Anzeige

Unruhen in den USA
Das sagen ARD und ZDF zur Kritik an US-Berichterstattung

Am Mittwochabend hätten ARD und ZDF auf die aktuellen Entwicklungen in den USA zu spät reagiert, so der Tenor eines Spiegel-Artikels. ARD-Programmdirektor Volker Herres reagiert auf die Kritik. 

Text: Anonymous User

8. Januar 2021

ZDF-Büroleiter Elmar Theveßen in Washington vor dem Kapitol.
Anzeige

Auf Twitter & Co. wird diskutiert, ob ARD und ZDF am Mittwochabend schneller über die Ereignisse in den USA hätten berichten müssen. Ein Mob von Tausenden Menschen hatte das Kapitol in der US-Hauptstadt gestürmt - es kam zu Gewalt, mehrere Menschen starben. Das Magazin Der Spiegel bezeichnet die beiden Sender in einem Online-Artikel als "bedingt sendefähig". "Haben ARD und ZDF ein Live-Problem?", fragen die Autoren. 

Ausgerechnet der ehemalige Tagesschau-Chef Ulrich Deppendorf twitterte am Mittwochabend. "In Washington gibt es einen Anschlag auf die US-Demokratie und DAS ERSTE sendet Hans Albers! Verstehen tue ich das nicht mehr. Auch nicht das ZDF." 

Dieser Inhalt kann leider nicht dargestellt werden. Sie finden ihn hier.

Das wollte die ARD nicht auf sich sitzen lassen - und twitterte in den Antworten zurück: "Es gab bereits um 21.45 Uhr ein zehnminütiges "Tagesthemen extra". Weitere Infos gleich um 23.20 Uhr in den @tagesthemen . Außerdem gibt’s alle Infos aktuell bei tagesschau24, im Liveblog von http://tagesschau.de und im Livestream von @phoenix_de", antwortete das Social-Media-Team dem ehemaligen Kollegen. 

Dieser Inhalt kann leider nicht dargestellt werden. Sie finden ihn hier.

Am Freitagmorgen folgt ein offizielles Statement von ARD-Programmdirektor Volker Herres zur Spiegel-Berichterstattung: 

"In Ihrem Artikel auf Spiegel online kolportieren die Autoren die Behauptung 'In Hamburg, wo Tagesschau und Tagesthemen entstehen, habe man sich noch früher für eine Unterbrechung eingesetzt, heißt es aus der Redaktion - der Flaschenhals liege in der Münchner Programmdirektion.'

Dass diese angebliche Aussage anonym ist, verwundert nicht, denn sie ist schlichtweg falsch. Nach den ersten Meldungen aus Washington gab es eine kontinuierliche Abstimmung mit Marcus Bornheim, Chefredakteur ARD aktuell. Es wurden der Breaking-News-Crawl im laufenden Spielfilm und das "Tagesthemen extra" um 21.45 Uhr verabredet. Wegen der unsicheren Situation in Washington war ARD aktuell erst ab 23.00 Uhr im Ersten sendebereit. Daraufhin wurde der Spielfilm um 23.00 Uhr abgebrochen und in den vorgezogenen 'Tagesthemen' direkt in die US-Hauptstadt geschaltet."

Wulf Schmiese, Redaktionsleiter des "heute-journals", kommt beim Spiegel zu Wort: "Wenn man alles stehen und liegen lässt, um schnell auf Sendung zu gehen, kommt man über das pure Draufhalten nicht hinaus". Sein Tenor laut Spiegel: "Wir müssen sorgfältig sein, nicht nur schnell", so Schmiese. Das ZDF berichtete in drei "heute journal"-Ausgaben und zudem in der gut einstündigen Sonderausgabe von "ZDFheute live" auf der Nachrichtenplattform ZDFheute und in der ZDFmediathek über die Ereignisse rund um das Kapitol in Washington. 

Ein weiteres Argument, das die Sender anführen dürften: ZDF-Büroleiter Elmar Theveßen in Washington erklärte an besagten Mittwochabend, er und sein Team seien von Personen umringt worden, die er dem extremistischen Milieu zuordnen würde. "Man hat uns bedroht, man hat angefangen, unsere Ausrüstung umzuwerfen, auch zu zerschlagen und uns wurde klar bedeutet, wir sollten verschwinden", so Theveßen. 

Wegen der Attacke war nach ZDF-Angaben eine weitere Schalte von Theveßen ins "heute journal spezial" 45 Minuten nach dem regulären "heute journal" kurzzeitig nicht möglich. "Der ZDF-Korrespondent wurde dann zunächst per Telefon bildlos geschaltet, da auch die Videotelefone von den Demonstranten zerstört worden waren. Im "heute journal update" war er dank Ersatzausrüstung wieder im Bild zu sehen", teilte das ZDF mit.

In den ARD-"Tagesthemen" musste eine Schalte mit Studioleiterin Claudia Buckenmaier abgebrochen werden, als Buckenmaier auf sich nähernde Menschenmengen verwies: "Wir gehen hier jetzt besser weg."

Das ZDF zeigt sich zufrieden mit den Quoten am 6. Januar. Laut dem Sender schalteten die Fernsehzuschauerinnen und -zuschauer besonders zahlreich im "heute journal" ein. Rund 8,8 Millionen sahen das Nachrichtenmagazin mit Marietta Slomka, bei einem Marktanteil von 29,4 Prozent. Und auch das "heute journal spezial" ab 23 Uhr war gefragt - mit 3,41 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern und einem Marktanteil von 17,7 Prozent. Bei "Markus Lanz" wurde das Thema ebenfalls tagesaktuell eingeordnet. Nach Mitternacht berichtete auch das "heute journal update" über die Ereignisse in Washington, was noch 1,58 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten.

Das Thema stößt auf enormes Interesse. Auch am Donnerstagabend haben Sondersendungen über die Ereignisse in Washington ein Riesenpublikum erreicht. 9,13 Millionen (26,0 Prozent) verfolgten ab 20.15 Uhr den "Brennpunkt" im Ersten zum Sturm von Trump-Anhängern auf das Kapitol. Das "RTL Aktuell Spezial" sahen zeitgleich 2,76 Millionen (7,9 Prozent). Ein "ZDF spezial" zu den Ereignissen war bereits um 19.25 Uhr auf 5,37 Millionen Zuschauer (18,1 Prozent) gekommen.


Autor: W&V Redaktion

Nicht alle W&V-Artikel erscheinen unter dem Namen eines einzelnen Autors. Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Artikel mit „W&V-Redaktion“ gekennzeichnet sind. Zum Beispiel, wenn mehrere Autoren daran mitgearbeitet haben oder wenn es sich um einen rein nachrichtlichen Text ohne zusätzliche Informationen handelt. Wie auch immer: Die redaktionellen Standards von W&V gelten für jeden einzelnen Artikel.

Anzeige