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"Prima Sonntag"
Massiver Gegenwind stoppt rechtslastigen "Deutschland Kurier"

Der politisch rechtslastige "Deutschland Kurier" missbraucht Anzeigenblätter für seinen Vertrieb. Engagierte Bürger wehren sich - mit Erfolg, wie jüngst in Aschaffenburg.

Text: W&V Redaktion

28. August 2018

"Deutschland Kurier" als ungewollte Beigabe zu "Prima Sonntag".
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Seit rund einem Jahr versucht der "Deutschland Kurier" die Bürger mit seiner Weltsicht zu erreichen, doch die haben zunehmend die Nase voll und leisten Widerstand. Am vergangenen Wochenende wurde das Boulevard-Blatt (Aufmacher: "Der Clan-Report") mit der kostenlosen "Prima Sonntag" in Aschaffenburg verteilt. Das Anzeigenblatt, das auf eine Gesamtauflage von knapp 150.000 kommt und jeden Sonntag in der Region zwischen Aschaffenburg und Miltenberg am bayerischen Untermain in den Briefkästen liegt, gehört zum Funkhaus Aschaffenburg. Das betreibt unter anderem die Sender Radio Primavera und Main.tv.

Kurz nachdem der "Deutschland Kurier" verteilt war, regte sich der Unmut, unter anderem bei Thomas Czisch, der als "Nerdpfleger" twittert und bloggt:

Das Social-Media-Team von Primavera24 reagierte bereits am Sonntag Mittag: "Prima Sonntag distanziert sich mit aller Deutlichkeit von der am Sonntag verteilten Beilage Deutschland Kurier". Die Stellungnahme, die am Dienstag erneut gepostet wurde, wurde intensiv kommentiert:

Die Leser beklagten vor allem die mangelnde (Qualitäts-)Kontrolle vorab. Erst die deutliche Antwort des Social-Media-Teams konnte die Wogen etwas glätten: "Ja, wir werden in Zukunft etwas unternehmen, dass so etwas nicht wieder passieren wird, das kann ich Euch garantieren. Auch wir waren, als wir am Sonntag diesen "Prospekt" in unserer Zeitung sahen, mehr als entsetzt. Es entspricht in keiner Weise der Philosophie unseres Hauses, solches unsägliches Gedankengut zu verbreiten." Außerdem erklären sie, wie es zu der Beilage kam. Eine Werbeagentur habe diesen "Verteilauftrag" erteilt - das übliche Geschäft für Anzeigenblätter. " Die 'Prospekte' wurden dann direkt an unsere Druckerei (in Gelnhausen) geliefert und wurden dort in der Nacht von Samstag auf Sonntag den Zeitungen maschinell beigelegt. Eine Inhaltskontrolle der Prospekte ist nicht vorgesehen (was auch normalerweise keinen Sinn ergäbe".

Lothar Steigerwald, langjähriger Geschäftsführer des Funkhauses Aschaffenburg, bestätigt gegenüber W&V, dass es zu weiteren Verteilaktionen des "Deutschland Kuriers" nicht kommen wird. Einen zweiten Auftrag habe man abgelehnt. "Um uns künftig zu schützen, werden wir ab sofort die Prospekte vor dem Einlegen in der Druckerei auf Inhalte prüfen."

Wenn es nach den Facebook-Kommentaren geht, könnte der Verlag auch so reagieren:

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So wie es jetzt Aschaffenburg erging, hat es vor einigen Wochen auch die Stadtzeitung Augsburg getroffen. Auch hier distanzierten sich Geschäftsführung und Redaktion und entschuldigten sich bei den Lesern, berichtet der BR.

Der "Deutschland Kurier" und sein Chefredakteur David Bendels betonen zwar regelmäßig ihre Unabhängigkeit, insbesondere von der AfD. Allerdings gibt es zahlreiche Berührungspunkte. Eine der regelmäßigen Autorinnen ist etwa Erika Steinbach, ehemals CDU-Bundestagsabgeordnete, heute Leiterin der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung. Als Träger des "Deutschland Kurier" fungiert der Verein zu Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten, der bereits mehrmals in Wahlkämpfen die AfD unterstützt hat. Bendels selbst bezeichnet sein Blatt gegenüber Zeit online als "Bild von rechts". Die konservative "Welt" urteilt dagegen: "Wie die Titanic. Nur ernst gemeint".

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