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Reichweitenstudie
Die Lesefreude ist ungebrochen

Auch wenn Digitales auf dem Vormarsch ist, wird Gedrucktes nach wie vor gerne genutzt - das zeigt die aktuelle MA 2020 Pressemedien II. Gut lief es insbesondere für TV-Programmblätter und Frauentitel.

Text: W&V Redaktion

22. Juli 2020

Zeitschriften haben nach wie vor viele Fans - besonders Programmies sind ungebrochen beliebt.
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Wenn es um Gedrucktes geht, haben Programmzeitschriften bei den Deutschen weiterhin die Nase vorn: Laut der aktuellen Untersuchung MA 2020 Pressemedien II werden sie von 54,4 Prozent der befragten 40.150 Personen ab 14 Jahren genutzt. Dahinter rangieren in der aktuellen Auswertung der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (Agma) die Segmente "Aktuelle Zeitschriften/Magazine zum Zeitgeschehen" mit 36,9 Prozent und die wöchentlichen Frauenzeitschriften mit 20,9 Prozent. Im Weitesten Leserkreis (also die letzten 12 Erscheinungsintervalle) werden durchschnittlich 6,6 verschiedene Titel genutzt. Im Durchschnitt liest jeder Befragte 2,3 Titel pro Erscheinungsintervall.

Betrachtet man die Zeitschriften einzeln, gibt es erstaunlich viele Gewinner – zum Teil mit sehr hohen Leserzuwächsen. Den höchsten prozentualen Gewinn erzielt die monatliche Frauenzeitschrift Myself, die Funke 2017 von Condé Nast übernommen hatte: Sie steigert sich im Vergleich zur Vor-MA um knapp die Hälfte auf nunmehr 400.000 Leser.

Licht und Schatten bei Frauentiteln

Weitere Top-Gewinner sind die Wirtschaftswoche, die rund 260.000 neue Leser dazubekommt, und der Lifestyle-Männertitel GQ, der sich um 140.000 Leser steigert. Und auch Barbara Schönebergers Gruner + Jahr-Zeitschrift Barbara findet viele neue Fans – 180.000, um genau zu sein. Auch insgesamt entwickeln sich viele Frauentitel gut. Prozentual ordentlich zugelegt haben etwa auch die 14-tägliche Freundin (+14 Prozent/+ 230.000 Leser), Brigitte Woman (+12 Prozent/+60.000), Grazia (+11 Prozent/+30.000) und Cosmopolitan (+10 Prozent/+80.000).

Bei den eher fashion-orientierten Titeln im Frauensegment gibt es dagegen einen auffälligen Einbruch – möglicherweise eine Auswirkung der Corona-Hochphase, in der Mode zeitweise für viele weniger Bedeutung hatte. Insbesondere die Vogue (Condé Nast) und InStyle (Burda) kommen jeweils rund 15 Prozent der Leserinnen abhanden: Für die Vogue weist die aktuelle MA 150.000 Leserinnen weniger als noch bei der Vor-MA. InStyle trifft es sogar noch heftiger: Ihr fehlen im Vergleich 180.000 Leserinnen. Sie hat allerdings aktuell mit rund 950.000 Leserinnen immer noch ein größeres Publikum als die Vogue mit 820.000 Lesern.

Im Segment der aktuellen Zeitschriften und Magazine können sich Focus, Spiegel und Stern allesamt über Zuwächse freuen. Am besten schneidet der Spiegel ab: Das Hamburger Nachrichtenmagazin verbessert sich um rund 13 Prozent (absolut: +600.000) auf rund 5,3 Millionen Leser. Der Stern findet 370.000 neue Leser (+7 Prozent), Focus 170.000 (+5 Prozent).

Leichtes Minus bei den Tageszeitungen

Die Agma hat außerdem die aktuellen Reichweiten der Tageszeitungen vorgelegt, die einmal jährlich ausgewiesen werden. Dieser Auswertung zufolge liegt die Gesamtreichweite der Zeitungen bei 36,8 Millionen Personen; gelesen werden sie somit täglich von 52 Prozent der Bevölkerung. Allerdings heißt das auch, dass die Gesamtreichweite der erfassten Blätter im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgeht: Bei der MA 2019 Tageszeitungen lag der Wert noch bei 38,1 Millionen, was 53,9 Prozent entspricht.

Abozeitungen werden von fast von der Hälfte der Bevölkerung (44 Prozent) gelesen, was einer Reichweite von 31,1 Millionen täglichen Lesern entspricht (Vorjahr: 45,2 Prozent / 31,9 Millionen). Die regionalen Abozeitungen haben hierbei mit 29,9 Millionen Lesern pro Tag die höchste Reichweite (Vorjahr: 30,9 Millionen). Kaufzeitungen erreichen täglich 8,9 Millionen (Vorjahr: 9,7 Millionen), überregionale Abo-Zeitungen 3,7 Millionen (Vorjahr: 3,3 Millionen) Leser.

Kräftges Plus für taz und Welt

Die Gewinner bei den Titeln sind diesmal die taz, die 80.000 neue Leser findet und sich damit um rund ein Drittel verbessert, sowie Axel Springers Welt, die ebenfalls rund 30 Prozent zulegt. Überdurchschnittlich gut entwickeln sich unter anderem auch die Berliner Morgenpost, die Frankfurter Allgemeine Zeitung sowie das Handelsblatt – sie alle gewinnen rund 16 Prozent an Lesern dazu.

Nicht so gut läuft es dagegen für den Boulevard. Prozentual besonders gebeutelt hat es den Express aus dem Haus DuMont: Er verliert rund 20 Prozent, was einem Minus von 80.000 Lesern entspricht. Thomas Schultz-Homberg, der zum 1. Oktober als CEO des Regionalmedienverlags in Köln startet, hat damit sicher keine ganz einfach Aufgabe.

Wenig Freude dürfte auch das Ergebnis von Bild bei Axel Springer auslösen. Auch wenn die Marke zunehmend digital wird, ist die gedruckte Version nach wie vor ein wesentliches Standbein. Und dafür zeigt die aktuelle MA einen Verlust von 750.000 Lesern gegenüber dem Vorjahr, was acht Prozent weniger entspricht. Die bei weitem meistgelesene Zeitung Deutschlands bleibt sie natürlich mit einer Reichweite von rund 7,88 Millionen Lesern trotzdem.

Neues Tool für die Zeitungsvermarktung

"Trotz leicht rückläufiger Reichweiten behauptet sich die Tageszeitung über alle Titel hinweg als etablierter und stabiler Werbeträger“, so die Bilanz von Gerhard Müller, Vorstand Tageszeitungen der Agma.  Darüber hinaus nehme die zukünftige Erweiterung der LpA (Leser pro Ausgabe)-Reichweiten von Print (inklusive E-Paper) um Reichweiten von digitalen Nachrichtenportalen hin zu einer Konvergenz- beziehungsweise Gesamtreichweite innerhalb der Agma immer mehr an Form an – eine Erleichterung für die Planung.

Dazu trägt auch bei, dass die aktuellen Daten mit den Einzeldarstellungen der 124 Titel aus der ma Tageszeitungen ab sofort einem neuen webbasierten Dashboard zur Verfügung gestellt werden. Durch dieses Tool wird die für eine Vermarktung erforderliche Visualisierung vereinfacht; neben den aktuellen können auch zukünftige Daten nach Bedarf flexibel miteinander kombiniert werden.


Autor: Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde

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