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Megadeal im Programmmarkt
Kloiber verkauft Lebenswerk: TMG geht an Investor KKR

Produzent, Filmhändler, TV-Anbieter, Kinobetreiber: Herbert G. Kloiber verkauft seine Tele München Gruppe an den bereits in der TV-Branche bekannten US-Investor KKR - der Fred Kogel zum CEO macht. 

Text: W&V Redaktion

21. Februar 2019

Herbert Kloiber hat seine TMG an einen medienerfahrenen Investor verkauft, der mit Fred Kogel eine neue Inhalteplattform baut.
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Megadeal im Programm- und TV-Markt: Die Tele München Gruppe wechselt den Besitzer. Herbert G. Kloiber trennt sich von seinem Lebenswerk, das er 1977 erworben und massiv ausgebaut hat.

50 Jahre nach Gründung geht die Tele München Fernseh GmbH + Co. Produktionsgesellschaft und die Tele München Fernseh-Verwaltungs GmbH an die US-amerikanische Private Equity Gruppe KKR, die einst gut sechs Jahre lang Investor bei ProSiebenSat.1 war. Jetzt übernimmt die Gruppe das Kloiber-Reich mit rund 1800 Mitarbeitern und einer pro forma konsolidierten Gesamtleistung von 520 Millionen Euro.

Der Käufer gibt auch in einer separaten Mitteilung preis, was geplant ist: "Wir freuen uns sehr, gemeinsam mit der TMG etwas Neues im Film- und TV-Geschäft zu schaffen: eine Plattform, die vom Filmset bis ins Kino und zur TV-Auswertung die komplette Wertschöpfungskette mit starker eigener Produktion abdeckt und die wir durch weitere Firmenzukäufe ausbauen werden. Hand in Hand mit erfahrenen Köpfen der Branche - insbesondere mit Fred Kogel als neuem CEO - bauen wir eine Plattform im Content-Markt, die die deutsche Entertainment-Industrie mit Kreativität, innovativen Ideen und Leidenschaft voranbringen wird", sagt Philipp Freise, Partner und Leiter des europäischen Investmentteams für Technologie, Medien und Telekommunikation bei KKR.

Mit der steigenden Nachfrage der Verbraucher nach hochwertigen, lokalen aber auch internationalen Inhalten wachse auch der Bedarf nach einer großen unabhängigen deutschen Inhalteplattform, heißt es.

Was KKR alles erwirbt

Zur heutigen, international tätigen TMG zählen:

  • Der mit Walt Disney gemeinsam gehaltene Drittelanteil an RTL II
  • rund 85 Prozent der börsennotierten Odeon Film AG
  • zahlreiche 100prozentige Tochterunternehmen der Tele München Fernseh GmbH + Co. Produktionsgesellschaft - darunter Concorde Filmverleih, Concorde Home Entertainment,  Clasart Film- und Fernsehproduktion oder Tele München International
  • und der Privatsender Tele 5, der im Jahr 2002 relauncht wurde. 

Vor zwei Jahren trennte sich die TMG von ihrer Beteiligung an der österreichischen Privatsendergruppe ATV, die heute von ProSiebenSat.1 Puls 4 weiter betrieben wird.

Der 71-jährige Kloiber Senior soll nach den Angaben vom Donnerstag der von KKR geführten Plattform als Mitglied des Beirates wirken. Ebenso soll der gebürtige Wiener bis zur kommenden Hauptversammlung Mitglied des Aufsichtsrates der Odeon Film AG bleiben, heißt es. Sein Sohn Herbert L. Kloiber bleibt unverändert Geschäftsführer der TMG-Kerngesellschaften.

Die zahlreichen Medienunternehmen, die im Lauf der 5 Jahrzehnte direkt oder indirekt Kloibers Partner bei TMG sind oder waren, lesen sich prominent:

  • darunter Burda,
  • der Heinrich Bauer Verlag (RTL II / TM3, 1992-2019),
  • Silvio Berlusconis Fininvest (Tele 5, 1987-1991),
  • Bertelsmann/CLT und der Axel Springer Verlag (Tele 5, 1988),
  • Capital Cities/ABC (1989-1996),
  • Walt Disney/ABC International Television Inc. (RTL II, 1992-2019),
  • Rupert Murdochs News Corp. (TM3, 1998-2000)
  • und die EM.TV AG (1999-2004).

Herbert G. Kloiber wird mit den Worten zitiert: "Mein Dank gilt heute allen großartigen, langjährigen Mitarbeiterinnen, Mitarbeitern und Partnern. An erster Stelle sicher dem ZDF, das von 1970 ('Der Seewolf') bis heute ('Der Staatsanwalt') auf das Engste mit dem Erfolg der TMG verbunden bleibt. Ich lege das Unternehmen in die erfahrenen Hände eines großartigen Finanzinvestors, der den internationalen Medienmarkt bestens kennt und mit Fred Kogel einen hervorragenden Manager verpflichtet hat, um in den kommenden Jahren neue Impulse zu setzen."

Noch müssen die Aufsichtsbehörden dem Deal zustimmen. Über den Kaufpreis werden keine Angaben gemacht. Die langjährige Hausbank der TMG, die UniCredit Bank AG Deutschland, hat die Transaktion begleitet.

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