Anzeige

MA Pressemedien 2019 II
Special Interest rettet Magazin-Bilanz

Sinkende Reichweiten von Print bestätigt die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (Agma): Es gibt noch 81,5 Prozent Zeitschriften- und 53,9 Prozent Zeitungsleser.

Text: W&V Redaktion

24. Juli 2019

Massiv Leserinnen verloren haben etliche Magazine der Yellow-Press.
Anzeige

Die Trends der wenige Tage alten IVW bestätigt im Großen und Ganzen die MA 2019 Pressemedien II. Den Printmedien geht es weiterhin nicht gut.

Laut Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (agma) haben die Publikumszeitschriften in Deutschland 57,5 Millionen Leser ab 14 Jahren. In der MA I (Januar 2019) waren noch 60 Millionen Leser ausgewiesen worden (85,1 Prozent; Juli 2018: 86,9 Prozent).

Die Tageszeitungen (Details weiter unten) kommen auf eine gute Million weniger, nämlich 38,1 Millionen deutschsprachige Leser täglich (ab 14 Jahre). Die Gesamtreichweite aller Tageszeitungen liegt damit bei 53,9 Prozent (MA 2018: 39,3 Millionen; 55,8 Prozent). Die regionalen Abozeitungen haben mit 30,9 Millionen Lesern pro Tag die höchste Reichweite.

Gewinner und Verlierer bei den Magazinen

Trotz der sinkenden Gesamtreichweite gibt es Publikumszeitschriften, die ihre Reichweite teils deutlich steigern konnten. Unter den 156 ausgewiesenen Titeln (Zeitschriften, Wochenzeitungen, Supplements, Lesezirkel) sind immerhin 44 Gewinner: Die kommen aus völlig unterschiedlichen Themenfeldern.

Nach Prozentpunkten den größten Zuwachs weisen das Chefkoch Magazin (+27 Prozent), Donna (+26%) sowie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) und Living at Home (je +20%) auf. Das nach absoluten Zahlen größte Plus hat ebenfalls das Chefkoch Magazin (+170.000), es folgen Glamour (+150.000), FAS (+140.000) und mit je 120.000 neuen Lesern die Titel TV Movie, Welt am Sonntag (WamS) und 11 Freunde. Praktisch aus dem Stand (in der MA I nicht ausgewiesen) erreicht das Promimagazin Barbara 580.000 Leser.

Die Zeitschriften-Top-Ten

Unter den Titeln mit der größten Verbreitung sieht das Bild nicht ganz so gut aus: Gerade mal stabil halten sich einzelne Zeitschriften, die meisten gehören zu den Verlierern; weitet man die Perspektive auf die Top 20, wird es nicht besser.

Die meistgelesenen Titel der MA Pressemedien II.

Der Sinkflug der aktuellen Magazine (mit 37,4 Prozent vs. 2019/I 39,8 Prozent) geht weiter: Im Widerspruch zu den IVW-Daten, die dem Spiegel zum Beispiel eine steigende verkaufte Auflage attestierten, stieg die Zahl der Leser laut Befragung nicht, sondern ging um 350.000 auf 5,29 Millionen zurück (-6%). Ähnlich deutlich die Verluste von Stern (-8%) und Focus (-7%).

Größter Verlierer unter den 96 Titeln mit Negativtrend ist nach absoluten Zahlen TV direkt mit 510.000 Lesern weniger als noch vor einem halben Jahr, die Montagsausgabe des Kicker verliert 480.000, der Stern 460.000 Leser. Anteilig ist der Rückgang bei Audio Video Foto Bild (-38%) am größten, es folgen Yellows wie Von Frau zu Frau (-34%), Frau von Heute (-33%), Mach mal Pause, Alles für die Frau, Neue Welt und Meins (je -30%).

Die weiterhin größte Nutzung verzeichnen die - allerdings einbrechenden - Programmzeitschriften mit einer Reichweite von 56,4 Prozent (MA I: 60,2 Prozent), konstant bleibt das Segment Motorpresse mit 24,2 Prozent. Im Weitesten Leserkreis (letzte 12 Erscheinungsintervalle) werden durchschnittlich 6,9 (davor: 7,1) verschiedene Titel genutzt, wobei im Durchschnitt jeder Befragte 2,5 (davor: 2,7) Titel pro Erscheinungsintervall liest.

