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Streamingtipps
Diese Filmpaare sprengen jeden Matching-Algorithmus

Zwischen ihnen klafft ein Altersunterschied, sie gehören nicht derselben Gesellschaftsschicht an, sie haben unterschiedliche Weltanschauungen: Diese Paare beweisen, dass sich Liebe nicht berechnen lässt.

Text: W&V Redaktion

24. Juli 2020

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Das Verlieben gibt der Wissenschaft immer noch Rätsel auf. Warum es ausgerechnet bei dieser Person klickt, wird ganz unterschiedlich beantwortet: Es sind die Pheromone, heißt es. Dann ist der Geruch entscheidend und im Grunde sucht damit die Nase für uns aus, wen wir attraktiv finden. Es sind bestimmte Gesichtsmerkmale, heißt es. Eine gewisse Symmetrie, die Gesundheit ausstrahlt und dementsprechend belastbaren Nachwuchs signalisiert, gilt als begehrenswert. Neben den biologischen Bedingungen für Anziehungskraft spielen kulturelle Faktoren eine wichtige Rolle beim Gelingen einer Beziehung: Ein ähnlicher Bildungsgrad, eine ähnliche finanzielle Situation, ein ähnlicher Lebensabschnitt erhöhen die Wahrscheinlichkeit für eine lange, glückliche Beziehung.

Eines haben die Erklärungsversuche gemeinsam: Sie sind entzaubernd – sie klingen mehr nach rationaler Kaufentscheidung als nach Glück. Und weil genau diese Art der Berechenbarkeit alles Außergewöhnliche banal machen würde, ist es wahrscheinlich auch ganz gut, dass sich die Matching-Algorithmen der Partnersuche-Websites an der Liebe weiter die Zähne ausbeißen. Unsere heutigen Streamingtipps überlassen die Logik der Nutzenmaximierung dem Homo oeconomicus und zelebrieren Zuneigung, die sich jeder Gesetzmäßigkeit entzieht.

Mehr Streamingtipps gibt's im Feed auf shelfd.com. Und wenn Sie keine Highlights mehr verpassen möchten, dann holen Sie sich die Neustarts von Netflix oder Prime Video direkt in Ihren Kalender. Happy Streaming!

Der Vorleser

Bei Netflix und Sky verfügbar

Es passiert selten, dass eine filmische Adaption verschiedene Handlungsstränge der Buchvorlage unterschiedlich gewichtet, ohne dabei die Balance der Erzählung zu stören. Regisseur Stephen Daldry ("Billy Elliot") und Drehbuchautor David Hare ("The Hours") ist es in Zusammenarbeit mit Bernhard Schlink jedoch gelungen, das besondere Band zwischen dem jugendlichen Michael (David Kross, später Ralph Fiennes) und der rund zwanzig Jahre älteren Hanna (Kate Winslet) sogar noch nachempfindbarer als im Roman zu machen.

Ende der Fünfziger begegnen sie sich zufällig, als sich Michael auf dem Nachhauseweg von der Schule übergibt. Hanna nimmt ihn mit zu sich, kümmert sich um ihn. Schnell entsteht eine sinnliche Affäre, die zwar nur einen Sommer dauert, aber dennoch prägend für beide Leben sein sollte. Viele Jahre später begegnen sie sich wieder, als Michael als Jurastudent einem Prozess beiwohnt, in dem Hanna als KZ-Aufseherin auf der Anklagebank sitzt. Dabei wird er sich ihres schmerzlichen Geheimnisses bewusst, welches ihn weiter an sie binden soll. 

Hier geht es zum Film.

Normal People (Miniserie)

Bei StarzPlay verfügbar

Marianne (Daisy Edgar-Jones) und Connell (Paul Mescal) sind beinahe auf schablonenhafte Art gegensätzlich: Sie ist intelligent und eloquent, aus einem gut situierten aber unterkühlten Elternhaus und aufgrund ihres beißenden Sarkasmus eine Außenseiterin, die dem irischen Kaff so schnell wie möglich entfliehen will. Er hingegen ist athletisch, entsprechend populär und stets der Mittelpunkt auf Partys. Auch in finanzieller Hinsicht unterscheiden sie sich: Connells Mutter ist bei Mariannes Familie als Putzfrau beschäftigt. Die Serie begleitet sie beim Erwachsenwerden – mal gemeinsam, mal getrennt aber doch stets in Verbindung zueinander.

