Anzeige

Umstrukturierung
So baut Jessica Peppel-Schulz Condé Nast um

Ihr Fünf-Jahres-Plan soll das Haus wieder auf Wachstumskurs bringen. Dabei helfen soll die neue Vermarktungsunit CNX.

Text: W&V Redaktion

2. Oktober 2019

Condé Nast-CEO Jessica Peppel-Schulz.
Anzeige

Der Abschied von GQ-Chefredakteur Tom Junkersdorf in der vergangenen Woche war ein erster Vorbote auf die Veränderungen, die bei Condé Nast anstehen. Nun hat CEO Jessica Peppel-Schulz, seit einem halben Jahr an der Spitze des Hauses, die Pläne für die Umstrukturierung vorgestellt. Ihr Ziel: Sie will den traditionell aufgestellten Verlag zu einem "modernen, innovativen und profitablen Medienunternehmen" machen.

Profitabel war das Haus zuletzt leider nicht mehr, wie Peppel-Schulz verrät. Der Verlag habe es verpasst, sich rechtzeitig zu verändern, digitale Projekte und auch Events seien nicht konsequent genug gedacht worden. Die Folge: Wirtschaftlich waren die Ausfälle im Vertriebs- und Anzeigenbereich nicht mehr kompensierbar.

Bei den Print-Ausgaben der Tiel zieht das Haus Konsequenz und reduziert bei einigen Heften die Frequenz: Glamour und GQ werden 2010 nur noch elf Mal erscheinen, AD bleibt bei den bisherigen zehn Ausgaben. Nur das Flaggschiff Vogue behält seine 12 Ausgaben im Jahr bei.

Fünf-Jahres-Plan für den Erfolg

Ein neuer Fünf-Jahres-Plan soll jetzt die Trendwende bringen. Das Haus wird neu strukturiert, weswegen 15 der insgesamt 300 Mitarbeiter gehen müssen. Im Zentrum des neuen Konstrukts, dessen Umsetzung unter dem internen Claim "It starts here" steht, sind weiterhin die vier Marken des Hauses: Vogue, AD, GQ und Glamour.

Sie sollen künftig von einem ganzheitlichen  Brand Management geführt werden, an dessen Spitze "Markenverantwortliche" stehen. Drei davon stehen bereits fest: Für Vogue, Glamour und AD sind das die bisherigen (und auch künftigen) Chefredakteure Christiane Arp, Andrea Ketterer und Oliver Jahn. Für das Männermagazin GQ wird noch jemand gesucht – und das darf übrigens auch gerne eine Frau sein, wie Peppel-Schulz verrät.

Neue Innovationskultur

Die Grenzen zwischen Print und Digital werden dabei weiter aufgelöst – eine neue Innovationskultur soll eine agile und modernere, kundenorientierte Struktur schaffen. Was auch heißt: Die Teams einer Marke sitzen künftig zusammen – eventuell sogar bis hin zum Buchhalter.

In den Wandel wird auch kräftig investiert. Etwa in den Aufbau des neuen Vermarktungsbereichs CNX: Die Unit soll zur Full-Service-Kreativberatung werden. "Basierend auf unserer Glaubwürdigkeit, unserer Expertise und unserem Netzwerk soll CNX B2B-Services wie Brand Consulting Campaigning, Content Solutions sowie Events zu einem Full-Service-Angebot für Luxus und Lifestyle-Marken verbinden und die Wertschöpfung für unsere Partner erhöhen", so die Condé Nast-Chefin.

Die ganzheitliche Markenführung bedeute auch, dass CNX künftig federführend für die Vermarktung der Marken des Hauses sei. Die Condé Nast Manaufaktur, die bisher schon als content-fokussierte Kreativagentur für Kunden agierte, wird Teil des neuen Bereichs. Wer diesen leiten wird, ist ebenfalls noch offen – die Suche läuft.

Ein Drittel der Umsätze aus Print

Eine schnelle Trendwende erwartet Peppel-Schulz vorerst nicht: In den nächsten zwei Jahren werde das Haus noch nicht wieder in den schwarzen Zahlen sein, so ihre Einschätzung. Danach sollen die Umsätze jedoch wieder wachsen; ab 2023 soll das Haus wieder profitabel arbeiten. In fünf Jahren soll ein Drittel der Umsätze aus Print-Aktivitäten kommen.

Wachsen will man auch dank neuer Aktivitäten wie dem weiteren Ausbau der Events. So wird AD im kommenden Jahr erstmals zu einer "Trendsafari" bitten, bei der Kunden nach London reisen.

Neue Launches will Peppel-Schulz mittelfristig ebenfalls nicht ausschließen - allerdings nicht jetzt: "Momentan ist das nicht stemmbar." Insgesamt glaube sie aber, wie der gesamte Konzern, weiter an Print. Die Rolle des Gedruckten werde sich nur verändern:  "Es wird ein relevanter Teil der gesamten Wertschöpfungskette sein."


Autor: Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde

Anzeige