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Gehälterdebatte
CEO der Financial Times zahlt Teil seiner Einkünfte zurück

Nach Protesten der Mitarbeiter verzichtet CEO John Ridding auf mehr als eine halbe Million britische Pfund. Das Geld soll einer ganz bestimmten Gruppe innerhalb der Belegschaft zugute kommen.

Text: W&V Redaktion

16. August 2018

John Riddings Rückzahlung soll in einen Fonds zur Frauenförderung im Verlag fließen
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John Ridding, CEO der Financial Times (FT), will einen Teil seiner Einkünfte aus dem vergangenen Jahr zurückzahlen. Der Schritt erfolgt, nachdem es bei den Mitarbeitern des Wirtschaftsblatts heftige Proteste gegen den ungewöhnlich starken Anstieg der Vergütungen für den FT-Chef gegeben hatte.

Die Gesamteinkünfte Riddings, bestehend aus Gehalt und erfolgsabhängigen Bonus-Zahlungen, hatten sich 2017 auf über 2,5 Millionen britische Pfund (2,8 Mio. Euro) summiert, ein Plus gegenüber dem Vorjahr um mehr als 25 Prozent. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Steigerungsrate bei den Einkünften der FTSE-100-CEOs lag vergangenes Jahr bei elf Prozent.

Insgesamt, so hieß es in der Redaktion, seien Riddings Einkünfte seit seinem Eintritt in das Unternehmen im Jahr 2006 um 442 Prozent gestiegen. Dafür gebe es keine Rechtfertigung. Aus diesem Grund hatten die Mitarbeiter, die in der Journalisten-Gewerkschaft National Union of Journalists organisiert sind, eine Betriebsversammlung für den gestrigen Mittwochnachmittag einberufen, auf der das Thema diskutiert werden sollte.

Künftige Bezüge sollen "neu bewertet" werden

Kurz vor der geplanten Versammlung schickte Ridding laut einem Bericht der Financial Times (Paywall) jedoch eine E-Mail an die Mitarbeiter, in der er ankündigte, dass er das Plus gegenüber dem Jahr 2016 in Höhe von etwas über 500.000 Pfund vor Steuern zurückzahlen werde. Da die Einkünfte bereits versteuert seien, werde die tatsächliche Rückzahlung etwa 280.000 Pfund betragen.

Darüber hinaus erklärte er, dass sein künftiges Einkommen "neu bewertet" werde, insbesondere hinsichtlich seiner Einkünfte vor dem Jahr 2016, als der japanische Wirtschaftskonzern Nikkei die FT übernahm.

Der Protest der Mitarbeiter hatte sich unter anderem auch daran entzündet, dass die Einkünfte Riddings mehr als die Hälfte des operativen Gewinns der Financial Times im vergangenen Jahr in Höhe von rund vier Millionen Pfund ausmachten.

Laut Ridding werde die Rückzahlung in einen Fonds fließen, aus dem die Förderung weiblicher Mitarbeiter finanziert werden soll, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen und um das Ungleichgewicht bei den Gehältern für Männer und Frauen abzubauen.

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