetriesen wie Netflix und Amazon.

Die Vereinigung der Kräfte europäischer Medienunternehmen ist aus Berlusconis Sicht notwendig, "wenn wir weiterhin vor dem Hintergrund unserer europäischen kulturellen Identität im Wettbewerb mit globalen Schwergewichten punkten oder uns sogar eventuelle Übergriffe widersetzen wollen", wie es in der Mitteilung hieß.

Die Frankfurter Börse reagierte begeistert: Die ProSiebenSat.1-Aktien schossen nach Veröffentlichung der Nachricht zeitweilig um über sieben Prozent nach oben. Sowohl Mediaset als auch ProSiebenSat.1 leiden unter dem gleichen Problem: Werbeeinnahmen wandern allmählich ins Internet ab, junge Zuschauer sind nur noch schwer fürs traditionelle Fensehen zu gewinnen.

ProSiebenSat.1 ist im Internet bereits mit der Partnervermittlung Parship oder dem Vergleichsportal Verivox aktiv und will in Kürze eine eigene, werbefinanzierte  Streamingplattform mit Namen Joyn starten. Vorstandschef Conze hofft, innerhalb von zwei Jahren zehn Millionen Zuschauer zu erreichen. Das Gemeinschaftsprojekt von P7S1 und Partner Discovery beginnt im Juni. Weiter geplant sind zehn deutsche Eigenproduktionen. Weitere Sender als Partner haben angekündigt, via Joyn zu streamen, darunter ARD und ZDF sowie Sport 1, Welt, Nickelodaon, Arte und Bloomberg.

Mediaset hat derweil eigene Probleme: Die Gruppe war in Italien auch im Bezahlfernsehen aktiv, hat jedoch die lukrativen Fernsehrechte an der Fußball-Profiliga Serie A verloren. (sh/dpa)

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