Anzeige

Umbau im öffentlich-rechtlichen TV
Christine Strobl wird neue Programmdirektorin der ARD

Strobls Personalie ist eine von mehreren, die im Rahmen der Umstrukturierung der Führungsriege verkündet wurden. Ziel des Umbaus ist es, die ARD für eine deutlich digitalere Zukunft aufzustellen.

Text: W&V Redaktion

24. September 2020

Die ARD-Führungsriege mit der künftigen Programmdirektorin Christine Strobl (4.v.r.).
Anzeige

Spekuliert wurde es ja schon, nun ist es offiziell: Christine Strobl wird ab 1. Mai 2021 neue Programmdirektorin der ARD. Sie tritt damit die Nachfolge von Volker Herres an, der verkündet hat, die Aufgabe Ende April abzugeben. Christine Strobl verantwortet in ihrer neuen Funktion das Erste Deutsche Fernsehen und die ARD-Mediathek. Außerdem sitzt sie der neu beauftragten Videoprogrammkonferenz vor, die für die linearen und nonlinearen gemeinschaftlichen Videoangebote zuständig ist.

Die Juristin Strobl ist seit 2012 Geschäftsführerin der Degeto Film GmH, die gemeinsame Filmeinkaufsorganisation der ARD. In dieser Funktion verantwortet sie die Zulieferung von fast 80 Prozent aller Filme im Ersten, darunter die Filme und Reihen auf den erfolgreichen Sendeplätzen "DonnerstagsKrimi", "Endlich Freitag im Ersten" und "Sommerkino im Ersten". Außerdem wurden in ihrer Degeto-Zeit ambitionierte Projekte wie "Babylon Berlin" umgesetzt.

Thomas Schreiber soll Degeto-Chef werden

Die Nachfolge von Christine Strobl bei der Degeto soll Thomas Schreiber antreten – die Intendantinnen und Intendanten der ARD haben ihn auf ihrer Sitzung in Berlin vorgeschlagen. Die Wahl selbst muss noch in der Gesellschafterversammlung erfolgen. Schreiber, derzeit ARD-Unterhaltungskoordinator und Leiter des Programmbereichs Fiktion und Unterhaltung des NDR Fernsehens, soll die neue Funktion zum 1. Mai 2021 antreten. Wer sein Nachfolger wird, ist noch nicht entschieden.

Einen Wechsel gibt es auch an der Spitze der ARD-Chefredaktion. Der bisherige stellvertretende Leiter des ARD-Hauptstadtstudios, Oliver Köhr, wird zum 1. Mai 2021 neuer ARD-Chefredakteur, Koordinator Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Der MDR-Journalist und Politikwissenschaftler übernimmt damit eine der wichtigsten Aufgaben in der ARD – er verantwortet künftig in der ARD-Programmdirektion aktuelle Sendungen wie Tagesschau oder Tagesthemen, politische und Verbraucher-Magazine, Dokumentationen, Reportagen und Sondersendungen, wie den Brennpunkt oder ARD extra und auch die Talksendungen.

Köhr folgt auf Rainald Becker, der das Amt 2016 übernommen hatte. Auf Becker wartet im kommenden Jahr eine besondere Aufgabe: Er wird von Mai bis Ende Oktober die Koordination der Berichterstattung zur Bundestagswahl übernehmen. Köhrs bisherige Position als stellvertretender Leiter des ARD-Hauptstadtstudios wird Matthias Deiß, derzeit Redaktionsleiter des ARD-Politikmagazins "Kontraste". Er wird  außerdem zum stellvertretenden Chefredakteur Fernsehen berufen - ebenfalls zum Mai. Seine künftige Wirkungsstätte ist ihm nicht unbekannt: Deiß war zwischen 2012 und 2017 Fernseh-Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio.

Ein Neuer für Funk

Eine Neubesetzung gibt es auch an der Spitze von Funk: Philipp Schild folgt am 1. Dezember auf Florian Hager; er übernimmt damit die Leitung des Content-Netzwerks von ARD und ZDF, vorbehaltlich der Zustimmung des SWR-Verwaltungsrates. Er war bereits seit dem Start im Jahr 2016 als Head of Content (ARD) tätig und hat Funk und dessen Portfolio seitdem maßgeblich mit aufgebaut.

Von 2011 bis 2016 war Philipp Schild als Redaktionsleiter in der Fernsehunterhaltung des Hessischen Rundfunks tätig. Für die Sendeanstalt hat er ebenso als Projektleiter "Labor Bewegtbild" eine Strategie für die nonlineare Distribution von Inhalten erarbeitet. Sophie Burkhardt vom ZDF bleibt weiterhin als Stellvertreterin Teil der Programmgeschäftsführung.

Der bisherige Funk-Geschäftsführer Florian Hager hatte diese Tätigkeit zuletzt parallel zu einer anderen Ausgabe ausgeführt: Er war bereits zum neuen Channel-Manager der ARD-Mediathek und stellvertretenden Programmdirektor berufen worden.

Jetzt startet die Digitaloffensive

Dem neuen Führungsteam stehen einige Aufgaben bevor. Eine der wichtigsten ist der Ausbau der Digitalkompetenz – einer der Hauptgründe für den nun erfolgten personellen Umbau. Das Digitale wird auch mit als erstes in Angriff genommen: Die Angebote der ARD sollen künftig leichter auffindbar, besser vernetzt und inhaltlich noch attraktiver werden. Eine nun startende Digitaloffensive soll es richten.

Inhaltlich stehen die fünf beliebtesten digitalen ARD-Marken im Zentrum: Mediathek, Audiothek, Tagesschau.de, Sportschau.de und der Kinderkanal Kika. Koordiniert wird die gemeinsame Offensive über das ARD Digitalboard um Benjamin Fischer.

"Wir bringen das Digitale jetzt mit genau der Energie und Leidenschaft voran, wie wir das seit Jahrzehnten in Radio und Fernsehen tun. Dafür bringen wir kluge Köpfe aus allen Bereichen zusammen. Unser Qualitätsanspruch gilt für alle Ausspielwege", so ARD-Vorsitzender Tom Buhrow.

Ziele sollen bis Ende 2021 erreicht sein

Alle Rundfunkanstalten und die ARD-Gemeinschaftseinrichtungen arbeiten gemeinsam an den Zielen, die bis Ende 2021 erreicht sein sollen. Interdisziplinäre Projektteams haben sich für die kommenden Monate zehn strategische Handlungsfelder vorgenommen. Dazu gehören Grundsatzfragen wie Distribution, Nutzungserlebnis, technologische Infrastruktur und datenbasierte Formatentwicklung.

"Der digitale Wandel verändert grundlegend, wie Menschen Medien nutzen. Genauso grundlegend verändert sich deshalb die ARD", sagt Benjamin Fischer. "Unsere Nutzer*innen verlangen völlig zurecht ein exzellentes Medienerlebnis von uns. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, treiben wir diese Digitaloffensive mit voller Energie voran.“


Autor: Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde

Anzeige