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BR-BLM-Pakt zu DAB+
Premiere: Privatradios sollen digital über ARD-Netze senden

In Bayern sollen in Sachen DAB+ private Sender Untermieter der BR-Sendernetze werden. Eingetütet haben den Plan BLM und BR. 

Text: W&V Redaktion

16. Dezember 2016

BLM-Präsident Siegfried Schneider bahnt für DAB+ zusammen mit dem BR neue Wege.
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Eine bisher einzigartige Zusammenarbeit zwischen privatem und öffentlich-rechtlichem Radio bahnt sich in Bayern an. Es geht um die Verbreitung von Digital-Radio-Hörfunkprogrammen über DAB+.

Die Münchner Medienanstalt BLM hat – als Vertreterin für den Privatfunk – mit dem Bayerischen Rundfunk (BR) nach mehrmonatigen Verhandlungen, Planungen und Abstimmungen vergangene Woche eine Vereinbarung unterzeichnet, wonach "eine breite Kooperation im Bereich des Betriebes von DAB-Netzen in Bayern in den nächsten 8 Jahren" greifen soll, wie BLM-Präsident Siegfried Schneider jetzt dem Medienrat berichten konnte.

Wo der BR Platz hat für DAB+, sollen sich Private im Netz einmieten

Konkret sieht der Plan so aus: In DAB-Netzen des BR sollen je nach Region zwischen 2 und 10 privaten Hörfunkprogramme neben den Programmen des BR ausgestrahlt werden. "Immer dort, wo die Netzstrukturen strukturell gleich sind, werden wir zusammenarbeiten", meinte Schneider.

So ist geplant, im landesweiten DAB-Netz des BR auch das Programm von Antenne Bayern zu verbreiten. In den DAB-Regionalnetzen, wo  Bayern 1 und Bayern 2 zu finden sind, sollen weitere landesweite private DAB-Programme sowie bis zu 6 kommerzielle Lokal- oder Regionalprogramme eingemietet werden. Was die Kosten angeht, so ist zu hören, dass die ARD-Kapazitäten für DAB+ preislich unter denen des derzeitigen Netzbetreibers Media Broadcast liegen sollen. 

Die Bayern Digital Radio (BDR) wird nun für die Privatfunker laut BLM alle freien Kapazitäten in den Netzen des BR anmieten und neben ihren eigenen DAB-Netzen für die privaten Hörfunkprogrammanbieter betreiben. "Durch diese Kooperation zwischen BR und BLM sowie den darauf aufbauenden Vertrag zwischen BR und BDR wird den privaten Hörfunkanbietern eine ideale Netzqualität zu einem vertretbaren Preis angeboten", fasst Schneider die Vorteile für beide Seiten zusammen. Vor allem im Hinblick auf die Qualität der Netze werde der BR eine Leistung anbieten können, "die sich private Anbieter in den nächsten Jahren selbst nie hätten leisten können".

Auch Fördermillionen stehen parat

Der Zeitplan sieht so aus: Die BLM wird ab 2017 sukzessive in den Regierungsbezirken Bayerns die privaten Anbieter einladen, sich an der DAB-Verbreitung zu beteiligen.

Zusammen mit den von der CSU-Landtagsfraktion angekündigten Fördermitteln für DAB+ (1,5 Millionen bis 2018) und der BLM-Förderung sollen voraussichtlich bis Ende 2018 alle heutigen UKW-Programme auch in DAB+ dem bayerischen Radiohörer angeboten werden. Möglicherweise, so hofft die BLM, werden durch die Kooperation mit dem BR Sendekapazitäten für neue lokale, regionale oder landesweite Programme frei.

Schneiders Engagement für Digital Radio rührt auch von den Nutzerzahlen her, die die Pilotstudie DAB+ der deutschen Medienanstalten im Sommer dieses Jahres ermittelt hat. Demnach nimmt die Nutzung des digitalen Angebots zu, sobald ein Empfangsgerät für DAB+ angeschafft wurde. 46 Minuten der insgesamt erhobenen Hördauer von 248 Minuten pro Tag entfallen dann aufs digitale Angebot. DAB+ liegt damit vor dem Verbreitungsweg Internet, der einen Anteil von 43 Minuten an der Hördauer hat.

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