Fun-Fact: Die meisten Zugewinne in der männlichen Leserschaft weist Intouch auf (von 20.000 auf 50.000), während ein paar Leserinnen absprangen (minus 20.000 auf 800.000). Dass Frauen- und Promititel Männer als Zielgruppe in modernen Zeiten besser erreichen als vor einem halben Jahr, zeigen auch die Zahlen von Bella, Women's Health, OK, Glamour, Für Sie und Cosmopolitan mit Steigerungen, die prozentual die höchsten Zuwachsraten bei den männlichen Lesern aufweisen (+150 bis +33 Prozent) - weit mehr als traditionell als "männlich" geltende Titel wie Motorrad und Sport Auto (je +8%) oder Playboy (+4%).

Umgekehrt verdreifachen Sport Auto und Auto Bild Sportscars die weibliche Leserschaft (jeweils von 10.000 auf 30.000), auf Rang drei und vier der Leserinnen-Gewinner liegen PM (+80%) sowie ACE Lenkrad und Wirtschaftswoche (je +56%).

Zur Erhebung der Nettoreichweiten wurden 37.308 Personen ab 14 Jahre in Deutschland befragt. Die Pressemedien-Übersicht der MA gibt es hier mit weiteren Details.

Tageszeitungen trumpfen überregional auf

Die Gesamtreichweite aller Tageszeitungen sinkt ebenfalls, allerdings weniger drastisch um 1,2 Millionen Leser. Regionale Titel verloren 0,8 Millionen tägliche Leser und erreichen hochgerechnet 43,8 Prozent der Bevölkerung  (Reichweite: 30,9 Millionen; Vorjahr: 31,7 Millionen. Kaufzeitungen erreichen täglich 9,7 Millionen (Vorjahr: 10,5 Millionen).

Überregionale Abo-Zeitungen sind sogar im Plus: Ihre Reichweite liegt laut MA bei 3,3 Millionen Lesern (Vorjahr: 3,1 Millionen). Zwar verlor (analog zu den sinkenden der Verkaufsauflagen aus der IVW) die Bild-Zeitung 790.000 Leser (von 9,42 Millionen in der MA 2018 auf 8,63 Millionen MA 2019). Jedoch legten die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ; 830.000 Leser) und die TAZ (240.000) deutlich zu (plus je 9 Prozent), auch die Welt (werktags; +6%) mit nunmehr 700.000 Lesern, die Süddeutsche Zeitung (SZ) legt leicht zu (+2% auf 1,28 Millionen). 

"Die Leserzuwächse der überregionalen Titel zeigen den Bedarf an hochwertigen und zuverlässigen Informationen in einem zunehmend fragmentierten Medienumfeld. Über alle Titel betrachtet ist die Tageszeitung weiterhin ein verlässlicher, stabiler Werbeträger, auch bei leicht rückläufigen Reichweiten der letzten Jahre", sagt Gerhard Müller, Vorstand Tageszeitungen der agma.

Der Trend bestätigt sich, dass die jüngeren eher nicht täglich zur Zeitung greifen: Hier erreichen die Tageszeitungen nur noch 28,7 Prozent der 14- bis 29-Jährigen (Vorjahr: 30 Prozent).

Es gibt aber durchaus regionale Titel, die sich sehr gut präsentieren: Die Dresdner Neueste Nachrichten steigerte ihre Reichweite um ein Drittel (von 60.000 auf 80.000 Leser), die Berliner Morgenpost legte um 29 Prozent auf 310.000 Leser zu, der Donaukurier gewann laut MA II 40.000 neue Leser und erreicht nun 200.000. Der Donaukurier ist übrigens der Top-Frauen-Gewinner: Keine Zeitung legte anteilig in der weiblichen Zielgruppe mehr zu (+43 Prozent; 30.000).

Die absolut gesehen meisten neuen Leserinnen erreichten die Ausgaben der Berliner Morgenpost (+50.000) und der SZ sowie Freie Presse (je +40.000). 

Bei den Frauen anteilig am deutlichsten verloren hat ausgerechnet die Zeitung, die bei den Männern am stärksten wachsen konnte: Die Neue Presse lesen heute eineinhalbmal so viele Männer wie vor einem Jahr (30.000) - und ein Drittel weniger Frauen (20.000) - das Verhältnis hat sich genau umgekehrt. Genauso viele Männer gewonnen wie Frauen verloren hat auch die Münchner Abendzeitung, deren gleichbleibende 120.000 Leser sich 70:50 zusammensetzen.

Für die diesjährige MA 2019 Tageszeitungen wurden 129.361 deutschsprachige Personen ab 14 Jahren befragt. Weitere Daten dazu gibt es hier.

Anzeige