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Die AGF zieht Bilanz
Das sind die TV-und Streaming-Hits 2021

Sport, Wahlen und Corona - das waren laut der Reichweitenforscher der AGF die wichtigsten TV-Themen des vergangenen Jahres. Im Streaming lagen dafür Dramaserien wie "Die Toten von Marnow" weit vorn.

Text: W&V Redaktion

5. Januar 2022

"Die Toten von Marnow" war der Streaming-Hit 2021 im Ersten.
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Corona, Fußball und die Wahlen – die großen Themen des Jahres 2021 haben auch die Bewegtbildnutzung bestimmt. Das zeigt die jetzt von der AGF Videoforschung veröffentlichte Reichweitenbilanz des abgelaufenen Jahres. Im Fernsehen war Sport der große Treiber: Sowohl die 2020 ausgefallenen Olympischen Spiele als auch die UEFA Euro 2020 wurden 2021 nachgeholt.

Insgesamt hatten rund 62,2 Millionen (82,6 Prozent) aller TV-Zuschauer mindestens einmal für mindestens eine Minute Kontakt mit einer Sendung zur Fußball-Europameisterschaft. Und zwar nicht nur im klassischen Fernsehen: "Auch im Streaming scheint sich diese Erfolgsgeschichte nun fortzusetzen", so Kerstin Niederauer-Kopf, Vorsitzende der AGF-Geschäftsführung. Eine Theorie, die unter anderem durch die Sportrechte-Einkaufstouren von Anbietern wie Amazon Prime Video oder Dazn gestützt wird.

König Fußball regiert erneut

Es überrascht also nicht, dass die Hitliste der erfolgreichsten TV-Sendungen 2021 von den Spielen der Fußball-EM 2020 dominiert wird. Die erfolgreichste TV-Sendung beim Gesamtpublikum (Mindestsendungslänge: fünf Minuten) war das Achtelfinale am 29. Juni im Ersten. 27,5 Millionen Zuschauer ab drei Jahre sahen zu, wie Deutschland 0:2 gegen England ausschied. Das entspricht einem Marktanteil von 76,3 Prozent. Auch die Deutschland-Spiele der Gruppenphasen im ZDF gegen Ungarn am 23.Juni und gegen Frankreich am 15.Juni stehen mit 25,7 Millionen beziehungsweise 22,6 Millionen Zuschauern in der Top 5. Die Spiele haben auch das Heute Journal und Wetter im ZDF beflügelt, die jeweils in der Halbzeit ausgestrahlt wurden.

Da konnten nicht viele Formate jenseits von Sport und News mithalten. Doch es gab sie: "Wetten, dass…?" im ZDF war die erfolgreichste Sendung des vergangenen Jahres. Die Revival-Show im ZDF mit Thomas Gottschalk und Michelle Hunziker kam bei den Zuschauern ab drei Jahren auf eine Sehbeteiligung von 14,5 Millionen Zuschauern und einen Marktanteil von 45,9 Prozent. Bei den 14- bis 49-Jährigen waren es 4,6 Millionen – damit entschied sich jeder zweite, der an diesem Abend das TV-Gerät einschaltete, für die ZDF-Show (Marktanteil: 50,1 Prozent). Bei den 14- bis 29-Jährigen lag der Marktanteil sogar bei 55,8 Prozent.

Auch mit "TV Total" auf ProSieben gelang in diesem Jahr eine erfolgreiche Wiederauflage in der jüngeren Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen: Nach "Wetten, dass…?" und dem "Eurovision Song Contest 2021" im Ersten war die erste von Sebastian Pufpaff moderierte Show am 10. November mit 2,2 Millionen Zuschauern 14-49 Jahre und 27,8 Prozent Marktanteil die dritterfolgreichste Sendung im Genre "Show/Entertainment".

2021 war auch ein sehr politisches Jahr. Corona und die Wahlen bestimmten die Nachrichten. Das zeigt sich auch in einem weiterhin hohen Nutzungsanteil von Informationssendungen: Mit 36,1 Prozent beim Gesamtpublikum ist der Anteil nochmals leicht gestiegen. Einen starken Anstieg verzeichnet im EM- und Olympiajahr auch Sport: Der Anteil stieg von 4,4 Prozent in 2020 auf 6,4 Prozent. Entsprechend sanken die Anteile anderer Genres.

