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US-Zeitschriftenmarkt
Bonnier will US-Magazine abstoßen

Die Expansion auf den US-Markt war teuer erkauft. Und wenig erfolgreich. Nun möchte sich der Medienkonzern von rund 20 seiner Special-Interest-Titeln trennen. Ein Deal steht wohl unmittelbar bevor.

Text: W&V Redaktion

21. Juli 2020

In den USA gibt Bonnier mehr als 20 Special-Interest-Zeitschriften heraus.
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Der schwedische Medienkonzern Bonnier hat auf dem amerikanischen Zeitschriftenmarkt eine Menge Lehrgeld gezahlt – und inzwischen genug vom Engagement jenseits des Atlantiks. Schon Anfang des Jahres war in US-Fachmedien spekuliert worden, dass Bonnier seine mehr als 20 Special-Interest-Magazine in den USA loswerden möchte, seit Mai ist die Verkaufsabsicht offiziell. Und nun scheint ein Deal unmittelbar bevorzustehen.

"Wir hatten zunächst ein Dutzend Übernahme-Angebote erhalten", erklärte eine Unternehmenssprecherin gegenüber der New York Post. "Nach Abschluss der Gespräche mit diesen potenziellen Käufern evaluieren wir derzeit die fünf stärksten Gebote." Die Namen der Interessenten nannte sie zwar nicht, betonte aber, dass alle fünf potenziellen Käufer aus dem Medien- beziehungsweise Digitalbereich stammen.

Zu den Bonnier-Publikationen in den USA gehören Titel wie Popular Science, Working Mother, Field & Stream, Outdoor Life, Yachting, Boating oder Flying. Im Jahr 2007 hatte der Konzern für 225 Millionen Dollar 18 Titel vom Verlag Time Inc. übernommen und damit sein US-Portfolio erheblich erweitert. Allerdings zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt – kurz vor der globalen Finanzkrise, die noch im selben Jahr ihren Anfang nahm.

Nach Jahren mit Sparrunden und Mitarbeiter-Entlassungen wird der US-Jahresumsatz mittlerweile nur noch auf rund 30 Millionen Dollar geschätzt. Eingestellt oder in Digital-only-Ausgaben umgewandelt wurden beispielsweise acht Motorrad-Magazine. In diesem Segment erscheint nur noch Cycle World in gedruckter Version. Hefte wie Scuba Diving und Sports Diver wurden bereits verkauft. Und einstige Monatstitel mit Millionen-Auflage wie Popular Science und Field & Stream erscheinen nur noch vierteljährlich.

Einen Komplett-Rückzug vom amerikanischen Markt plant Bonnier allerdings nicht. Behalten wollen die Schweden die Unit Bonnier Exhibition sowie den erfolgreichen Titel Working Mother, der sich an karriereorientierte Mütter richtet.

In Deutschland zweitgrößter Buchverlag

Weltweit ist die Bonnier-Mediengruppe mit 175 Unternehmen in 16 Ländern aktiv. Hauptsitz des sich in Familienbesitz befindlichen Unternehmens ist Stockholm. Der zum Konzern gehörende Bereich Bonnier News, ebenfalls mit Sitz in der schwedischen Hauptstadt, ist einer der größten Zeitungs- und Zeitschriftenverlage in Nordeuropa. In Schweden publiziert der Konzern beispielsweise die Tageszeitungen Dagens Nyheter und Expressen sowie das Wirtschaftsblatt Dagens industri.

In der Tochtergesellschaft Bonnier Media Deutschland mit Sitz in München sind die deutschen Buchverlagsaktivitäten gebündelt. Hierzu gehören unter anderem die Verlage Carlsen, Piper, Ullstein Buchverlage, die Münchner Verlagsgruppe und der Verlag Hörbuch Hamburg. Bonnier Media Deutschland ist nach eigenen Angaben die zweitgrößte deutsche Buchverlagsgruppe mit einem Jahresumsatz in Höhe von rund 250 Millionen Euro.


Autor: Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.

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