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Umsturz in Unterföhring
Rainer Beaujean ist neuer ProSiebenSat.1-Chef

Der Konzern trennt sich von CEO Max Conze und stellt sich strategisch neu auf: Das zwischenzeitlich in den Hintergrund geratene Entertainment-Geschäft rückt wieder stärker in den Fokus.

Text: W&V Redaktion

27. März 2020

Rainer Beaujean beerbt Max Conze bei ProSiebenSat.1.
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Riesenknall am späten Donnerstagabend in Unterföhring: Nachdem der Vize-Vorstandsvorsitzende Conrad Albert am 13. März seinen Ausstieg aus der ProSiebenSat.1 Media SE verkündete - er hatte nach eigener Aussage keine Lust mehr auf die "Vorstands-Soap-Opera" -, trennt sich der Konzern nun von seinem Vorstandsvorsitzenden Max Conze. Conze, der Mitte Juni 2018 die offizelle Nachfolge von Thomas Ebeling übernommen hatte, geht mit sofortiger Wirkung.  

Mit dem Ausstieg des vormaligen Dyson-Managers, der während seiner Amtszeit kräftig polarisierte, stellt ProSiebenSat.1 den Vorstand neu auf. Zugleich wird das Geschäft wieder stärker auf Entertainment ausgerichtet. Ein Bereich, der in den vergangenen Jahren insbesondere in der Ära von Ebeling und Conze gegenüber den anderen Geschäftsfeldern in den Hintergrund geraten war. Die bestehenden Beteiligungen sollen mittelfristig wieder abgestoßen werden.

Entertainment steht wieder im Fokus

Und so sieht der neue Vorstand aus: Finanzvorstand Rainer Beaujean, seit 2012 im Unternehmen tätig und seit Juli 2019 Finanzvorstand, hat zusätzlich die Funktion des Vorstandssprechers übernommen. Neu in den Vorstand berufen wurden Wolfgang Link und Christine Scheffler. Wolfgang Link verantwortet das Segment Entertainment, Christine Scheffler weiterhin den Bereich Personal. Dies hat der Aufsichtsrat am Donnerstagabend beschlossen.

Mit der neuen Aufstellung des Vorstands geht ändert sich auch wieder die strategische Ausrichtung: Die Mediengruppe wird ihr operatives Geschäft wieder stärker auf den Entertainment-Sektor in der DACH-Region ausrichten. Der Schwerpunkt liegt hier auf lokalen und Live-Formaten, auch in enger Kooperation mit den Red Arrow Studios und Studio71.

"Aktive Portfoliopolitik"

Über die Streaming-Plattform Joyn soll die digitale Reichweite weiter ausgebaut werden. NuCom bleibt eine synergetisch wichtige Säule des Konzerns. Die bestehenden Beteiligungen, die von Werbung auf den Entertainment-Plattformen profitieren, werden werthaltig weiterentwickelt und im Zuge einer aktiven Portfoliopolitik zu gegebener Zeit veräußert.

"Mit Rainer Beaujean übernimmt ein sehr analytischer und umsetzungsstarker Manager die Sprecherfunktion", so Werner Brandt, Aufsichtsratsvorsitzender von ProSiebenSat.1. "Seine 20 Jahre Vorstandserfahrung werden dem Unternehmen gerade in dieser kritischen Zeit sehr zugute kommen."

Beaujean selbst glaubt an den zuletzt etwas gebeutelten Konzern: "Dieses Unternehmen hat weit mehr Potential als ihm derzeit extern beigemessen wird. Wir werden uns jetzt unter Führung des neuen Vorstandsteams wieder stärker auf unser Kernsegment Entertainment und auf nachhaltig profitables Geschäft konzentrieren." Die Corona-Pandemie werde das Unternehmen zwar in den nächsten Wochen und Monaten "vor eine sehr große Herausforderung" stellen. Er sei aber fest davon überzeugt, "dass wir gestärkt aus dieser Krise hervorgehen werden und wieder Wert für unsere Aktionäre schaffen können."

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