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Videostreaming-Markt
Netflix gerät unter Druck

Eine Wall-Street-Analystin hält es für möglich, dass der Streamingdienst im nächsten Jahr auf dem US-Markt bis zu vier Millionen Abonnenten verliert. Und empfiehlt deshalb eine teilweise werbefinanzierte Abo-Variante.

Text: W&V Redaktion

11. Dezember 2019

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Nachdem bereits in den vergangenen zwei Monaten mehrere Wall-Street-Analysten die Netflix-Aktie herabgestuft hatten, folgte am Dienstag auch die Analystin Laura Martin von der Investmentbank Needham & Company diesem Trend. Sie stufte die Aktie des Videostreamingdienstes von "hold" auf "underperform" herunter.

Ihr Argument: Im sich verschärfenden Wettbewerb vor allem auf dem US-Streamingmarkt sei Netflix einfach zu teuer. Die Premium-Abo-Varianten mit Preisen zwischen 9 und 16 Dollar pro Monat seien nicht länger aufrechtzuerhalten, so Martin, vor allem nicht angesichts der Konkurrenz von Apple TV+, Disney+, Hulu und CBS All Access, die Abo-Varianten mit einer Monatsgebühr zwischen 5 und 7 Dollar anbieten.

Martin rechnet deshalb damit, dass Netflix im nächsten Jahr auf dem US-Markt bis zu vier Millionen Abonnenten verlieren könnte. Ihre Empfehlung: Netflix sollte zusätzlich eine deutlich günstigere, teilweise werbefinanzierte Abo-Variante schaffen – ein Ansinnen, das der Streaming-Marktführer bislang immer abgelehnt hat (hier ein Interview mit Martin auf dem US-Sender CNBC).

Martin untermauert ihr Argument zudem mit der Tatsache, dass Netflix in den vergangenen Monaten beliebte Serien wie "Friends" oder "The Office" an die preisgünstigere Konkurrenz verloren habe.

Abo-Einbruch im zweiten Quartal

Andererseits setzt der Streamingdienst schon seit Jahren primär auf Eigenproduktionen – und dies mit zunehmendem Erfolg, jedenfalls bei den Branchenexperten. So dominiert Netflix bei den Nominierungen für den Golden Globe Award im Januar mit gleich 17 Nominierungen in der TV- und 17 weiteren in der Film-Kategorie. Unklar ist allerdings, ob die zahlenden Abonnenten dies ebenso zu schätzen wissen wie die Award-Jurys.

Tatsächlich musste Netflix im zweiten Quartal dieses Jahres auf dem US-Markt erstmals einen Rückgang bei der Abonnenten-Zahl um 130.000 hinnehmen. Im dritten Quartal konnte der Service allerdings wieder ein Plus von 520.000 Abonnenten melden. Die Gesamtzahl der zahlenden Kunden lag damit Ende September bei 60,6 Millionen.

Auch wenn ihre Zahl zunimmt – noch sind die Skeptiker gegenüber der Netflix-Aktie unter den Wall-Street-Analysten in der Minderheit. Die Mehrheit hält an ihrem "Buy"-Rating fest, ein Viertel der Analysten empfiehlt, die Aktie weiterhin zu halten.

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Autor: Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.

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