Was das Zeug zu einer echten 0815-Young-Adult-Romanze hätte, entpuppt sich dank der herausragenden Erzählweise als eine facettenreiche Geschichte, die nach mehr Wahrhaftigkeit sucht. Dabei merkt man es der zwölfteiligen Miniserie durchaus an, dass sie auf eine sprachgewandte Buchvorlage zurückgreifen konnte – und dass Autorin Sally Rooney mit Alice Birch ("Lady Macbeth") und Mark O'Row selbst am Drehbuch beteiligt war. Schon vor der Adaption durch BBC Three und Hulu war das gleichnamige Buch ein Phänomen: Der Guardian setzte es 2018 sogar auf Platz 25 der hundert besten Bücher des 21. Jahrhunderts.

Hier geht es zur Serie.

Labor Day

Leihbar bei Amazon

In einem abgelegenen Häuschen irgendwo in New Hampshire lebt Adele (Kate Winslet) mit ihrem 13-jährigen Sohn Henry (Gattlin Griffith, später Tobey Maguire) ein zurückgezogenes Leben. Seit ihr Mann sie verlassen hat, leidet sie unter Depressionen und geht nur noch selten vor die Tür. Doch dann steht ihnen beim Einkaufen plötzlich Frank (Josh Brolin) gegenüber – ein gesuchter Sträfling, der Adele dazu nötigt, ihn mit zu sich nach Hause zu nehmen. Anders als zu erwarten wäre, folgt auf diese Ausgangssituation kein Thriller, sondern eine stets haarscharf am Kitsch vorbeischrammende Liebesgeschichte. Denn Frank stellt sich als wohltuendes Gegenüber heraus, macht sich im Haushalt nützlich und füllt das Haus mit neuem Leben. Adele beschließt, einen gemeinsamen Fluchtversuch zu wagen.

Jason Reitman ("Juno") inszeniert die Geschichte als antiquiert wirkendes, aber dennoch anrührendes Melodram über das Potenzial einer flüchtigen Begegnung, den Verlauf eines Lebens grundlegend zu verändern. Das nuancierte Spiel von Kate Winslet und Josh Brolin verleihen der universellen Erzählung dabei die notwendige Glaubwürdigkeit.

Hier geht es zum Film.

My Days of Mercy

Bei Prime Video verfügbar

Lucy (Ellen Page) ist arbeitslos und vollkommen ohne Perspektive – das einzig Geregelte in ihrem Alltag ist der Protest gegen die Todesstrafe. Gemeinsam mit ihrer Schwester Martha (Amy Seimetz) und Bruder Benjamin (Charlie Shotwell) fährt sie im Wohnmobil von Hinrichtung zu Hinrichtung. Stets treffen sie dabei auf Demonstrant*innen der Gegenseite, meistens sind es dieselben Personen, ebenfalls Umherreisende. Der Grund für das Engagement der Geschwister ist ein persönlicher: Ihr Vater Simon (Elias Koteas) beteuert zwar seine Unschuld, wurde aber wegen des Mordes an ihrer Mutter zum Tode verurteilt.

In diesem Setting erzählt Tali Shalom Eters ("Princess") Drama von der zunächst freundschaftlichen, dann auch sexuellen Annäherung zwischen Lucy und der gleichaltrigen Mercy (Kate Mara), die sich hingegen für die Todesstrafe einsetzt. Dem Film gelingt das Kunststück, die höchst unwahrscheinliche Intimität zwischen den eigentlichen Antagonistinnen glaubhaft zu vermitteln, ohne die gesellschaftspolitische Komponente der Geschichte zu sehr zu überlagern.

Hier geht es zum Film.

Lady Macbeth

Bei Prime Video verfügbar

England, Mitte des 19. Jahrhunderts: Katherine (Florence Pugh) wird mit Alexander (Paul Hilton) verheiratet. Ganz und gar nicht angetan von der Verbindung, lässt er seine Ehefrau seine Abscheu spüren. Ihr Schwiegervater Boris (Christopher Fairbank) betrachtet sie lediglich als Mittel, um endlich an den langersehnten Erben für sein Minenimperium zu gelangen. Für Katherine bedeutet das, Gefangensein zwischen der Tyrannei der beiden Männer und quälender Langeweile. Als Vater und Sohn verreisen, ergreift sie jedoch die Chance einer Affäre mit dem Bediensteten Sebastian (Cosmo Jarvis), die sich bald herumspricht.

Sie erwehrt sich jedoch jeder drohenden Bestrafung – mit Mitteln, durch die sie sich Shakespeares "Lady Macbeth" als durchaus ebenbürtig erweist. Regisseur William Oldroyd und Drehbuchautorin Alice Birchs ("Normal People") inszenieren die Geschichte als bedrückendes Kammerspiel über das Patriarchat, Klassenunterschiede und rassistische Strukturen.

Hier geht es zum Film.

Text: Arabella Wintermayr


Autor: W&V Leserautor

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