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Neue Deutsche Medienmacher "adeln" Bild-Chef
Negativ-Preis "Goldene Kartoffel" für Julian Reichelt

Diesen Preis hat er verdient, findet der Verein Neue Deutsche Medienmacher - und vergibt seinen ersten Negativ-Preis "Die Goldene Kartoffel" an Bild-Chef Julian Reichelt. 

Text: W&V Redaktion

24. Oktober 2018

Julian Reichelt, Herr über Bild, viele laute Schlagzeilen - und jetzt noch über eine "Goldene Kartoffel".
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Bild-Chefredakteur Julian Reichelt ist der erste Journalist, der mit dem neuen Medien-Negativpreis "Goldene Kartoffel" ausgezeichnet wird. Dahinter steht der Verein Neue Deutsche Medienmacher. Journalisten mit und ohne Migrationshintergrund hatten ihn vor zehn Jahren gegründet. Zum Jubiläum wurde der Medienpreis aus der Taufe gehoben – und Reichelt zum ersten Preisträger ernannt.

Der Bild-Chef zeichnet sich aus Sicht des Vereins durch "besonders einseitige oder missratene Berichterstattung über Aspekte der Einwanderungsgesellschaft" aus. Unter seiner Führung – seit Anfang Februar regiert Reichelt über Print und Online –  habe die Bild-Zeitung nochmal einen "besonderen Drall" bekommen, sagte Konstantina Vassilou-Enz, Geschäftsführerin des Vereins Neue Deutsche Medienmacher, in einem Interview mit Deutschlandfunk Kultur.

Hier die Begründung des Vorstands, der zugleich als Jury "Der Goldenen Kartoffel" wirkte:

"Bild ist aus unserer Sicht fortschrittlich, wenn es darum geht, die Vielfalt in der Gesellschaft unverkrampft und selbstverständlich darzustellen (etwa in Vox-Pops). Doch mit Julian Reichelt hat die Bild-Zeitung in kürzester Zeit eine Rolle rückwärts gemacht. Unter seiner Ägide steht das Blatt nun wieder konsequent für all das, wogegen sich die Neuen deutschen Medienmacher einmal gegründet haben: Bild steht für Unsachlichkeit, Vorurteile und Panikmache, wenn es um die Themen Integration, Migration und Asyl geht, für doppelte Standards in der Berichterstattung über Menschen mit und ohne Migrationshintergrund und für einen stark ethnozentrischen Blick auf unsere Einwanderungsgesellschaft und deren Herausforderungen.

Fehlende Sachlichkeit, Vorurteile und Panikmache zeigen sich in der Art und Weise, wie unterschiedlich groß Bild über Kriminalität oder Terror berichtet, je nachdem, ob die mutmaßlichen Täter einen Migrationshintergrund haben oder nicht. Sie zeigen sich daran, wie alarmistisch über Geflüchtete berichtet wird. Oder wenn immer wieder der Eindruck erweckt wird, unser Staat sei zu schwach, um geltendes Recht gegenüber Geflüchteten  durchzusetzen – ein mangelndes Durchgreifen des Staates gegenüber Rechtsextremen wird dagegen nicht thematisiert. Der sichtbare Rechtsruck wird bedenklich kleingeredet.

Doppelte Standards zeigen sich aber auch andernorts. Beispielhaft dafür stand in diesem Jahr der Umgang des Blatts mit dem Fußballspieler Mesut Özil, der nach seinem – in der Tat kritikwürdigen – Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan zur Zielscheibe einer wochenlangen Kampagne wurde, die von rassistischen Untertönen nur so strotzte. Die Anfeindungen gegen Mesut Özil haben letztlich die #MeTwo-Debatte ausgelöst, mit der in den sozialen Medien der Alltagsrassismus in Deutschland thematisiert wurde.

All diese Aspekte haben den Vorstand der "Neuen deutschen Medienmacher" zu der Überzeugung gelangen lassen, dass an Julian Reichelt als Preisträger für die "Goldene Kartoffel" in diesem Jahr kein Weg vorbeiführt. Er hat sich diesen Preis redlich verdient. Zur Preisverleihung am Samstag, den 3. November, im Südblock in Berlin-Kreuzberg ist er eingeladen. Wir würden uns sehr freuen, ihn persönlich zu begrüßen und ihm die  "Goldene Kartoffel" zu überreichen."

Ob der Springer-Manager Reichelt, der dieses Jahr mehrmals von der Satire vorgeführt wurde, anreist? So sieht die Trophäe aus, die ihm überreicht werden soll:

Der neue Negativ-Medienpreis in Gold.

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