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6 Punkte für die Printzukunft
Das fordert der VDZ von der Politik

Der Verlegerverband VDZ formuliert Forderungen an die Politik. Gleichzeitig gibt der Verband ein Wachstum des digitalen Geschäfts und weiterer Geschäftsfelder auf über die Hälfte der Gesamtumsätze bekannt.

Text: W&V Redaktion

9. April 2019

Stephan Scherzer, Hauptgeschäftsführer VDZ
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Der Verband der deutschen Zeitschriftenverleger (VDZ) fordert bei seiner Jahrespressekonferenz in Berlin die Politik auf bei der Umsetzung der EU-Reform des Urheberrechts, der Verankerung der reduzierten Mehrwertsteuer für die Digitalprodukte und der Ausgestaltung der E-Privacy-Verordnung aktiv zu werden und faire Bedingungen für Verlage am Markt zu schaffen.

Das soll die Politik für die Zeitschriftenbranche tun

  1. Urheberrechtlicher Schutz der Presseverleger muss gestärkt werden
    Der VDZ begrüßt das neue europäische Verlegerrecht und die Wiederermöglichung der Beteiligung von Verlagen an Ausschüttungen der VG Wort. Die Bundesregierung hat dem ausgewogenen Gesamtpaket bereits zugestimmt und sollte auch die letzte formale Billigung im Rat gutheißen. Danach ist eine zügige Umsetzung im deutschen Recht erforderlich.
  2. E-Privacy-Verordnung ausbalancieren
    Die Entwürfe zur E-Privacy-Verordnung bedrohen mindestens 30 Prozent der Werbeeinnahmen journalistischer Internet-Angebote der Presseverlage. Zudem wird die Verordnung nach wie vor allein den Log-in-Plattformen weitere Wettbewerbsvorteile verschaffen und unabhängige Verlagsangebote weiter benachteiligen.
    Die Bundesregierung muss sich dafür einsetzen, dass die EU-Datenschutz-Grundverordnung das Regelungsniveau bestimmt. Diese ohnehin sehr restriktive Regulierung ist in der Lage, den Datenschutz im Bereich von Cookies etc. angemessen zu behandeln. Ganz grundlegend muss die Bundesregierung dafür Sorge tragen, dass bei der Anpassung und Anwendung des EU-Datenschutzrechts Refinanzierungsmöglichkeiten journalistisch-redaktioneller Medien nicht beeinträchtigt werden.
  3. Mehrwertsteuer für digitale Presse ohne Abstriche einführen
    Nach jahrelangen Diskussionen haben sich die EU-Finanzminister 2018 darauf geeinigt, den Mitgliedsstaaten die Erstreckung der reduzierten Mehrwertsteuer auf digitale Zeitschriften, Zeitungen und Bücher zu gestatten. Der Bundesfinanzminister ist jetzt aufgefordert, einen Vorschlag vorzulegen, der die europarechtliche Vorgabe ohne Abstriche ins deutsche Recht umsetzt. Ein Zurückbleiben hinter den Möglichkeiten der EU-Vorlage ist nicht hinnehmbar. Die Umsetzung muss die Realität der digitalen Presse erfassen.
  4. Direktvertrieb von Presseabonnements nicht weiter beschneiden
    Abonnenten sind die wichtigste Lesergruppe der freien Presse und zugleich strategischer Finanzierungsfaktor. Dabei müssen jährlich Millionen Leser gewonnen werden, um die Zahl der Abonnenten auch nur konstant zu halten. Die Möglichkeit zweijähriger Abonnement-Laufzeiten ist eine wesentliche Voraussetzung für den Vertrieb und die Finanzierung ungezählter Publikationen. Eine Halbierung auf ein Jahr würde die ohnehin ungünstigen Rahmenbedingungen für die freie, staatsunabhängige Finanzierung unabhängiger Redaktionen weiter verschlechtern. Ebenso lehnt der VDZ weitere Beschränkungen des Telefonmarketings oder von Haustürgeschäften entschieden ab.
  5. Diskriminierungsfreien Zugang legaler Presseangebote zu relevanten marktdominanten Digital-Plattformen sicherstellen
    Digitale Plattformen verschiedenster Art werden zu Pressevertriebsmärkten, die bisher willkürlich ausgewählte Publikationen oder Inhalte bevorzugen oder benachteiligen können. Deshalb muss der diskriminierungsfreie Zugang legaler Presse-Angebote zu relevanten marktdominanten Digital-Plattformen sichergestellt werden. Inakzeptabel wäre demgegenüber jede Diskriminierung der digitalen Presse, etwa durch eine deutsche Medienregulierung, die allein Rundfunk oder audiovisuellen Medien Zugangsrechte zu Plattformen im offenen Internet verschaffen würde.
  6. Inhaltlich rechtmäßige, legale Veröffentlichungen dürfen nicht diskriminiert werden
    Gegen Fake News helfen nur mehr Unfaked News durch freie, private und vielfältige Medien. Jede politische Intervention, die legale, inhaltlich rechtmäßige Veröffentlichungen nach bestimmten Kriterien als Fake News oder Desinformation bekämpfen wollte, wäre eine Gefahr für die Presse- und Meinungsfreiheit. Wenn rechtmäßige Veröffentlichungen weitergehend inhaltlich bewertet und als Fake-News oder Desinformation behindert oder gesperrt werden, läuft das auf ein Ende der Meinungs- und Pressefreiheit heraus, wie wir sie kennen.

