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Streamingtipps
Binge-Watching: Diese Filme helfen uns durch die Isolation

Die Welt im Ausnahmezustand: Das Coronavirus hat unser Leben im Griff. In der Krise fällt die soziale Isolation besonders schwer. Diese Filme und Serien zeigen, wie wir das Beste daraus machen können.

Text: W&V Redaktion

20. März 2020

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Die Weltgesundheitsorganisation hat die Verbreitung des Coronavirus offiziell als Pandemie eingestuft. Europa gilt als ihr neues Epizentrum. Folgerichtig haben mittlerweile auch europäische Staaten drastische Maßnahmen ergriffen, um die Zahl der Übertragungen zu kontrollieren. In Deutschland bleiben nicht nur Universitäten, Schulen und Kitas geschlossen –auch Clubs und Bars, Theater und Kinos haben den Betrieb mittlerweile vollständig eingestellt. Menschen, die in nicht-systemrelevanten Berufen tätig sind, arbeiten im Homeoffice oder gar nicht. #FlattenTheCurve lautet das Motto der Stunde, und die #StayHomeChallenge gilt als der beste  Weg dorthin. Doch die soziale Distanz, das Meiden von Familienmitgliedern, von Freund*innen und Kolleg*innen fällt vielen in dieser Krisensituation besonders schwer. Unsere Streamingtipps zeigen, wie wir aus der Situation das Beste machen und das Gefühl der Isolation etwas mindern können.

Während uns "Mary & Max" beweisen, dass die Verbundenheit zweier Menschen nicht von der räumlichen Nähe zueinander abhängt, entsinnen wir uns durch den "Hüter der Erinnerung – The Giver" der Kraft der Bücher (wahlweise der Filme und Serien!) uns über Umwege in fremde Welten an gemeinsame Werte, wie Liebe und Solidarität, zu erinnern. Ganz anders Denzel Washingtons "Fences": Die Irrungen, die die Hauptfiguren durchmachen, inspirieren dazu, die Entschleunigung der Quarantäne zur Reflexion über unsere Ziele und Träume zu nutzen. "The Shape of Water" ruft uns wiederum ins Gedächtnis, dass wir Gemeinschaft nicht immer da finden, wo wir sie vermuten – so kann die Verbundenheit in der sozialen Isolation, die wir zwar alle voneinander getrennt aber dennoch gleichzeitig erleben, auch Chance sein, näher zusammen zu rücken. Und nun mal ehrlich: Wer könnte uns besser lehren, dass es für ein umtriebiges, spannendes Leben kein ständiges Draußen benötigt, als "Dracula" persönlich?

Mehr Streamingtipps gibt’s im Feed auf shelfd.com. Und wenn Sie keine Highlights mehr verpassen möchten, dann holen Sie sich die Neustarts von Netflix oder Prime Video direkt in Ihren Kalender. Happy Streaming!

 

 Mary & Max – oder: Schrumpfen Schafe wenn es regnet?

Bei Joyn Plus+ verfügbar 

Ein Animationsfilm zwar, aber nichts für Kinder. Denn hier werden große existenzielle Fragen im Kleinen verhandelt. Alles dreht sich um die achtjährige Mary Daisy Dinkle (u.a. gesprochen von Toni Collette) und ihre Brieffreundschaft zum Mittvierziger Max Jerry Horrowitz (Philip Seymour Hoffman), dem sie eher durch Zufall zu schreiben beginnt. Die beiden trennt nicht nur ein riesiger Altersunterschied, sondern auch eine enorme räumliche Distanz zwischen Melbourne und New York. Während Marys Schwierigkeiten aus einer dysfunktionalen Familie herrühren, wird Max als Asperger-Autist von seinen Mitmenschen oft missverstanden. Gleichzeitig sind sie jedoch in ihrer Verwunderung über das Leben und die Probleme, die sie im Alltag haben, tief miteinander verbunden.

"Mary & Max" gelingt es, besser als so manchem Hollywood-Drama, ganz große Emotionen zu vermitteln. Nach nur 90 Minuten fühlt man sich den beiden Hauptfiguren derartig verbunden, dass einem der Film noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Hier geht es zum Film.

Dracula (Mini-Serie)

Bei Netflix verfügbar

Zugegeben, der Stoff ist eigentlich uralt – bereits 1897 veröffentlichte Bram Stoker seinen vielzitierten Roman. Und tatsächlich ist die Ausgangssituation in der Miniserie altbekannt: Dracula (Claes Bang) hat den britischen Anwalt Jonathan Harker (John Heffernan) nach Transsilvanien bestellt, um eine Immobilie in England zu erwerben. Gleichzeitig hat er es jedoch auf dessen Blut abgesehen, um sich selbst zu verjüngen.

Dennoch gelingt den "Sherlock"-Autoren Mark Gatiss und Steven Moffat in ihrer jüngsten Interpretation für die BBC und Netflix ein Kunstgriff. Indem sich der Graf in Form der Ordensschwester Agatha (Dolly Wells) plötzlich einem weiblichen Van Helsing  gegenübersieht, kommt es zu einer völlig neuen Dynamik zwischen den Antagonisten. Nur lose am Original orientiert, schwingen sich die beiden – trotz einer ordentlichen Portion an Horror- und Ekelmomenten – immer wieder zu regelrecht philosophisch anmutenden Rededuellen auf. Dabei begegnen sie sich über einen Zeitraum von über 100 Jahren immer wieder, was die altbekannte Story gleichsam ins Jetzt versetzt. Die Tatsache, dass er das Sonnenlicht meiden muss, scheint Dracula nicht daran zu hindern, ein höchst abenteuerliches Leben zu führen.

