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Film- und TV-Produktion
Sky startet mit Bau seines riesigen Studiokomplexes

Das Areal nördlich von London hat die Größe von 17 Fußballfeldern. In den ersten fünf Jahren nach Fertigstellung der Studios sollen hier drei Milliarden Pfund in Film- und Fernsehproduktionen fließen.

Text: W&V Redaktion

13. Juli 2020

So sollen einmal die Sky Studios Elstree in Borehamwood aussehen.
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Die Bauarbeiten für das neue Produktionsstudio von Sky und NBC Universal nördlich von London können beginnen, nachdem der Gemeinderat des Verwaltungsbezirks Hertsmere grünes Licht für das Projekt gegeben hat. Noch in diesem Monat sollen die ersten Bagger anrollen, um das Areal für die Baumaßnahmen vorzubereiten, wie die Sky Group mitteilt. Die Eröffnung des Komplexes mit dem Namen Sky Studios Elstree ist für 2022 geplant.

Das Gelände hat eine Fläche von 17 Fußballfeldern. Das nun endgültig verabschiedete Konzept sieht ein Dutzend Bühnen vor, die sowohl separat genutzt als auch zu einer Riesenbühne mit über 5500 Quadratmetern zusammengelegt werden können, um Produktionen in jeder Größenordnung zu ermöglichen.

Rund 1500 Mitarbeiter sollen künftig für das Studio arbeiten. Vorgesehen sind unter anderem auch Produktionsbüros, Werkstätten, Post-Production-Einrichtungen sowie ein Screening-Kino. Während der ersten fünf Betriebsjahre erwartet die Sky Group Investitionen in Film- und TV-Produktionen in Höhe von rund drei Milliarden Pfund (3,35 Mrd. Euro).

Entstehen sollen hier Filme und TV-Programme sowohl für Sky als auch für Universal Pictures, Focus Features, Working Title sowie die Universal Studio Group. Sky und NBC Universal sind Töchter des amerikanischen Kabelnetzbetreibers und Telko-Konzerns Comcast. Die Studiokapazitäten können allerdings auch von konzernunabhängigen Produzenten angemietet werden.

Akuter Mangel an Produktionsstätten

Die Sky Studios Elstree entstehen ganz in der Nähe der gemeindeeigenen Elstree Studios und des Studios BBC Elstree in dem 25 Kilometer nördlich von London gelegenen Borehamwood. Das 30.000-Einwohner-Städtchen war schon seit den 1920er-Jahren Sitz diverser Filmstudios und galt lange als "britisches Hollywood". Hier wurden Filme wie "Star Wars", "Doktor Schiwago", "2001: Odyssee im Weltraum" oder "Shining" gedreht. Doch Anfang der 90er-Jahre fiel der Ort in einen Dornröschenschlaf, mehrere Studios wurden geschlossen.

Das Aufkommen der Videostreamingdienste und der damit zunehmende Wettbewerb zwischen klassischen TV-Sendern, Pay-TV-Plattformen und den diversen Streaming-Anbietern führte inzwischen aber zu einem akuten Mangel an Produktionsstätten. Wie berichtet, entwickelt sich Großbritannien beim Aufbau neuer Kapazitäten in Europa klar zum Produktionsstandort Nummer eins.

So entstehen derzeit nicht nur in Borehamwood, sondern vor allem im südlichen Teil Englands auf nicht mehr genutzten Flugplätzen und ehemaligen Industriegeländen neue Film- und TV-Studiokomplexe. Die unabhängige Produktionsfirma Rebellion investierte beispielsweise umgerechnet 88 Millionen Euro in eine ehemalige Druckerei in der Grafschaft Oxfordshire, um das rund zwei Hektar große Areal für TV-Produktionen umzuwandeln.

Ebenfalls in Oxfordshire wird auf dem ehemaligen Militärflughafen Bicester Airfield ein 4,2 Hektar großer Studiokomplex gebaut. Und in Ashford im Südosten Englands entstehen auf dem Areal einer stillgelegten Bahnstation gleich sieben neue Studios. Sie alle spekulieren dabei auf die riesigen Produktionsbudgets von Netflix, Disney und Amazon.


Autor: Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.

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