Anzeige

UK-Zeitungsmarkt
Johnston Press: Erst Konkurs, dann Übernahme

Dramatische Tage für einen der größten britischen Lokalzeitungsverlage. Der gehört jetzt den Gläubigern. Die langfristigen Folgen für die über 200 Zeitungstitel sind unklar.

Text: W&V Redaktion

20. November 2018

Anzeige

Weil der britische Lokal- und Regionalzeitungsverlag Johnston Press keine Möglichkeit mehr sah, die Schulden in Höhe von 220 Millionen Pfund zu begleichen, hat er am vergangenen Wochenende Konkurs angemeldet. Kurz darauf gab der Verlag aber bekannt, dass er von der neugegründeten Holding JPI Media übernommen wurde und die Zeitungen weiter erscheinen können.

Die Aktien des Verlags waren mit der Eröffnung des Konkursverfahrens von der Börse genommen worden. Bei der neuen Eigentümer-Holding JPI Media handelt es sich um ein Konsortium der bisherigen Gläubiger des Verlags – der amerikanischen Investmentfirmen Carval, Fidelity, Benefit Street Partners und Goldentree Asset Management.

Die gute Nachricht für Johnston Press: Die neuen Eigentümer haben die Schulden des Verlags um 135 Millionen Pfund auf 85 Millionen Pfund reduziert. Gleichzeitig sagten sie zu, 35 Millionen Pfund in den Verlag investieren zu wollen, wie CEO David King in einer internen Mitteilung an die Belegschaft, die vom Branchendienst Press Gazette im vollen Wortlaut veröffentlicht wurde, schreibt.

Mitarbeiter beunruhigt

Die Mitarbeiter des Verlags dürfte dies aber nicht wirklich beruhigen. Zwar sind ihre Arbeitsplätze vorläufig gesichert, doch die neuen Eigner werden nun sicherlich einen größeren Umstrukturierungsprozess einleiten.

So werden die neuen Gelder wohl vor allem in die noch immer profitablen Titel des Verlags wie die Flaggschiffzeitung The Scotsman oder die überregionale Kompaktzeitung i sowie vor allem in den Ausbau der Digitalangebote fließen. Kleinere, wenig ertragreiche Zeitungen könnten da schnell auf der Strecke bleiben oder verkauft werden.

Kaufangebote konnten nicht überzeugen

Noch im Oktober hatte das Management den gesamten Verlag offiziell zum Kauf angeboten. Interessenten gab es durchaus. So wollte der Zeitungsverlag The Daily Mail and General Trust (DMGT), Herausgeber unter anderem der Daily Mail und des Gratistitels Metro, die Kompaktzeitung i übernehmen (W&V Online berichtete).

Ein anderer Verlag – spekuliert wird hier in der Branche über Reach (vormals Trinity Mirror) – soll ein Angebot zur Übernahme sämtlicher Titel  gemacht haben. Doch die Gebote waren laut David King wirtschaftlich nicht akzeptabel.

Johnston Press mit Sitz in London und offiziellem Geschäftssitz in Edinburg gibt in Großbritannien mehr als 200 lokale und regionale Tages- und Wochenzeitungen heraus, neben dem Scotsman unter anderem die Yorkshire Post, den Sheffield Star und The News (Portsmouth). Im April 2016 hatte der Verlag zudem für 24 Millionen Pfund die überregionale Zeitung i übernommen.

Anzeige