Hier geht es zur Miniserie.

Fences

Bei Netflix verfügbar

Pittsburgh in den 50ern: Troy Maxsons (Denzel Washington) Arbeit als Müllmann ist hart und unbefriedigend. Nur mit Mühe gelingt es ihm, seine Frau Rose (Viola Davis) und seine Söhne finanziell über Wasser zu halten. Während sein erwachsener Sohn Lyons (Russell Hornsby) als Musiker in den Tag hineinlebt und immer wieder auf die Unterstützung seines Vaters angewiesen ist, kommt es mit Spross Cory (Jovan Adepo) aufgrund dessen Traum, Footballspieler zu werden, immer wieder zu Konflikten. Denn Troy war einst selbst ein talentierter Athlet – eine professionelle Karriere blieb ihm jedoch wegen rassistischer Diskriminierung und fataler Lebensentscheidungen versagt. Aus dem Gefühl heraus, auf der Stelle zu treten, trifft der Patriarch eine folgenreiche Entscheidung, die die Familie letztlich entzweien soll.

"Fences" ist ein feinkonzipiertes Drama über Wünsche, die in der Hektik des täglichen Überlebenskampfs untergegangen sind. Das überzeugende Spiel des Cast macht den Film, trotz Kammerspielcharakter,  zu einer besonders intensiven Seherfahrung. 

Hier geht es zum Film.

The Shape of Water – Das Flüstern des Wassers

Leihbar bei Amazon

Mitten im Kalten Krieg, in den 60er Jahren, arbeitet die stumme Elisa (Sally Hawkins) als nächtliche Putzfrau in einem US-amerikanischen Geheimlabor. Ihr Leben scheint trostlos, die einzigen sozialen Kontakte sind ihre Arbeitskollegin Zelda (Octavia Spencer) und Nachbar Giles (Richard Jenkins). Doch das ändert sich, als Wissenschaftler ein rätselhaftes Amphibienwesen aus dem Amazonas ins Forschungsinstitut bringen. Während es auf andere Menschen aggressiv reagiert, gelingt es Elisa, mit ihm zu kommunizieren. Als sie das Leben des Geschöpfs bedroht sieht, beschließt sie kurzerhand, es im heimischen Badezimmer unterzubringen.

Ganz in der Manier Guillermo del Toros ("Pans Labyrinth"), entwickelt sich eine absonderliche, und dennoch märchenhaft anmutende, Liebe zwischen ihnen, die von der schon bald einsetzenden Verfolgung der beiden in Gefahr gerät. Gemeinschaft ist eben nicht immer dort zu finden, wo man sie vermutet.

Hier geht es zum Film.

Der Hüter der Erinnerung – The Giver

Bei Joyn Plus+ verfügbar

Irgendwann in einer unbestimmten Zukunft, herrscht absoluter Frieden und die Menschen sind gleich. Es gibt weder Leid noch Armut. Allerdings auch keine Freude, keine Farben und keine Individualität. Jegliche Emotion wird dank täglicher Injektionen unterdrückt, während der sogenannte "Ältestenrat" (Meryl Streep spielt die Vorsitzende) dafür sorgt, dass abweichendes Verhalten ausgemerzt wird. Er ist es auch, der den jungen Erwachsenen eine Aufgabe in der Gemeinschaft zuweist. Überraschenderweise bekommt Jonas (Brenton Thwaites) dabei die Rolle des neuen "Hüters der Erinnerung" zugewiesen. Als solcher werden ihm nun die Erinnerungen an die alte Welt, und damit auch Gefühle, wie Trauer, und Schmerz – aber auch Liebe und Glück – vom Geber (Jeff Bridges), der als Einziger über eine große Bibliothek verfügt, übertragen. Nicht einmal seinen Eltern (gespielt von Katie Homes und Alexander Skarsgård) darf er sich anvertrauen.

Obwohl ihm die alte Ordnung manchmal brutal und hässlich vorkommt, zieht er sie der sterilen Nüchternheit des neuen Systems vor und beschließt, es zu Fall zu bringen. In der Tiefe kommt "Der Hüter der Erinnerung" zwar nicht an die literarische Vorlage Lois Lowrys heran. Wer ähnlichen Dystopien, wie "Die Tribute von Panem" und "Die Bestimmung – Divergent"  etwas abgewinnen konnte, wird wahrscheinlich auch die Adaption mögen.

Hier geht es zum Film.

Autorin:

Arabella Wintermayr hat Politikwissenschaft studiert und arbeitet als freie Redakteurin beim Fernsehen. Ihre Leidenschaft gilt Filmen und Serien, die sich an die großen Fragen des Lebens und der Gesellschaft trauen.


Autor: W&V Leserautor

W&V ist die Plattform der Kommunikationsbranche. Zusätzlich zu unseren eigenen journalistischen Inhalten erscheinen ausgewählte Texte kluger Branchenköpfe. Einen davon haben Sie gerade gelesen.

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