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Unternehmensstrategie
Für Warner Media gilt jetzt "Streaming first"

Radikales Umdenken: Bei der Content-Produktion konzentriert sich das US-Unternehmen künftig auf seinen Streamingdienst HBO Max. Das Nachsehen haben die traditionellen Kabelprogramme.

Text: W&V Redaktion

17. Februar 2020

Der Streamingdienst geht in den USA im Mai an den Start.
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Der US-Konzern Warner Media fokussiert sich künftig primär auf seinen Videostreamingdienst HBO Max, der im Mai dieses Jahres gelauncht werden soll. Dies zeigt sich in der radikalen Umschichtung bei neuen Produktionsaufträgen, wie eine Auswertung des Londoner Marktforschers Ampere Analysis zeigt.

Danach waren im vierten Quartal vergangenen Jahres 73 Prozent aller neuvergebenen Produktionsaufträge für die beiden Streaming-Angebote des Konzerns HBO Max und DC Universe bestimmt. Im vierten Quartal 2018 lag ihr Anteil lediglich bei 7 Prozent.

Entsprechend gegenläufig die Entwicklung beim traditionellen Kabel-TV-Geschäft: Während im vierten Quartal 2018 noch 90 Prozent aller Neuproduktionen für Warners Kabelprogramme wie beispielsweise den Pay-TV-Kanal HBO vorgesehen waren, machte ihr Anteil in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres nur noch knapp mehr als ein Viertel aus.

Gleichzeit kurbelt das Unternehmen die Content-Produktion aber auch kräftig an. So hatte Warner im vierten Quartal 2018 lediglich 29 neue Titel in Auftrag gegeben. Im vierten Quartal stieg die Zahl auf 63 und damit auf mehr als das Doppelte.

Niedergang des Kabel-TV-Geschäfts

"Warners Schwenk hin zu einer 'HBO Max first'-Strategie bei den Produktionsaufträgen zeigt sich aber nicht nur an der Zahl der neuen Projekte, sondern auch an den Genres", sagt Fred Black, Analyst bei Ampere Analysis. "Für Warners Kabelsender wurden 2019 nur vier Titel in den Genres Science-Fiction und Fantasy in Auftrag gegeben, alle für HBO, während für die Streamingdienste zwölf Projekte für diese Genres grünes Licht erhalten haben." Dies, so Black, sei das deutlichste Zeichen dafür, dass HBO, also der Sender, der für den Serien-Megaerfolg "Game of Thrones" verantwortlich zeichnete, künftig die zweite Geige im Vergleich zu HBO Max spielen werde, wenn es um hoch gehandelte Neuproduktionen gehe.

Die strategische Neuausrichtung weg vom traditionellen Kabelfernsehen und hin zum Streaming-Service hängt natürlich auch mit dem schleichenden Niedergang des Kabel-TV-Geschäfts in den USA zusammen. Allein im vergangenen Jahr haben die traditionellen Kabelnetzbetreiber mehr als fünf Millionen Abonnenten verloren. Nach einer aktuellen Studie der Streaming-Plattform Roku wird bis 2024 die Zahl der Kabelkunden weiter drastisch sinken, sodass dann die Zahl der US-Haushalte ohne Kabel-Abo etwa gleich groß sein wird wie die mit einem Kabel-Abo.


Autor: Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.

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