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UK-Zeitungsmarkt
Der Daily Telegraph zahlt Kurzarbeitergeld zurück

Die britische Tageszeitung hat die Coronakrise besser verkraftet als erwartet. Und will nun die staatlichen Unterstützungsgelder zurückzahlen sowie die Gehaltseinbußen der Mitarbeiter kompensieren.

Text: W&V Redaktion

9. Juni 2020

Das Blatt konnte während der Krise die Abonnentenzahl deutlich steigern.
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Die britische Telegraph Media Group, Herausgeberin der Tageszeitung The Daily Telegraph und des Sonntagstitels Sunday Telegraph, hat angekündigt, sämtliche aufgrund der Coronakrise in Anspruch genommenen Kurzarbeitergelder an die für das Unterstützungsprogramm zuständige staatliche Abteilung HMRC zurückzuzahlen. Der Schritt erfolge, da die beiden Blätter des Verlags deutlich besser als erwartet durch die Krise gekommen und weiterhin profitabel seien.

Wegen "erheblicher Rückgänge" bei den Anzeigenerlösen hatten die beiden Telegraph-Titel Mitte April 90 nicht redaktionell arbeitende Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt und bei den verbliebenen Mitarbeitern ab 1. Mai die wöchentliche Arbeitszeit auf vier Tage reduziert und entsprechend die Gehälter um 20 Prozent gekürzt.

Doch nun erklärte der Verlag, dass diese Vorsichtsmaßnahmen sowie ein "sehr starkes Abonnentenwachstum" geholfen haben, weiterhin Gewinne zu erzielen. Im März habe die Zahl der Neuabonnenten deutlich zugelegt, vor zwei Wochen sei zudem die Marke von insgesamt 500.000 Abonnenten übersprungen worden. Damit habe die Telegraph Group die Hälfte des für 2023 anvisierten Ziels von einer Million Abonnenten erreicht.

Inzwischen sind laut Telegraph-Angaben alle Mitarbeiter wieder zu einer Fünf-Tage-Woche zurückgekehrt. Zusätzlich zur Rückzahlung der Kurzarbeitergelder an die HMRC sollen auch die von der Gehaltskürzung betroffenen Mitarbeiter kompensiert werden.

News UK: Unbezahlter Urlaub statt Kurzarbeitergeld

Neben der Telegraph Group hatten auch mehrere andere britische Zeitungshäuser Kurzarbeit eingeführt. Bei Reach, dem größten britischen Zeitungsverlag, sind fast 1000 Mitarbeiter von den Maßnahmen betroffen, bei der schottischen JPI Media rund 350 und bei der Guardian Media Group etwa 100 Mitarbeiter. Nicht in Anspruch genommen haben das staatliche Unterstützungsprogramm dagegen die Verlage News UK mit den Titeln The Times und The Sun, die Daily Mail, das Gratisblatt Metro sowie die Kompaktzeitung i. News UK hatte allerdings Mitarbeitern angeboten, für die Dauer der Pandemie unbezahlten Urlaub zu nehmen.


Autor: Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.

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