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Großbritannien
Die BBC will Jobs von London in den Norden verlagern

Von der Maßnahme könnten in den nächsten Jahren rund 3.000 Arbeitsplätze in der Hauptstadt betroffen sein. Sie dürften vor allem in die strukturschwachen Gebiete Englands wandern.

Text: W&V Redaktion

14. Januar 2020

In der Londoner Zentrale arbeitet derzeit etwa die Hälfte aller BBC-Mitarbeiter.
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"Vor zehn Jahren arbeitete etwa ein Drittel aller BBC-Mitarbeiter außerhalb Londons", schreibt Tony Hall, Generaldirektor der britischen Rundfunkanstalt, in einem Beitrag für die Financial Times (Paywall). Derzeit seien es etwa die Hälfte. Und bis 2027, so seine Hoffnung, sollen sich "mindestens zwei Drittel aller BBC-Arbeitsplätze außerhalb der Hauptstadt" befinden.

Werden diese Pläne des BBC-Chefs tatsächlich umgesetzt, müssten in den nächsten Jahren rund 3000 Mitarbeiter von London in andere Landesteile wechseln, voraussichtlich vor allem in den eher strukturschwachen Norden Englands.

Schon 2004 hatte die BBC Teile der Produktion nach Salford bei Manchester verlagert und die Anteile an der Programmproduktion in Schottland, Wales und Nordirland verdoppelt. Laut Hall verpflichtet die Gebührenfinanzierung die BBC dazu, alle Teile Großbritanniens im Programm widerzuspiegeln.

Angesichts der zunehmenden Konkurrenz durch Videostreamingdienste wie Netflix und wachsender Kritik an der Rundfunkanstalt betonte Hall auch die Rolle, die die BBC in der britischen Medienlandschaft spielt. Sie sei der "größte Einzelinvestor in eigenproduzierten britischen Content" im Vereinigten Königreich.

Finanzierungsmodell wird zunehmend hinterfragt

Tatsächlich steht die BBC schon seit geraumer Zeit unter erheblichem Druck. Erst vor wenigen Tagen hatte eine Umfrage im Auftrag der – äußerst BBC-kritischen – Tageszeitung "The Times" ergeben, dass sich etwa die Hälfte der Briten für ein Ende des bisherigen Finanzierungsmodells über Rundfunkgebühren ausspricht. Die derzeitige Gebühr beträgt 154,50 Pfund pro Jahr, umgerechnet knapp 180 Euro.

Auch Premierminister Boris Johnson hatte während des Wahlkampfes die Frage aufgeworfen, ob das bestehende Gebührenmodell angesichts der zunehmenden Nutzung digitaler Angebote beispielsweise durch ein Abonnementsmodell ähnlich wie bei den Videostreamingdiensten abgelöst werden könnte. Zudem, so Johnson, denke er darüber nach, Gebührenverweigerung künftig nicht mehr als kriminellen Tatbestand zu werten.

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