Anzeige

Streaming
Netflix produziert weitere fünf deutsche Serien

Die Bedeutung des europäischen Marktes für den US-Konzern ist deutlich: Netflix investiert in weitere Eigenproduktionen der Region.

Text: W&V Redaktion

25. Oktober 2018

Noch in diesem Jahr kommt "Dogs of Berlin", produziert als deutsches Netflix-Original von Syrreal, Berlin. Buch & Regie: Christian Alvart.
Anzeige

Der Streamingkonzern Netflix will seine Position auf dem europäischen Markt stärken. Allein für den deutschsprachigen Raum kündigte Netflix für das kommende Jahr fünf neue Serien an. Das ist Teil der Produktionsoffensive, die sowohl Netflix als auch Amazon fahren.

Europa-Programmchefin Kelly Luegenbiehl sagte auf den Münchner Medientagen, dass sich die Projekte bereits in Entwicklung oder Produktion befinden. Alle seien ab 2019 zu sehen - und werden in allen 190 Ländern angeboten, in denen Netflix inzwischen verfügbar ist. "Für uns ist dies eine bedeutsame Investition in den deutschen Markt", sagte Luegenbiehl. Wo hoch die Investition ist, gibt Netflix nicht an.

"Bei Netflix wollen wir einheimische Geschichten erzählen, die global verstanden werden", sagte Luegenbiehl. Ein Beispiel dafür ist die erste deutsche Netflix-Serie Dark, die international gut gelaufen war und in die Verlängerung geht. Luegenbiehl: "Wir sind begeistert von diesen fünf Projekten, die - jedes auf seine einzigartige Weise - einerseits unverkennbar deutsch sind und andererseits bei Zuschauern auf der ganzen Welt ein universelles Gefühl von Verbindung herstellen können."

Dabei sind verschiedene Genres vertreten: "von epischen Erzählungen aus der Vergangenheit und Zukunft über Gangster-Milieudramen im Hier und Jetzt, selbstironische Coming-of-Age-Geschichten bis hin zu fesselnden Familiensagen", kündigt Netflix die Stoffe an. Nach Angaben der Programmchefin sei es wichtig gewesen, verschiedene Genres anzugehen, um zu testen, welches sich am besten eigne.

Die fünf neuen Serien kommen zu den bisher drei deutschen Netflix-Original-Serien "Dark" (Staffel 2), "Dogs of Berlin" und "Die Welle" hinzu, die derzeit in Entwicklung oder Produktion sind. "Dogs of Berlin" von Showrunner Christian Alvart wird noch in diesem Jahr (ab 7. Dezember) abrufbar sein.

Zum Jahreswechsel will Netflix weitere Programmneuerungen bekanntgeben. Dann soll es laut Luegenbiehl auch um Kooperationen mit heimischen Programmanbietern gehen. Für Afrika sollen ebenfalls Fictionstoffe produziert werden - interessant seien die Märkte in Südafrika, Nigeria und Kenia. Zwei Genres schloss die Programmchefin jedoch für die nächste Zeit aus: Sport und Nachrichten sollen nicht über Netflix gestreamt werden.

Diese deutschen Netflix-Serien gibt es 2019

"Tribes of Europa 2070": Spielt in einer post-apokalyptischen Zukunft, in der verschiedene Stämme um die Herrschaft auf dem Kontinent kämpfen. Autoren: Philip Koch, Jana Burbach, Benjamin Seiler; Regie & Autor: Philip Koch. Produziert von Wiedemann & Berg Television (Quirin Berg und Max Wiedemann).

"Die Barbaren": Erzählt vom Kampf zwischen der römischen Armee und den Germanen. Die Schlacht im Teutoburger Wald 9 nach Christus beendete den Vormarsch des römischen Reiches nach Norden. Dieser blutige Zusammenstoß wird verknüpft mit dem Leben drei junger Menschen. Autoren: Arne Nolting & Jan-Martin Scharf und Andreas Heckmann. Produziert von Gaumont (Sabine de Mardt, Andreas Bareiss, Rainer Marquass).

