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Studie
In Newsrooms dominieren weiter herkömmliche Berufsbilder

Die Technik-Kompetenz in News-Redaktionen lässt weltweit zu wünschen übrig. Selbst bei Neueinstellungen mangelt es oftmals an fortgeschrittenen Digitalkenntnissen.

Text: W&V Redaktion

22. Oktober 2019

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Obwohl sich traditionelle Newsrooms weltweit zu hybriden Redaktionen entwickeln, die zugleich für Print- und Digitalangebote zuständig sind, finden sich unter den Mitarbeitern nur wenige echte Technikexperten. Im Schnitt sind es gerade einmal vier Prozent. Immerhin ist dies aber eine Verdoppelung gegenüber 2017, als es nur zwei Prozent waren.

Dies geht aus der Studie "The 2019 State of Technology in Global Newsrooms" hervor, die von der Georgetown University in Washington für das International Center for Journalists (ICFJ) durchgeführt wurde. Ausgewertet hierfür wurden mehr als 4100 Antworten von Journalisten und Leitern von Nachrichtenabteilungen aus 149 Ländern.

In den Newsrooms – ob bei traditionellen, digitalen oder hybriden Redaktionen – dominieren weiterhin herkömmliche Berufsbilder wie Redakteur, Reporter oder Korrespondent. Neuere Berufsbilder wie Social-Media-, SEO- oder Multimedia-Redakteure sind weiter in der Minderheit. Bei den traditionellen Medien ist das Verhältnis 84:16, bei den Digitalmedien 76:24 und bei den hybriden Newsrooms 81:19.

Bei Neueinstellungen deutlich gestiegen ist in den vergangenen zwei Jahren zwar der Anteil der Journalisten, die über Erfahrungen in der Anwendung von digitalen und Video-Tools verfügen: von 33 Prozent im Jahr 2017 auf 43 Prozent in diesem Jahr. Allerdings hatten diese neuen Mitarbeiter oftmals nicht wirklich fortgeschrittene Digitalkenntnisse. Nur 19 Prozent brachten auch Analytics- und lediglich sieben Prozent Cybersecurity-Kompetenzen mit.

Kein Wachstum mehr bei Digital-only-Redaktionen

Eine weitere Erkenntnis der umfangreichen Studie: Der Anteil von Digital-only- an der Gesamtzahl der Newsrooms stagniert inzwischen oder nimmt sogar ab. Am deutlichsten in Nordamerika, wo der Anteil der Digital-only-Newsrooms in den vergangenen zwei Jahren von 33 auf 22 Prozent zurückging, und in Osteuropa und Russland mit einem Rückgang von 55 auf 45 Prozent.

Ungebrochen ist dagegen der Trend zum Abbau von Arbeitsplätzen. So sagten 36 Prozent der Newsroom-Manager, dass sie 2019 Jobs abgebaut hätten, 31 Prozent gaben an, zusätzliche Mitarbeiter eingestellt zu haben. Zuwächse gab es hier vor allem bei kleinen Newsrooms mit weniger als 25 Mitarbeitern, während die Mehrheit (59 Prozent) der Newsrooms mit über 100 Mitarbeitern Stellen gestrichen hat.

Trend zur freiberuflichen Arbeit

Dies hat auch strukturelle Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt für Journalisten. So gaben fast 40 Prozent der befragten Newsroom-Journalisten an, dass sie schon einmal einen Job aufgrund von Budgetkürzungen oder Restrukturierungen verloren hätten.

Dies wiederum führt zu einem deutlichen Anstieg bei der Zahl journalistischer Freiberufler: 70 Prozent der Newsroom-Journalisten haben nach eigenen Angaben schon während bestimmter Phasen ihrer Karriere als Freiberufler gearbeitet.

Sie füllen damit die Lücke, die durch den allgemeinen Arbeitsplatzabbau in den Redaktionen entstanden ist. Entsprechend berichten 60 Prozent der News-Organisationen, die Arbeitsplätze abgebaut haben, dass sie auf zusätzliche freiberufliche Mitarbeiter zurückgreifen.

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