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Großbritannien
ITV kürzt Programm-Budget um 100 Millionen Pfund

Da wegen der Coronakrise die Werbeerlöse wegbrechen, hat sich der größte kommerzielle TV-Sender Großbritanniens zu drastischen Sparmaßnahmen entschlossen. Für einen Serien-Klassiker kommt das Aus.

Text: W&V Redaktion

25. März 2020

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"Wir befinden uns in beispiellosen und unsicheren Zeiten", erklärte Carolyn McCall, CEO des britischen Fernsehsenders ITV, Anfang der Woche im Rahmen eines Quartalsberichts. "Dies macht es erforderlich, dass wir schwierige Entscheidungen treffen, umsichtig planen und schnell handeln." Das Ergebnis der Überlegungen: drastische Sparmaßnahmen beim Programm, die unter anderem zur Einstellung mehrerer populärer Serien und Shows führen.

"Wir haben unsere Programmkosten angesichts eines sich abschwächenden Werbeumfelds überprüft und wollen unser Budget um mindestens 100 Millionen Pfund reduzieren", heißt es in dem Statement weiter. Darunter befinden sich allerdings auch ursprünglich eingeplante Kosten im Zusammenhang mit den Übertragungen von der Fußball-Europameisterschaft, die durch die Verschiebung ins nächste Jahr ohnehin nicht anfallen.

Doch die Sparmaßnahmen gehen noch weiter. So sollen auch die sogenannten Ermessensausgaben ("discretionary spending"), bei denen für dieses Jahr bereits eine Absenkung um 10 Millionen Pfund vorgesehen war, um weitere 20 Millionen Pfund gekürzt werden. Darüber hinaus seien Einsparmöglichkeiten in Höhe von 30 Millionen Pfund bei den Investitionsausgaben ("capex") festgestellt worden.

Inzwischen, so das Unternehmen, würden alle möglichen Branchen ihre Werbespendings zurückfahren, nicht nur die Reisebranche, wie dies vor wenigen Wochen der Fall war. Anfang des Monats war ITV noch von einem Minus bei den Werbeeinnahmen von "nur" zehn Prozent im April ausgegangen. Da die Situation aber weiterhin sehr "dynamisch" sei, könne das Unternehmen keine Aussagen über die Entwicklung der Werbeerlöse für März und April machen, heißt es nun.

Aus für den Seifenoper-Klassiker "Coronation Street"

Bereits beendet wurde die Produktion der populären Serie "Coronation Street", die im Dezember 1960 auf ITV startete und das Vorbild für die ARD-Serie "Lindenstraße" war. Ein böser Scherz in der Fernsehgeschichte zudem, dass ausgerechnet ein Virus, dessen Namen schon immer im Titel der beliebten Serie steckte, sie nun zur Strecke brachte.

Auch die Produktion der preisgekrönten Soap "Emmerdale", die 1972 erstmals ins Fernsehen kam, wurde bereits beendet. Zudem kam das Aus für das Frühstücksprogramm "Lorraine" sowie für die Live-Show "Loose Women".

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