"Don’t Try This At Home": In der Jugendkomödie bauen drei Schüler einen Online-Drogenhandel aus dem Kinderzimmer heraus auf. Autoren: Philipp Käßbohrer, Sebastian Colley und Stefan Titze; Regie: Lars Montag und Arne Feldhusen. Produziert von BTF Productions (Matthias Murmann und Phillip Käßbohrer).

"Skylines": Spielt in Frankfurt und handelt von einem jungen Hip-Hop-Produzenten. Er erlebt, wie die Welten der Musik, des organisierten Verbrechens und des Finanzwesens aufeinanderprallen. Autor: Dennis Schanz; Regie: Max Erlenwein und Soleen Yusef. Produziert von Komplizen Film (Maren Ade, Jonas Dornbach, Janine Jackowski und David Keitsch) und Stick Up Films (Dennis Schanz und Luis Singer).

"Untitled Christmas": In der dreiteiligen Miniserie treffen sich vier Frauengenerationen zum Fest. Sie werden mit lang gehegten Geheimnissen konfrontiert. Autorin: Katharina Eyssen. Produziert von Sommerhaus Film (Jochen Laube und Fabian Maubach) und Katharina Eyssen.

Gut für die deutsche Landschaft der Film- und Fernsehschaffenden - und für den Nachwuchs. So ließ die Münchner Hochschule für Fernsehen und Film HFF wissen, dass an gleich drei der oben genannten fünf Projekte HFF-Absolventinnen und -Absolventen mitwirken. Max Wiedemann und Quirin Berg sind ehemalige Studenten der HFF, ebenso wie Philip Koch ("Tribes of Europa"), die "Skylines"-Produzenten Maren Ade und Janine Jackowski und der Kopf hinter der Weihnachtsminiserie, Katharina Eyssen. Auch das "Dark"-Team Baran Bo Odar und Jantje Friese hat dort studiert.

"Wir müssen uns hier in Deutschland nicht verstecken"

Den Programmanbietern machen Streamingkonzerne wie Netflix und Amazon Prime Video allerdings ordentlich Dampf. Doch: "Wir müssen uns hier in Deutschland nicht verstecken", sagte Produzent Nico Hofmann, Chef der UFA, beim TV-Gipfel auf den Medientagen. Positive Beispiele deutscher Fernsehproduktionen seien etwa "Bad Banks" im ZDF oder der "Club der roten Bänder" auf Vox. Sein Auftragsbestand bei der UFA weise nach wie vor einen Anteil von 93 Prozent von den klassischen Anbietern wie ARD, ZDF oder RTL aus. Die UFA hat aber ebenso für Amazon Prime Video die Serie "Deutschland 86" gedreht (der Vorläufer "Deutschland 83" war bei RTL gelaufen).

Die stellvertretende ZDF-Programmdirektorin Heike Hempel unterstrich, dass ihr Sender seit 1963 sogenannte "Originals" produziere; derzeit etwa 150 Filme und 300 Serienepisoden pro Jahr. "Wir haben eine andere wirtschaftliche Zielsetzung und ein komplett anderes Geschäftsmodell", sagte Hempel. "Wir machen nämlich Fernsehen für alle, nicht für eine Elite, die vorwiegend gut verdient, gut gebildet ist und im großstädtischen Umfeld wohnt."

Hempel verwies auf die zunehmende Nutzung ihrer Mediathek, die rund 2,7 Millionen Abrufe pro Tag verzeichnet. Bei manchen TV-Projekten ist sie überdurchschnittlich gefragt. So hätten zum Beispiel 15 Prozent der Fans die Serie "Bad Banks" in der Mediathek verfolgt.

Ähnliches gilt für die ARD: Die Koproduktion "Babylon Berlin", die vor einem Jahr bei Partner Sky im Pay-TV gut lief und diesen Herbst im Free-TV im Ersten zu sehen war, wurde vor allem in der Mediathek sehr gut nachgefragt. Zu den gut vier Millionen linearen Zuschauern, die pro Doppelfolge dabei sind, kommen mehr als drei Millionen Abrufe in der Mediathek.

Von der Mediathek zum VoD-Portal baut gerade RTL seine Plattform TV Now um; auch hier ist die erste "Original"-Produktion bereits gesetzt.

Alles von den Medientagen finden Sie in unserem Liveblog hier.

Anzeige