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Erneuerung im Zweiten
Das ZDF wird noch persönlicher

Das Zweite will seine Mediathek jetzt noch stärker personalisieren. Außerdem geplant: weitere Angebote für junge Zielgruppen, Fiktion mit Doku-Begleitung und zusätzliche Informationsprogramme.

Text: W&V Redaktion

19. März 2021

Ambitionierte Fiktion wie "Ku'damm 63" bleibt eine wichtige Säule des ZDF.
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Das ZDF will seine Mediathek noch stärker personalisieren und baut zu diesem Zweck deren Empfehlungssysteme weiter aus. So sollen die aktuell rund 70.000 verfügbaren Videos für die unterschiedlichen Zielgruppen optimal nutzbar gemacht werden. Derzeit sind 2,1 Millionen Nutzerinnen und Nutzer bei der ZDFmediathek registriert.

Die personalisierten Bereiche auf der Startseite sind dort bereits jetzt zeitweise die am besten genutzten: In der Spitze generieren sie bis zu 35.000 Empfehlungen pro Minute. Alle Inhalte sind aber weiter auch algorithmenfrei, ohne Tracking und ohne Login, zugänglich. Eine sogenannte Consent Management Plattform, deren Umsetzung schrittweise für 2021 geplant ist, soll es den Usern ermöglichen, ihre Zustimmung zur Verarbeitung ihrer Daten noch präziser zu steuern. Und: Es soll mehr Inhalte für jüngere Nutzer geben.

Erneuerung in allen Aspekten

Diese Pläne stellte ZDF-Intendant Thomas Bellut bei der Präsentation der Selbstverpflichtungserklärung 2021/2022 vor – eine Aufgabe, die der Rundfunkstaatsvertrag seit 2004 für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in einem zweijährigen Turnus vorschreibt.

Die Mainzer haben über die Erweiterung der Mediathek hinaus noch mehr vor. Denn: "Die Interessen der Zuschauerinnen und Zuschauer differenzieren sich weiter, die Gesellschaft wird zunehmend diverser", so Bellut. Um alle Menschen in Deutschland anzusprechen und zu erreichen, müsse sich das ZDF fortlaufend erneuern - das gelte für die Programminhalte ebenso wie für die Ausspielwege.

Vorgesehen ist unter anderem auch, die Informationsprogramme von ZDFheute im Superwahljahr auszubauen. Alle Nachrichtenformate der "Heute"-Familie werden in allen Kanälen weiterentwickelt - im Fernsehen, online und in den sozialen Medien. Die Nachrichteninhalte sollen dabei noch passgenauer auf allen Ausspielwegen angeboten werden.

Fiktion gepaart mit Information

Ein Beispiel dafür ist die Wissenreihe "Terra X": Das Onlineangebot wird ausgebaut, "Die große Terra X-Show" erhält eine höhere Folgenzahl und eine Kinderausgabe. Das Mediathek-Angebot "Terra X plus Schule" wird systematisch unter anderem mit Unterrichtsmaterialien für Lehrkräfte erweitert. Eine ähnliche Diversifizierung ist auch für die Reportagereihe "37°" geplant.

Im Bereich der Fiktion plant das ZDF weite große Eventmehrteiler, Miniserien mit jüngerer Ausrichtung, gesellschaftlich relevante Fernsehfilme, kürzere Formen wie Instantfiction für die ZDFmediathek und die breite Entwicklung neuer Serien. Hier sind etwa die Verfilmung von Frank Schätzings Bestseller "Der Schwarm" oder Siegfried Lenz' Roman "Deutschstunde" in Arbeit. Die große Bandbreite deutscher Lebenswirklichkeit, auch in historischer Hinsicht, findet sich in Produktionen wie "Dr. Ballouz", einem ungewöhnlichen Chefarzt in der Uckermark, der  "Wannseekonferenz" in Kombination mit einer Dokumentation bis hin zum Mehrteiler "Ku'damm 63" wieder.

Mehr Verantwortung, mehr Diversität

Zusätzliche Unterhaltungsangebote sollen auch in Musik und Factual Entertainment im ZDF, in ZDFneo und der ZDFmediathek etabliert werden. Hierzu zählen auch eine neue Schlagershow und das Format "Heimliche Helden" mit Giovanni Zarrella. Die Kulturmarke "Aspekte" wird ebenfalls erneuert. Sie soll verstärkt jüngere Zuschauergruppen im non-linearen Bereich für Kulturinhalte gewinnen.

Mehr Verantwortung und Unterstützung für die Kreativwirtschaft will das Zweite ebenfalls übernehmen. Der schonende Einsatz von Ressourcen ist dabei ein wichtiger Punkt: Im Zeitraum 2021/2022 soll dasjenige Programmvolumen in den Bereichen Fiktion, Unterhaltung und Dokumentationen gesteigert werden, das den Kriterien des "Grünen Drehpasses" entspricht. Bei der Nachwuchs- und Talentförderung vor und hinter der Kamera sollen zudem Diversitätskriterien noch stärker berücksichtigt werden.


Autor: Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde

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