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Bilanz für 2018 und Ausblick
RTL Group verliert im TV – und investiert nun ins Streaming

Das TV-Werbejahr 2018 war für RTL schwierig. Der Umsatz ist aber gestiegen - dank der Inhalte- und Digitalsparte. Was die RTL Group nun plant.

Text: W&V Redaktion

14. März 2019

CEO Bert Habets steht hinter dem Konzept "Total Video".
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Die RTL Group hat im vergangenen Jahr Abstriche im TV-Werbegeschäft hinnehmen müssen. Der Umsatz stieg 2018 dann doch - dank der Produktionstochter Fremantle und des Digitalgeschäfts, und zwar um 2,1 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro, wie die Bertelsmann-Tochter mitteilt.

Konzernchef Bert Habets will nun mehr Geld in Video-Streaming-Angebote stecken: Innerhalb der nächsten drei Jahre seien Investitionen in Höhe von 350 Millionen Euro geplant, um den Ausbau der Plattformen voranzutreiben. 2018 habe die RTL-Gruppe bereits die Marke von einer Million Abonnenten für die beiden Streamingdienste TV Now Premium in Deutschland und Videoland in den Niederlanden erreicht.

Ähnliche Dienste seien auch in anderen Ländern geplant. Innerhalb der nächsten drei Jahre will Habets die Zahl der Abonnenten auf mindestens drei Millionen steigern. Teil der "Total Video"-Strategie bis 2022 ist es, eine starke Videogruppe durch die Vernetzung der Marketing- und Videoplattformen StyleHaul, Divimove und das 2018 übernommene United Screens zu etablieren.

Warum TV 2018 schwächelte

Schuld an den schwachen TV-Werbeerlösen 2018 in Deutschland sind dem Konzern zufolge besonders die Sport-Großereignisse, wie die Männer-Fußball-Weltmeisterschaft und die Olympischen Winterspiele, die der Kölner Privatsender nicht übertrug.

Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging um 5,7 Prozent auf 1,38 Milliarden Euro zurück. Der auf die Aktionäre entfallende Nettogewinn sank um 9,6 Prozent auf 668 Millionen Euro. RTL begründet das schlechtere Ergebnis mit einem hohen Vergleichswert aus dem Vorjahr, als Gebäude in Paris für 94 Millionen Euro verkauft wurden, was sich einmalig positiv auswirkte.

Fürs laufende Jahr geht RTL - wie zuvor angekündigt - von einem Umsatzplus von 2,5 bis 5 Prozent ohne Berücksichtigung von Wechselkurseffekten aus. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) soll jedoch um 2,5 bis 5 Prozent zurückgehen.

Wo es läuft

Die RTL-Gruppe mit Hauptsitz in Luxemburg erzielt den Großteil seiner Umsätze mit der Mediengruppe RTL Deutschland und der M6-Gruppe in Frankreich. Daneben sind die Produktionsfirma Fremantle, das Digitalgeschäft sowie RTL in den Niederlanden und RTL Belgien wichtige Standbeine des Konzerns.

Insgesamt setzt RTL - neben dem Hauptgeschäft mit TV-Werbeeinnahmen, das immer noch über 45 Prozent zum Konzernumsatz im vergangenen Jahr beitrug - vor allem auf seine Produktionsfirma Fremantle. Sie produziert Serien, wie etwa "American Gods", die beim Streamingdienst Amazon Prime läuft. Daneben treibt RTL Investitionen in die Digitalsparte voran: Im Januar kaufte der Konzern die britische Video-Technologiefirma Yospace für bis zu 29 Millionen Euro.

Für RTL wie auch den deutschen Rivalen ProSiebenSat.1 wird das wachsende Geschäft mit Internetvideos und Videoplattformen immer wettbewerbsintensiver, da neue Player, wie etwa der iPhone-Hersteller Apple, auf den Markt drängen und durch günstige oder kostenlose Angebote den Druck erhöhen.

Andererseits gehen die Umsätze im nach wie vor wichtigen TV-Werbegeschäft zurück, weil vor allem bei der jüngeren Zielgruppe Online-Streamingdienste wie Netflix oder Amazon Prime beliebter werden.

W&V Online/dpa

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