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Streaming-Portal von ProSiebenSat.1 und Discovery
Joyn startet mit zehn Eigenproduktionen

ProSiebenSat.1 und Discovery planen für ihr neues Streaming-Portal Joyn zehn deutsche Eigenenproduktionen. Auch die ARD wird zum Start im Juni mit ihrem Programm dabei sein.

Text: W&V Redaktion

28. Mai 2019

Die neue Streaming-App Joyn startet im Juni.
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Die TV-Konzerne ProSiebenSat.1 und Discovery haben Einzelheiten zu ihrer geplanten gemeinsamen Streaming-Plattform Joyn bekanntgegeben. Vor Journalisten in München erklärten die Geschäftsführer der neuen Online-Videothek, Katja Hofem und Alexandar Vassilev, vor allem mit deutschem Programm Netflix und Amazon Konkurrenz machen zu wollen. Joyn plane insgesamt zehn deutsche Original-Serien, die exklusiv auf Joyn zu sehen sein werden. Hinzu kommen 40 Previews, die Joyn vor der Ausstrahlung im klassischen Fernsehen zeigen wird.

Zu den Joyn-Originalen zählt unter anderem die dritte Staffel von Jerks mit Christian Ulmen und Fahri Yardim, die bislang auf der ProSiebenSat.1 Bezahl-Plattform Maxdome zu sehen war. Weitere bislang bekannte Projekte sind Serien mit Late-Night-Moderator Klaas Heufer-Umlauf (Arbeitstitel "Check Check") sowie der TV-Moderatorin Katrin Bauerfeind in ihrer ersten Schauspiel-Rolle ("Frau Jordan").

Joyn soll im Laufe des Juni offiziell starten. Einen genauen Termin nennen die Partner noch nicht. Basis der Streaming-Plattform ist eine überarbeitete Version der bisherigen ProSiebenSat.1-Mediathek 7TV. Mittelfristig sollen dort auch das kostenpflichtige Video-on-Demand-Angebot Maxdome sowie der Eurosport-Player des Partners Discovery integriert werden. Dies soll im Winter geschehen.

ARD streamt auf Joyn

Zum Programm von Joyn werden außerdem über 50 weiteren Partner-Sendern gehören. Der wichtigste bislang ist das ZDF. Auch die ARD werde zum Start dabei sein, kündigten Hofem und Vassiliev an. Weitere Partner sind unter anderem Sport1, Welt, Nickelodeon, Arte und Bloomberg. Insgesamt seien auf Joyn 67 Prozent des deutschen TV-Angebots zu sehen.

Zum Start können Zuschauer das komplette Angebot erst einmal komplett kostenfrei ansehen. Wie hoch der Preis für den im Winter planten Premium-Bereich sein wird, wollen die Joyn-Chefs noch nicht verraten. Es werde "ein attraktiver Preis sein", sagt Hofem. Konkurrent RTL berechnet für die Premium-Version seiner ebenfalls weitgehend werbefinanzierten Streaming-Plattform TV Now 4,99 Euro monatlich.

ProSiebenSat.1 und seine Partner wollen mit der Kostenlos-Version in den ersten Monaten möglichst viele Zuschauer erreichen. Das Vorgänger-Portal 7TV hat derzeit laut Hofem rund eine Millionen User. Zählt man die Bezahl-Angebote Maxdome und Eurosport Player hinzu, käme Joyn nach eigener Rechnung auf 3,3 Millionen Nutzer. Zum Vergleich: die Konkurrenz-Mediathek TV Now von RTL erreicht laut Agof monatlich zwischen vier und fünf Millionen Unique User.

Geld verdienen soll das neue Angebot vor allem mit Werbung. Ab Winter will Joyn Werbekunden Adressable-TV-Spots anbieten. Bis dahin werde Pre- und Mid-Rolls vor jedem Video, aber keine Unterbrecherwerbung geben. Im Live-Streaming-Bereich laufen zu Beginn noch dieselben Werbeblöcke wir im herkömmlichen Fernsehen.

Die Streaming-Plattform gehört zu den Vorzeige-Projekten des neuen ProSiebenSat.1-Chefs Max Conze. Die Arbeit an Joyn sei "eine einmalige Chance, an der Zukunft unseres Mediums mitzuarbeiten", sagte Hofem. Insgesamt 260 Mitarbeiter arbeiten inzwischen für Joyn.

Unterscheiden von der Konkurrenz soll sich Joyn durch einen intensiven Austausch mit seinem Publikum. "Joyn ist vor allem dem User gewidmet", sagt Vassilev. In der intuitiv handhabbaren Benutzeroberfläche können sich Zuschauer ihr Programm nach eigenen Vorlieben zusammenstellen. Außerdem sehe die App viele Feedback-Möglichkeiten und einen großen Community-Bereich vor.

Zum Start von Joyn im Juni ist eine große Kampagne mit Spots auf sämtlichen Sendern der TV-Gruppe sowie zahlreichen OOH-Flächen geplant.

Einen Überblick über den deutschen Streaming-Markt und weitere Analysen zum Thema Streaming und TV finden Sie in der kommenden Ausgabe von W&V.


Autor: Thomas Nötting

ist Leitender Redakteur bei W&V. Er schreibt vor allem über die Themen Medienwirtschaft, Media und Digitalisierung.

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