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Großbritannien
Onlinepornos nur noch nach Altersverifizierung aufrufbar

Weil künftig das Alter mittels einer Ausweiskopie nachgewiesen werden muss, warnen Datenschützer vor möglichen Outings und Erpressungsversuchen.

Text: W&V Redaktion

19. März 2019

AgeID ist ein Tochterunternehmen des Porno-Webseiten-Betreibers Mind Geek.
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Als ob die britische Regierung unter Premierministerin Theresa May nicht mit dem Brexit schon genügend Probleme hätte, möchte sie jetzt ein weiteres, ebenfalls umstrittenes Vorhaben in die Wege leiten: Schon in den nächsten Tagen will das Kabinett das Launch-Datum für die verpflichtende Altersverifizierung bei der Nutzung von Onlinepornografie verkünden, wie der Guardian berichtet.

Und wie beim Brexit gab und gibt es bei der Umsetzung des Vorhabens erhebliche Schwierigkeiten. So hatte das Parlament bereits vor zwei Jahren die Einführung einer Altersverifizierung beschlossen. Doch technische Probleme führten immer wieder zu Verzögerungen.

Derzeit ist die Rede von einem Launch Anfang April. Allerdings glaubt kaum jemand, dass dieses Datum eingehalten werden kann. Bis das System wirklich einwandfrei läuft, könnten noch Monate vergehen.

Der eigentliche Streitpunkt ist das System der Altersverifizierung selbst. Danach müssen Nutzer von pornografischen Websites in Großbritannien zunächst mit ihrer Email-Adresse und einem Passwort ein Konto eröffnen und anschließend eine Kopie ihres Personalausweises oder des Führerscheins hochladen, um nachzuweisen, dass sie mindestens 18 Jahre alt sind. Die Angaben werden dann von "dritter Seite" überprüft.

Wer ein solches Verfahren ablehnt, kann mit seinem Personalausweis zu einem Zeitungshändler gehen und dort für 4,99 Pfund für jedes einzelne Gerät einen sogenannten "Porn Pass" erwerben. Der Zeitungshändler ist dann für die Altersverifikation zuständig.

Datenschützer warnen vor Outings

Angesichts eines solchen Systems warnen britische Datenschützer schon seit Langem vor möglichen Erpressungsversuchen infolge von Hackerangriffen oder Datenpannen. "Es kann dazu führen, dass Leute geoutet werden", erklärte Jim Killock, Chef der Open Rights Group, gegenüber dem Guardian.

"So etwa wenn Schüler aufgrund einer Datenpanne von den ungewöhnlichen sexuellen Präferenzen eines Lehrers erfahren. Wenn es sich um legale Pornografie handelt, wird der Lehrer zwar nicht entlassen, aber sein Ruf ist ruiniert", so Killock.

Und: "Die Politiker, die dies beschlossen haben, scheinen nicht zu verstehen, dass auch Daten über ihre eigenen sexuellen Präferenzen in den Händen von Journalisten oder anderen Leuten landen können."

"Pornografie-Pendant zu Mark Zuckerberg"

Ein Dorn im Auge ist für die Datenschützer insbesondere das Unternehmen Mind Geek, das in Großbritannien zahlreiche kommerzielle Pornografie-Sites wie etwa Porn Hub betreibt. Mind Geek hat inzwischen ein eigenes Tochterunternehmen zur Altersverifizierung mit dem Namen AgeID gegründet.

"Das Problem", so Killock, "ist, dass man alle seine Daten an ein Pornografie-Pendant zu Mark Zuckerberg gibt: Das ist, was ich mag, das ist, wer ich bin, und das sind alle Sites, die ich besucht habe."

James Clark, Sprecher von AgeID, bestreitet ein solches Szenario. Er weist darauf hin, dass AgeID zu keinem Zeitpunkt während des Verifizierungsprozesses die persönlichen Daten der Nutzer speichere. "Da wir solche Daten nicht sammeln, können sie auch nicht geleakt, vermarktet oder in irgendeiner anderen Weise missbraucht werden", so Clark.

Überwacht wird die Einhaltung der Altersverifizierungen vom British Board of Film Classification, der auch die Einhaltung des Datenschutzes bei den Verifizierungsfirmen überwacht. Website-Betreiber, die sich nicht an die Altersverifizierungs-Verordnung halten, müssen mit hohen Geldbußen rechnen oder können von allen britischen Internet-Serviceprovidern gesperrt werden.

Ausweg VPN

Dass die Altersverifizierung auch wirklich effektiv sein wird, glaubt indes nur eine Minderheit der Briten. Dies zeigt sich auch in den Online-Kommentaren zu einem Bericht des Boulevard-Blatts Daily Mail über das geplante System.

Viele der Kommentatoren empfehlen einen simplen Ausweg: die Nutzung eines sogenannten Virtual Private Network (VPN), das anonymes Surfen im Internet ermöglicht und auch ein bestehendes Geoblocking umgeht.

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