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Neun Jahre Kino-Digitalisierung
Kinowerbung: WerbeWeischer feiert das endgültige Ende der Zelluloid-Rolle

Die Film-Rolle ist in der Werbung nun sehr bald Geschichte. Ab dem 1. April wird Deutschlands größter Kino-Werbefilmvermarkter WerbeWeischer keine 35-Millimeter Zelluloidrollen mehr verschicken. Die letzten Rollen gingen an Partner und Freunde.

Text: W&V Redaktion

31. März 2014

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Die Film-Rolle ist in der Werbung nun sehr bald Geschichte. Ab dem 1. April wird der Kino-Werbefilmvermarkter Werbeweischer keine 35-Millimeter Zelluloidrollen mehr verschicken. Künftig gibt es die Spots nur noch als Digitaldateien.

Firmenchef Florian Weischer feiert dieses Ende der Rolle, in dem er Spots an seine Partner verschickte, um "den Abschied von einem vielleicht geliebten und ganz sicherlich gewohntem Stück Kinogeschichte zu feiern". Für ihn ist es "gut so", denn das digitale Format mache Kino schneller, flexibler, zuverlässiger und messbarer.

Wobei, im Zusammenhang mit der Digitalisierung von schnell zu reden, auch ein wenig zwiespältig klingt. Denn wie man will, nur oder satte neun Jahre hat die Digitalisierung seit den ersten Tests gedauert. Die endgültigen Weichen wurden vor sieben Jahren gestellt. Seinerzeit hatten die beiden großen Kino-Vermarkter, Werbeweischer und RoWo, gemeinsame Pläne für die Digitalisierung vorgelegt. Bis sämtliche Spots über Beamer gezeigt werden, sei es jedoch noch ein weiter Weg, prognostizierte im April 2007 die W&V. Nur rund 200 von 4.500 Leinwänden wurden seinerzeit vom Regionalwerbespezialisten RoWo digital bespielt, Werbeweischer verfügte nur über eine Handvoll Testsäle. Die Digitalprojektoren waren vielen Kinobetreibern schlicht zu teuer. Aber es war absehbar, dass sich der digitale Weg wirtschaftlich auszahlen wird. Auch wenn Weischer seinerzeit noch bremste: "Die Kosten für Produktion und Distribution werden aber trotzdem nicht dramatisch sinken" - die digitale Herstellung und der Datentransfer kosteten schließlich auch Geld. Aber aus heutiger Sicht? Billiger ist es schon - Zelluloid-Rollen werden aus Kostengründen so gut wie gar nicht mehr erstellt. Jede Kopie kostete in der Kinowerbung schnell einen dreistelligen Betrag. 

Nicht zuletzt für Hollywood rechnet sich die Digitalisierung. Die Studio-Verleiher liefern längst (fast) nur mehr digital aus. Die Belieferung mit analogen Kopien wurde zum Jahresende 2013 offiziell eingestellt. Nur mehr einige spezialisierte Verleiher halten an den 35-mm Rollen fest.

So herrscht denn auch ein wenig Wehmut beim Werbeweischer in Hamburg. Florian Weischer betont in seinem Abschiedsbrief an die Rolle, dass er und seine Kollegen auch etwas vermissen würden: "Den Geruch von Pappe und Zelluloid. Die vollgestellten Büros und Flure. Die verzweifelten Rufe aus der Poststelle 'Hat jemand die 800 Kopien für Marlboro gesehen?' Und die stoischen Antworten: 'Ich seh‘ nichts, hier ist alles voller Kisten!'" Zum Abschied verschickte Weicher an die W&V Schokolade und zwar den Ferrero-Spot "Ever Since" für Kinderriegel. Die neue digitale Zukunft werde jedoch gut, verspricht Weischer. "So gut, dass wir uns in ein paar Monaten fragen werden, wie wir früher überhaupt zurecht gekommen sind."

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