Rund 76 Prozent der Zuschauer ab 14 Jahren informierten sich im Wahljahr im linearen TV oder via Stream über die Wahlen. Das entspricht über 53 Millionen Personen, die bis zum 30. September einmal für mindestens eine Minute Kontakt mit einer entsprechenden Sendung hatten.

Corona bleibt ein Faktor

Die Corona-Maßnahmen beeinflussten die TV- und Streaming-Nutzung wie schon 2020 erneut. Gerade in den ersten Monaten des Jahres haben die andauernden Beschränkungen des gesellschaftlichen Lebens zu einer TV-Nutzung auf hohem Niveau geführt, die oberhalb des mittelfristigen Trends lag. Mit der Normalisierung des Alltags im Frühjahr und Sommer normalisierte sich auch die TV-Nutzung. Sie lag teilweise noch unterhalb des erwarteten Trends, was auch darauf hindeutet, dass es zu Nachholeffekten in der Bevölkerung kam. Diese negativen Corona-Effekte sind auch für die Streaming-Nutzung zu beobachten.

Übers Gesamtjahr betrachtet zeigen sich im TV deutliche Unterschiede in den einzelnen Altersgruppen: Während die Sehdauer 2021 bei den 14- bis 49-Jährigen im Vergleich zum coronabedingten Ausnahmejahr 2020 um 11,9 Prozent auf durchschnittlich 121 Minuten am Tag gesunken ist, liegt sie bei den Erwachsenen über 50 Jahren bei 336 Minuten und damit minimal über dem hohen Niveau von 2020, als die Sehdauer sprunghaft auf 335 Minuten angestiegen war. Insgesamt ging die Sehdauer der Zuschauer ab drei Jahren um sieben Minuten auf 213 Minuten zurück und bewegt sich damit leicht über dem Niveau des Vor-Corona-Jahres 2019 (211 Minuten).

Streaming geht kaum zurück

Das betraf zwar auch das Streaming – doch der Effekt war nicht so stark wie beim linearen TV. "Den Zusammenhang zwischen einer Lockerung der Corona-Beschränkungen und einer geringeren Nutzung konnten wir auch beim Streaming beobachten. Diese Entwicklung ist ebenfalls deutlich in jüngeren Zielgruppen sichtbar", so Niederauer-Kopf mit Blick auf das so genannte "Unmatched Viewing", das den Teil der Big Screen-Nutzung beschreibt, der nicht dem linearen Bewegtbildangebot zugeordnet werden kann, beispielsweise die Plattformnutzung.

Grundsätzlich steigt die Streaming-Nutzung jedoch weiter an, vor allem in jüngeren Zielgruppen. Bei den 14- bis 49-Jährigen lag die durchschnittliche Sehdauer der unter AGF-Messung stehenden Streaming-Angebote von Broadcastern 2021 bei rund 4,5 Minuten pro Tag. Sie stieg damit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 31 Prozent. Im Gesamtpublikum lag die tägliche Sehdauer bei knapp vier Minuten, das entspricht einer Steigerung von 24 Prozent.

Die erfolgreichsten Streaming-Sendungen unter AGF-Messung im Gesamtpublikum waren 2021 "Die Toten von Marnow (Folge 1-4)" (Das Erste) mit einer Nettoreichweite von 1,648 Millionen, "In Therapie (Folge 1)" (Arte) und "Ku’damm 63 (Folge 3)" (ZDF).

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In der jüngeren Zielgruppe steht ebenfalls "Die Toten von Marnow (Teil 1-4)" vom Ersten auf Platz 1, gefolgt von drei Folgen "Ku’damm 63" und "Wetten, dass…?".

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In den Streaming-Hitlisten weist die AGF Sendungen all derjenigen Publisher aus, die mit ihren Angeboten aktiv an der Messung der Reichweitenforscher teilnehmen. Dies sind in erster Linie Angebote der Broadcaster. Die Werte der Streaming-Hitliste können sich noch ändern, da für die endgültigen Daten die anfallende Nutzung von 60 Tagen nach Erstausstrahlung berücksichtigt wird.

Die Grundgesamtheit für den Marktstandard TV in den Auswertungssystemen der AGF ist die Wohnbevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland ab 3 Jahren in Privathaushalten mit mindestens einem Fernsehgerät in Gebrauch und einem deutschsprachigen Haupteinkommensbezieher. Im Marktstandard Bewegtbild erweitert sich die Grundgesamtheit noch um all diejenigen Haushalte, die nur ein internetfähiges Device im Haushalt besitzen, um Bewegtbild nutzen zu können.


Autor: Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde

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