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UK-Zeitungsmarkt
Der Niedergang der britischen Sonntagspresse

Dramatischer Schrumpfungsprozess: Seit 2009 hat sich die verkaufte Auflage mehr als halbiert. Viele Leser begnügen sich inzwischen mit den erweiterten Samstagsausgaben.

Text: W&V Redaktion

20. März 2019

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Der Auflagenabsturz der überregionalen britischen Sonntagszeitungen geht unvermindert weiter. Von den elf Titeln mit einer Auflage von mindestens 100.000 Exemplaren verzeichneten im Februar laut Auflagenkontrolleur ABC gleich sechs Blätter ein Minus im zweistelligen Prozentbereich.

Größter Verlierer war das Boulevard-Blatt Sunday People des Verlags Reach (früher Trinity Mirror), das im Vergleich zum Vorjahresmonat jeden fünften Käufer verloren hat. Der Titel meldet jetzt nur noch eine verkaufte Auflage von knapp 157.000 Exemplaren (-20%).

Deutlich abwärts ging es aber auch mit dem Sunday Mirror mit einem Minus von 16 Prozent auf 411.000 Exemplare sowie dem Daily Star – Sunday ebenfalls mit einem Rückgang um 16 Prozent auf 199.000 Exemplare.

15 Prozent büßte die Sunday Post ein, die noch 104.000 Exemplare verkauft. Jeweils um 13 Prozent ist die Auflage des Sunday Express (272.000 Exemplare) und der schottischen Sunday Mail (121.000 Exemplare) geschrumpft.

Marktführer ist weiterhin die Sun on Sunday mit 1,15 Millionen verkauften Exemplaren (-7%) vor der Mail on Sunday mit 1,02 Millionen (-6%) und der Sunday Times mit 708.000 Exemplaren (-5%).

Rückgang seit 2014 um 38 Prozent

Zusammen kommen die elf Titel auf eine Auflage von 4,58 Millionen Exemplaren. Dies ist für den Markt der Sonntagszeitungen noch immer eine gewaltige Zahl im Vergleich zu den meisten anderen europäischen Ländern. Doch zugleich verdeutlicht sie, wie dramatisch der Schrumpfungsprozess in Großbritannien verläuft.

Denn noch vor fünf Jahren kamen die überregionalen Sonntagstitel – nicht eingerechnet der Independent on Sunday, dessen Print-Ausgabe 2016 eingestellt wurde – auf 7,4 Millionen Exemplare. Der Auflagenrückgang seit 2014 beträgt damit 38 Prozent.

Vor zehn Jahren, Anfang 2009, verzeichneten die elf Titel – damals mit der 2011 eingestellten News of the World als Vorgängerin des jetzigen Marktführers The Sun on Sunday – auf insgesamt 11,08 Millionen Exemplare. Somit ist der Markt im Zehn-Jahres-Zeitraum um 58 Prozent geschrumpft.

Leser ziehen die Samstagsausgaben vor

Klar ist auch, dass die Sun on Sunday nie an den Auflagenerfolg der News of the World anknüpfen konnte. Letztere verkaufte im letzten Jahr ihres Erscheinens 2,79 Millionen Exemplare – 1,64 Millionen Exemplare mehr als der jetzige Marktführer.

Neben der verstärkten Nutzung von Online-Angeboten gibt es für den Niedergang der Sonntagspresse aber noch einen weiteren Grund: Die meisten Verlage haben in den vergangenen Jahren verstärkt in ihre Samstagsausgaben investiert, deren Umfang erweitert und sie mit Supplements verstärkt. Sie sind mittlerweile in der Regel die auflagenstärksten Ausgaben der gesamten Woche.

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