Umsatzsteigerung dank Neuberechnung der Vertriebsumsätze

20,6 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftete die Branche im vergangenen Jahr (2017: 14,8 Milliarden Euro). Die hohe Umsatzsteigerung liegt an der Umstellung der Berechnungsmethode der Deutschen Fachpresse im vergangenen Jahr und der vom VDZ durchgeführten Neuberechnung der Vertriebsumsätze aller über die IVW hinausgehend erfassten Publikumszeitschriften. Das heißt, dass mehr Titel mit ihren Umsätzen berücksichtigt werden. 

Entsprechend ist auch der Vertriebsmarktumsatz der Publikumszeitschriften mit vier Milliarden Euro höher als erwartet. Das hat eine neu strukturierte Berechnung der Vertriebsumsätze aller im Abonnement, Einzel- und Bahnhofsbuchhandel sowie als E-Paper erhältlichen Magazine ergeben, die der Arbeitskreis Pressemarkt Vertrieb des VDZ mit Vertriebs- und Handelsexperten erarbeitet hat.

Mit dem neuen Berechnungsansatz des VDZ werden künftig alle Titel mit ihren diversen Vertriebserlösen erfasst. So auch die sonstigen Verkäufe, die Lesezirkel-Auflage sowie die Abo-, Einzelverkauf- und E-Paper-Umsätze berechnet.

Weitere Print-Investitionen geplant

Laut einer VDZ-Trendumfrage plant fast jeder zweite Verlag (45 Prozent) neue periodische Printtitel, über die Hälfte neue Print-Sonderausgaben. Immerhin jeder vierte Zeitschriftenverlag will neue digitale journalistische Angebote auf den Markt bringen. Dazu gehört auch Audio. Knapp 40 Prozent planen neue  Podcast-Formate.

2018 erreichte die Zahl der Printtitel  laut Wissenschaftlichem Institut für Presseforschung und Medienberatung mit  1.625 mindestens quartalsweise erscheinenden Publikumszeitschriften eine neue Höchstmarke, von denen alle auch digitale Kanäle nutzen.

„Mit rund 4 Milliarden Euro Umsatz vom Leser, 1,6 Milliarden am Kiosk verkauften Magazinen pro Jahr, das sind rund 20 Magazine pro Einwohner, hat Deutschland weltweit den stärksten Zeitschriftenmarkt. Paid Content ist die tragende Säule des Zeitschriftengeschäfts“, sagt Stephan Scherzer, Hauptgeschäftsführer VDZ.

Steigerung der Paid Content-Umsätze

Und die Zahlungsbereitschaft beim Leser nimmt zu. Die Zahl der genutzten E-Paper-Ausgaben und der Online-Abos sei deutlich gestiegen, die Umsätze erreichen knapp 400 Millionen Euro laut dem Fachdienst pv digest. Die Paid-Content-Umsätze bei Fachzeitschriften lägen jenseits der Milliarden-Euro-Grenze.

Interessant: Das Geld kommt von den Digital Natives. Laut einer Pricewaterhouse Coopers-Studie haben 39 Prozent der 18- bis 29-jährigen bereits einmal für Online-Medien bezahlt. Bei den 30- bis 39-jährigen sind es mit 34 Prozent mindestens doppelt so viele wie in den älteren Jahrgangsgruppen.

Digitalgeschäft legt zu, Anzeigengeschäft schwächelt 

Laut der VDZ-Umfrage rechnen die Verleger mit einem Wachstum des Digitalgeschäfts von knapp zehn Prozent, die sonstigen Geschäfte sollen um knapp vier Prozent zulegen. In den Geschäftsfeldern Anzeigen und Vertrieb erwarten die Verlage einen Umsatzrückgang in Höhe von 4,2 und 3,5 Prozent. Beim Digital-Vertrieb wird dagegen mit einem Umsatzplus von 14,5 Prozent gerechnet.

Damit werden sich die Umsatzanteile weiter zugunsten der Digitalerlöse und des sonstigen Geschäfts verschieben und 2019 zusammen erstmals bei knapp über der Hälfte liegen. Beim klassischen Printgeschäft (Anzeigen + Vertrieb) rechnen die Verleger für 2019 mit einem Anteil von 49,6 Prozent (2018: 55 Prozent), beim Digital-Geschäft mit 24,5 Prozent (2018: 23,5 Prozent) und beim sonstigen Geschäft mit 25,9 Prozent (21,5 Prozent).

Sonstige Geschäftsfelder gewinnen an Bedeutung

Mit den Bereichen Bildung, Veranstaltungen, Software & Services, Stellen-Plattformen und Transaktionsplattformen erwirtschafteten die Verlage rund 3,95 Milliarden Euro. Den weitaus größten Anteil machten mit 2,3 Milliarden Euro die Transaktionsplattformen aus, das sind Erlöse, die über E-Commerce, Vergleichsportale und Online-Rubriken-Märkte gemacht werden. Bildung erwirtschaftete Umsätze in Höhe von 310 Millionen Euro, Veranstaltungen 229 Millionen, Software & Services 425 Millionen und Stellen-Plattformen 709 Millionen Euro.

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