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Localisation
Netflix: Klare Strategie bei den Synchronisationen

Auch in den Auslandsmärkten überwiegt im Portfolio des Streamingdienstes englischsprachiger Content. Wie das Unternehmen damit umgeht, zeigt eine neue Studie von Ampere Analysis.

Text: W&V Redaktion

31. März 2020

Deutschland gehört zu den Ländern mit einem hohen Synchronisations-Anteil.
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Obwohl Netflix in den meisten Auslandsmärkten inzwischen verstärkt auch auf lokale Produktionen setzt, dominieren im Gesamtportfolio noch immer englischsprachige Filme und Serien. Dies bedeutet, dass der Streamingdienst in nicht englischsprachigen Ländern im Zuge seiner Localisation-Strategie Synchronisationen oder Untertitel anbieten muss.

Was die Synchronisationen angeht, hat Netflix eine klar erkennbare Strategie eingeschlagen. Dies zeigt eine aktuelle Studie des Londoner Marktforschers Ampere Analysis. Danach machen die synchronisierten Inhalte in den meisten Märkten weniger als 30 Prozent des Gesamtportfolios aus, die Untertitelung steht klar im Vordergrund.

Anders sieht es allerdings in einigen größeren Märkten aus, so in Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien. Hier liegt bei fremdsprachigem Content der Synchronisations-Anteil bei 61 Prozent. Zusätzlich verfügen fast alle Inhalte (97 Prozent) über Untertitel in der jeweiligen Landessprache. Das kostspielige Verfahren lohnt sich hier deshalb, weil es gleich für mehrere Länder nutzbar ist, so etwa in Österreich und der Schweiz, in Belgien, Kanada oder Lateinamerika.

In einigen Märkten scheint eine Synchronisation nahezu überflüssig

In einigen Märkten wiederum scheint eine Synchronisation nahezu überflüssig – und der Anteil bei Netflix ist dementsprechend niedrig. Beispielsweise in den Niederlanden und den skandinavischen Ländern. Die Nutzer in diesen Märkten sind es schon von den einheimischen TV-Programmen gewohnt, englischsprachige Inhalte ohne Synchronisation zu verfolgen. Auch die nordische Streamingplattform Viaplay setzt bei englischsprachigem Content nur selten auf eine Synchronisation.

Im angelsächsischen Sprachraum besteht das Netflix-Portfolio zu 70 Prozent aus englischsprachigen Inhalten, die restlichen 30 Prozent erhalten in der Regel Untertitel. In diesen Ländern schaut sich ohnehin nur eine Minderheit der Nutzer Content aus nicht englischsprachigen Ländern an. Diejenigen, die es aber tun, ziehen dann meist die Originalversion mit Untertiteln vor.

Ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung für eine Synchronisation spielt natürlich wegen der im Vergleich zur Untertitelung verhältnismäßig hohen Kosten die Zahl der Abonnenten in den jeweiligen Märkten. Auch wenn die Nutzer muttersprachliche Inhalte vorziehen sollten. Dies gilt beispielsweise für Russland und die Türkei, wo Netflix bislang noch nicht über eine größere Marktpenetration verfügt. Der Anteil der Synchronisationen liegt in solchen Ländern deshalb nur zwischen 13 und 28 Prozent, was sich allerdings bei steigenden Abonnentenzahlen ändern dürfte.

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Autor: Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.

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