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Rabe will zukaufen
Bertelsmann peilt 20 Milliarden Umsatz an

Bertelsmann will sich wieder auf Medien konzentrieren und wachsen, erzählt CEO Thomas Rabe der "SZ". RTL und G+J haben tragende Rollen.

Text: W&V Redaktion

2. Juli 2013

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Der Bertelsmann-Konzern plant nach der Fusion seiner Buchsparte Random House mit Penguin durchaus weitere Zukäufe. "Ich möchte nicht ausschließen, dass im zweiten Halbjahr die eine oder andere Transaktion kommt", sagt Vorstandschef Thomas Rabe der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstagsausgabe). "Wir können in den nächsten drei Jahren mehrere Milliarden Euro einsetzen - in unsere bestehenden Kerngeschäfte und die Wachstumsbereiche Musik, Bildung und Business-Informationen." Bertelsmann wolle sich wieder auf Medien konzentrieren und wachsen, so Rabe. Sein Ziel: "Wir haben uns im Durchschnitt ein Umsatzwachstum von fünf bis sieben Prozent pro Jahr vorgenommen. Nächstes Jahr wollen wir einen Umsatz von etwa 18 Milliarden Euro erreichen, und dann sind die 20 Milliarden auch nicht mehr weit."

RTL bleibe weiter das "größte und wichtigste Geschäft von Bertelsmann", betont der 47-jährige Konzernlenker. Er räumt die Schwäche des deutschen Fernseh-Marktführers ein, relativiert allerdings die Entwicklungen; man komme bei RTL von einem sehr hohen Niveau und beobachte nun eine zweite Welle der Fragmentierung. Wo es hingeht für den TV-Bereich, lässt Rabe durchblicken: Es sei "keineswegs so, dass Fernsehen an Bedeutung verliert, im Gegenteil, es gewinnt an Bedeutung, wenn man das Fernsehen auf Abruf mit einbezieht". Säulen wie Clipfish.de dürften ergo mehr Gewicht im Konzern bekommen. Gerade eben wird die RTL-Abruf-Offerte ausgebaut, und Clipfish und bietet den Usern ab sofort auch zahlreiche Anime-Serien in kompletter Länge zum kostenlosen Abruf an. Überhaupt wollen die Kölner mehr Serienmaterial dort einstellen, das dann auch mit Werbung versehen und finanziert werden kann.

Fest steht nach dem Gespräch mit der "SZ" aber auch, dass die Verlagstochter Gruner + Jahr noch vor einem langen Weg im Umbauprozess vor sich hat. Rabe meint, die Neuausrichtung gehe voran, die "Anfangserfolge" würden eine klare Sprache sprechen. Rabe steht zum Bereich: "Gruner + Jahr ist ein Kerngeschäft von Bertelsmann und spielt eine wichtige Rolle bei unserer Inhalte-Strategie." Vergangene Woche ist durchgesickert, dass Verlagschefin Julia Jäkel und Produktvorstand Stephan Schäfer "Communities of Interest" (CoL) installieren, so genannte Segment-Cluster. Dazu gehören die vier Bereiche Family, Food, Living sowie Beauty & Fashion. Künftig betrachtet Schäfer die Print-, Online- und die geplanten E-Commerce-Aktivitäten der CoLs unter Vermarktungsgesichtspunkten als Einheit. Verbunden hiermit ist offenbar mittel- bis langfristig ein Personalabbau bei Führungskräften und Mitarbeitern – über Jahre hinweg könnten 200 Stellen wegfallen.

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