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Rückzug angekündigt
Conrad Albert kritisiert ProSieben-Chef Conze

Der ProSiebenSat.1-Vize Conrad Albert kündigt an, seinen im kommenden Jahr auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Im Interview mit der SZ kritisiert Albert den CEO des Senders Max Conze. 

Text: W&V Redaktion

10. März 2020

Seit 2005 bei ProSiebenSat.1: Conrad Albert
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Conrad Albert will seinen zum 30. April 2021 auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Das hat der stellvertretende Vorstandsvorsitzende von ProSiebenSat.1 in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung angekündigt. Albert sagte, er stehe in der aktuellen Konstellation nicht für eine Verlängerung zur Verfügung. Den Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Brand habe er bereits im Juni 2019 darüber in Kenntnis gesetzt. 

Indem der Manager, der seit 2005 für den Medienkonzern tätig und seit 2011 im Vorstand ist, die "aktuelle Konstellation" als ausschlaggebend für den Schritt darstellt, kritisierte Albert offen ProSiebenSat.1-CEO Max Conze. Seit seinem Amtsantritt im Juni 2018 hat Conze die Führungsetage stark umgebaut. So verließen die Vorstände Jan Frouman, Christof Wahl, Sabine Eckhardt und Jan Kemper das Unternehmen. Mit Albert würde nun auch das letzte Vorstandsmitglied aus der Ära Thomas Ebeling den Hut nehmen. Auch die von Conze installierten Michaela Tod und Nick Thexton werden den Unterföhringern bald wieder den Rücken kehren. 

Die momentane "Vorstands-Soap-Opera", wie Albert die Unruhe bezeichnete, wirft kein gutes Licht auf Conze. Brisant: Für Conze geht es dieses Jahr um die Vertragsverlängerung. Mit dem SZ-Interview hat Albert nun seinen Rückzug eingeleitet. Dass der 52-Jährige sein Amt noch bis 2021 ausführt, darf angezweifelt werden, berichtete das Branchenmagazin DWDL

Beim Thema News wäre Albert gerne weiter 

Neben der Personalsituation sprach Albert auch über die gesellschaftliche Verantwortung des Senders angesichts der aktuellen globalen Krisen. Am Beispiel Coronavirus betonte er: "Wir berichten da nicht auf reißerische Art, sondern sehr faktisch, informativ und konstruktiv. Sei es bei Galileo, bei Akte, in unseren Nachrichten oder im Frühstücksfernsehen. Wir wollen Panikmache vermeiden – als Gegenpol etwa zu den sozialen Netzwerken."

Während seiner Zeit bei ProSiebenSat.1 machte sich Albert für die Newskompetenz des Medienkonzerns stark. Im SZ-Interview ließ er allerdings verlauten, dass er "bei dem Thema gerne schon weiter" wäre und verwies als Positiv-Beispiel auf Österreich. Dort hat die Gruppe mit Puls 24 einen Nachrichtensender gestartet und betreibt eine News-App.

Die privaten Sender müssten sich auf ihre wahren kommerziellen Wettbewerber, nämlich die globalen Internetplayer, fokussieren, betonte Albert: "Wir müssen als nationales Medienunternehmen unseren Platz in einer globalen Wettbewerbslandschaft finden, das kann über mehr Aktualität und Lokalität funktionieren."


Autor: Maximilian Flaig

ist seit 2018 W&V-Redakteur und verbringt in dieser Funktion die meiste Zeit des Tages im Agenturressort. Dort versorgt ihn die kreativste Branche der Welt zuverlässig mit guten Geschichten - oder mit Zahlen für diverse Rankings. Sport- und Online-Marketing interessieren den gebürtigen Kölner besonders. 

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