Anzeige

US-Zeitungsverlag Gannett
Print-Titel verzichten bei US-Zwischenwahlen auf Auszählungsdaten

Web schlägt Print. Weil eine Zeitung kein Real-Time-Medium ist, zieht Gannett einen radikalen Schluss und verweist die Leser auf die Websites der einzelnen Titel.

Text: W&V Redaktion

5. November 2018

Anzeige

Der Verlag Gannett, nach verkaufter Auflage der größte Zeitungskonzern der USA, verzichtet bei seinen mehr als 100 Lokaltiteln in den Print-Ausgaben auf eine Ergebnisberichterstattung zu den Kongress-Zwischenwahlen. Stattdessen werden die Leser aufgefordert, Berichte zum aktuellen Auszählungsstand auf den Webseiten der jeweiligen Titel zu verfolgen.

Der Gedanke hinter diesem Schritt: Gedruckte Zeitungen sind kein Real-Time-Medium und die Leser der Zeitungen können auf diese Weise daran gewöhnt werden, öfter die Websites der Titel aufzurufen, schreibt Ken Doctor, einer der führenden Medienexperten der USA, auf seinem Newsonomics-Blog.

Es ist eine Erfahrung, die alle Zeitungsredakteure kennen: Selbst wenn der Andruck in den späten Abend hinein verschoben wird, sind die Wahl-Ergebniszahlen, die am nächsten Morgen dem Leser in gedruckter Form präsentiert werden, oft schon überholt. Dies gilt umso mehr in den USA, wo sich die Auszählungen in einigen Bundesstaaten bis weit in den nächsten Tag hinziehen können.

Vermeidung zusätzlicher Druckkosten

Zugleich handelt es sich um eine Sparmaßnahme, denn eine Verschiebung des Andrucks in den späten Abend hinein führt zu erheblich höheren Druckkosten. Ganz besonders bei Gannett, wo inzwischen zahlreiche Aufgaben wie etwa Schlussredaktion oder Layout von zentralen Hubs durchgeführt werden und wo viele Zeitungen gemeinsame oder outgesourcte Druckereien nutzen.

Dies führte sogar dazu, dass die vorgesehenen Andruckzeiten inzwischen deutlich früher liegen als noch vor wenigen Jahren. Bei den meisten Gannett-Zeitungen beginnt der Andruck bereits um 19.00 Uhr. "Alle Titel sollen an ihren bestehenden Print-Deadlines festhalten", heißt es in einer internen Mail der Geschäftsführung, aus der Ken Doctor zitiert, an die Zeitungsredaktionen.

Zu den Gannett-Titeln gehören neben der überregionalen USA Today unter anderem die Regional- und Lokalzeitungen Indianapolis Star, Cincinnati Enquirer, Tennessean in Nashville, Tennessee, Democrat and Chronicle in Rochester, New York, Des Moines Register und Arizona Republic in Phoenix, Arizona.  

Anzeige