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Quartalsbilanz
Betrübliche Zahlen bei ProSiebenSat.1

Ein schwaches TV-Geschäft kombiniert mit hohen Investitionen ins Digitale: Daher schrumpfte der Gewinn im dritten Quartal um ein Viertel. Konzernchef Max Conze lässt sich davon nicht irritieren und kündigt bereits Neues an - fürs Weihnachtsgeschäft.

Text: W&V Redaktion

7. November 2019

Bleibt optimistisch: Vorstandschef Max Conze.
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Die deutsche Wirtschaft ist im Abschwung und spart bei der TV-Werbung - das bekommt auch der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 zu spüren. Die Erlöse im Kerngeschäft sanken im dritten Quartal um sechs Prozent, wie das Unternehmen in München mitteilte. Vorstandschef Max Conze treibt den Umbau des Konzerns jedoch weiter voran, investiert in die Streaming-Plattform Joyn sowie digitale Werbung und nimmt dafür auch in Kauf, dass der Quartalsgewinn um 74 Prozent auf 33 Millionen Euro einbrach.

"Wir machen weiter gute Fortschritte", sagte Conze. Die im Juni gestartete Streaming-Plattform Joyn werde inzwischen von fünfMil lionen Menschen genutzt, vor Weihnachten komme ein Bezahl-Abo-Modell mit Originalproduktionen und großer Mediathek dazu. Die Fernsehsender investierten mehr in selbstproduzierte Programme und Liveformate und hätten Zuschauer gewonnen.

Der Umsatz der Internet-Shops und das Produktionsgeschäft wuchsen und sorgten dafür, dass der Konzernumsatz trotz sinkender Werbeerlöse um
vier Prozent auf 926 Millionen Euro stieg. Inzwischen stammen 56 Prozent des Umsatzes aus dem Nicht-TV-Werbegeschäft, das 13 Prozent zulegte. Dazu trugen bei: ein Plus von 37 Prozent im digitalen und smarten Werbegeschäft, zweistellige Wachstumsraten bei Red Arrow Studios und der NuCom Group, darunter der Online-Beauty-Anbieter Flaconi mit + 59 Prozent. 

Der Gewinn von ProSiebenSat.1 hängt bislang aber vor allem vom klassischen Werbegeschäft ab - und da sieht es mau aus. "Auch der Oktober ist nicht sonderlich gelaufen", sagte Finanzvorstand Rainer Beaujean der dpa. Der Jahresumsatz des Konzerns soll zwar in einer ähnlichen Größenordnung zulegen wie im Quartal, der Betriebsgewinn sinken - grob gerechnet wäre es vielleicht ein Zehntel weniger. Die Prognose steht aber auf wackligen Beinen, denn in der Regel erwirtschaftet der Fernsehkonzern im letzten Quartal ein Drittel seines Jahresumsatzes und sogar 40 Prozent seines Betriebsgewinns.

Die Investitionen in die Zukunft des Unternehmens würden aber keinesfalls gekürzt, nur um kurzfristige Finanzziele zu erreichen, stellte Beaujean klar. "Das ist ein Marathon, kein kurzes Rennen."

Im TV-Zuschauermarkt lagen die Sender der ProSiebenSat.1 Group mit einem Marktanteil von 28,3 Prozent (14-49 Jahre) in den ersten neun Monaten des Jahres deutlich über dem Vorjahreswert (Vorjahr: 27,5 Prozent). Auch im Oktober setzte sich dieser positive Trend mit einem Zuschauermarktanteil von 28,8 Prozent fort. Die digitale Viewtime wuchs im dritten Quartal ebenfalls und legte um 21,8 Prozent zu. Insbesondere die Formate "The Voice of Germany", "Late Night Berlin" sowie "Das große Backen" sind auf allen Plattformen bei den Zuschauern beliebt. Insgesamt lag im dritten Quartal die Total Video Viewtime, also die Gesamtsumme der gesehenen Minuten auf allen linearen Kanälen und digitalen Entertainment-Plattformen des Konzerns, bei 253 Mrd Minuten (Vorjahr: 260 Mrd Minuten), wobei das Wachstum der digitalen Nutzung die zurückgehende lineare Reichweite in diesem Quartal noch nicht komplett ausgleichen konnte.

Nach Silvio Berlusconis Mailänder Mediaset-Konzern ist im Oktober Czech Media Invest (CMI) bei ProSiebenSat.1 eingestiegen. Conze
sagte, er habe sich gefreut und sehe das als Vertrauensbeweis von CMI in den Umbau. ProSiebenSat.1 beschäftigt rund 6500 Mitarbeiter.

dpa

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