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Management
Mediaset attackiert ProSiebenSat.1-Führung

Keine Strategie fürs Mediengeschäft: Kurz vor der Hauptversammlung von ProSiebenSat.1 hat der größte Aktionär, der italienische Mediaset-Konzern, die Führung des Münchner Medienunternehmens heftig kritisiert.

Text: W&V Redaktion

5. Juni 2020

Die Sendergruppe des früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi hält 12 Prozent der Aktien an ProSiebenSat1.
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Der Mediaset-Finanzchef Marco Giordani übte jetzt öffentlich Kritik am Management des Medienunternehmens: ProSiebenSat.1 habe "in den letzten Jahren versucht zu überleben, ohne eine Strategie für sein Mediengeschäft zu haben", sagte er dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Weil ProSiebenSat1. auch Internet-Portale wie Verivox und Parship betreibe, hätten "die Sender gelitten und Marktanteile an RTL verloren".

Vorstandstrio will sich auf das Kernsegment konzentrieren

Das neue Management sei "jetzt in der Pflicht, den Aktionären eine Wachstumsstrategie vorzulegen, im Moment sehe ich die nicht", sagte Giordano. Alles, was zuletzt vorgelegt worden sei, "führt nur dazu, dass das Unternehmen schrumpft". Das neue Vorstandstrio unter Rainer Beaujean will sich auf das Kernsegment Unterhaltung konzentrieren, mehr ins Programm investieren und Beteiligungen "zu gegebener Zeit veräußern". Aber weil die Werbeeinnahmen in der Corona-Krise eingebrochen sind, werden die Investitionen nun gekürzt und Produktionen verschoben.

Übernahmeangebot sei derzeit nicht geplant

Die Sendergruppe des früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi hält 12 Prozent der Aktien und kann über Optionen kurzfristig auf fast 25 Prozent aufstocken. Mediaset will eine europaweite Fernsehallianz schaffen. Ein Übernahmeangebot für ProSiebenSat.1 sei derzeit aber nicht geplant: "Gegenwärtig schließen wir das aus", sagte Giordani. Man wolle dem Management auch "keine Strategie aufdrücken, wir wollen es auch nicht bekämpfen. Vielleicht hat die Führung von ProSiebenSat.1 eine eigene Idee, woher das Wachstum künftig kommen soll." An einer Konsolidierung auf dem europäischen TV-Markt führe aber kein Weg vorbei. Durch gemeinsame Technologien könnten Kosten gespart werden, etwa beim Streaming.

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