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Videostreaming
Disney+ hat größeres Potenzial als Netflix

Disneys Streamingdienst, der Ende des Jahres an den Start gehen soll, könnte laut J.P. Morgan weltweit 160 Millionen Abonnenten erreichen. Ein Grund: die riesige Filmbibliothek.

Text: W&V Redaktion

11. März 2019

Der Streamingdienst soll in den USA noch dieses Jahr an den Start gehen.
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Die Informationen zum geplanten Videostreamingdienst Disney+ der Walt Disney Company kommen häppchenweise: Weder der konkrete Launch-Termin noch das Preismodell sind bislang bekannt.

Vergangene Woche hat Disney-Chef Bob Iger bei der jährlichen Aktionärs-Hauptversammlung allerdings einen wichtigen Punkt angesprochen: So gab er bekannt, dass die künftigen Abonnenten von Disney+ auf die komplette Filmbibliothek des Mickey-Mouse-Konzerns zugreifen können, auch auf den sogenannten "Disney Vault".

"Von einem bestimmten Zeitpunkt an, relativ rasch nach dem Launch, wird auf Disney+ das gesamte Filmarchiv (des Konzerns) zur Verfügung stehen", so Iger. "Auch Filme, die traditionell in unserem Tresor lagerten und nur alle paar Jahre gezeigt wurden."

Zu diesen Vault-Titeln, die nur während eng begrenzter Zeitspannen gezeigt wurden und dann wieder im "Tresor" verschwanden, gehören rund drei Dutzend Filme, darunter "The Lion King" und "Beauty And The Beast". Künftig sind sie auf Disney+ jederzeit verfügbar und können beliebig oft angeschaut werden. Ein absolutes Highlight für Disney-Fans.

Nahezu konkurrenzloses Angebot

Tatsächlich ist das Disney-Archiv nahezu konkurrenzlos: Denn neben der Filmbibliothek der Walt Disney Studios gehören zu Disney auch die Pixar Animation Studios, die Marvel Studios sowie das gesamte "Star Wars"-Imperium.

Und durch die Ende 2017 eingeleitete Übernahme von großen Teilen des Medienkonzerns 21st Century Fox kommt demnächst das ebenfalls riesige Filmarchiv des Hollywood-Studios 20th Century Fox hinzu.

Gleichzeitig mit der ersten Bekanntgabe der Pläne für einen eigenen Videostreamingdienst hatte Disney angekündigt, dass die Streaming-Lizenzen für Disney-Titel, die in den Jahren zuvor Netflix erworben hatte, nicht mehr verlängert werden. Ein herber Schlag für den Hauptkonkurrenten, der seither auch primär auf Eigenproduktionen setzt.

Riesiges Zukunftspotenzial

Kein Wunder also, dass die amerikanische Investmentbank J.P. Morgan vergangene Woche eine ausgesprochen positive Prognose zur künftigen Entwicklung von Disney+ abgegeben hat.

So heißt es in einer Mitteilung der J.P. Morgan-Analystin Alexia Quadrani, dass Disney+ weltweit bis zu 160 Millionen Abonnenten erreichen könnte, davon 45 Millionen allein in den USA. Marktführer Netflix hat derzeit weltweit rund 140 Millionen Abonnenten.

"Zwar ist es keine Frage, dass es schon jetzt mehr Videostreamingdienste gibt als letztendlich überleben werden", so Quadranis Einschätzung, "dennoch haben wir keinen Zweifel daran, dass Disney+ auf der Shortlist der Angebote bleiben wird, die sich langfristig durchsetzen werden."

Die Zuversicht in den langfristigen Erfolg von Disney+, so Quadrani weiter, speise sich aus der "unvergleichlichen Markenbekanntheit, dem umfangreichen Premium-Content und dem konkurrenzlosen Ökosystem", mit dem Disney den Dienst vermarkten könne.

Auch wenn J.P. Morgan mit weltweit bis zu 160 Millionen potenziellen Abonnenten rechnet – Disney selbst hat sich bislang noch nicht zu einer möglichen internationalen Expansion geäußert. Offiziell ist lediglich von einem Launch in den USA "noch in diesem Jahr" die Rede.

Attraktives Streaming-Portfolio

Auf dem amerikanischen Heimatmarkt jedenfalls hat Disney noch ein weiteres Ass im Ärmel. Eigentlich sogar zwei: Die bereits gelaunchte Sport-Streaming-App ESPN+ mit inzwischen rund zwei Millionen zahlenden Abonnenten und der Videostreamingdienst Hulu mit rund 25 Millionen Abonnenten.

Durch die Übernahme von 21st Century Fox wird Disney Mehrheitsaktionär von Hulu mit einem Anteil von 60 Prozent. Die restlichen Anteile halten Comcast (30 Prozent) und AT&T.

Wie Ende Februar bekannt wurde, befindet sich Disney derzeit in Gesprächen mit AT&T, um auch den Zehn-Prozent-Anteil des Telekommunikationskonzerns an Hulu zu übernehmen und damit den Mehrheitsanteil auf 70 Prozent hochzuschrauben.

Mit einem künftigen Streaming-Portfolio aus Disney+, Hulu und ESPN+ kann Disney dann für die Abonnenten günstige Bundle-Angebote zusammenstellen, die auf dem Streaming-Markt noch einmal für eine gehörige Disruption sorgen dürften.

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