Anzeige

US-Zeitschriftenmarkt
"Sports Illustrated" schlittert in die Krise

Zwischen dem Eigner des Sportmagazins und dem Lizenznehmer, der die redaktionellen Inhalte verantwortet, ist es zum Streit gekommen. Die Rede ist sogar von einem "totalen Krieg".

Text: W&V Redaktion

13. Juli 2020

Die Ausgabe 2020 der Swimsuit Edition erscheint in der kommenden Woche.
Anzeige

Das Verhältnis zwischen der amerikanischen Authentic Brands Group (ABG), die die Eigentumsrechte an der Sportzeitschrift Sports Illustrated hält, und der Digitalplattform The Maven, Inhaberin der Lizenzrechte und verantwortlich für die redaktionellen Inhalte, scheint sich in den vergangenen Monaten zunehmend verschlechtert zu haben. Die US-Nachrichten-Website The Daily Beast, die sich auf Insider-Informationen beruft, spricht sogar von einem "totalen Krieg". Demnach könnte The Maven die Lizenzrechte für die Zeitschrift verlieren, die sie erst vor etwas mehr als einem Jahr erworben hatte.

"ABG und Maven befinden sind gegenwärtig in Diskussionen über Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Interpretation des Lizenzvertrages für Sports Illustrated", heißt es in einem Statement von The Maven. Ein ABG-Sprecher erklärte gegenüber The Daily Beast lediglich, dass sich das Unternehmen grundsätzlich nicht zu den Beziehungen zu seinen "fast 1000 Lizenznehmern in aller Welt" äußere.

Dass The Maven die Lizenzrechte für das Sportmagazin erwerben konnte und damit die redaktionellen Inhalte verantwortet, war bei zahlreichen Branchenbeobachtern von Anfang an auf Kritik gestoßen. Sie befürchteten die Entwicklung hin zu einer Content-Farm.

Und tatsächlich hatte The Maven schon kurz nach dem Lizenzerwerb eine "Refokussierung" und einen Relaunch angekündigt. In der Folge wurde Dutzende Redakteure entlassen – etwa die Hälfte der bisherigen Redaktion. An ihre Stelle traten sogenannte "Team Communities", in denen freie Mitarbeiter gegen niedrig angesetzte Honorare Texte, Videos und Fotos produzieren und lokale Sportnachrichten zuliefern, die durch Suchmaschinenoptimierung für möglichst hohe Klick-Zahlen sorgen.

Standards für die Sportberichterstattung gesetzt

Der Niedergang des Sportmagazins, das einst die Standards für eine qualitativ hochwertige Sportberichterstattung gesetzt hatte und zu den Flaggschifftiteln des Traditionsverlags Time Inc. zählte, setzt sich damit weiter fort. Im Mai vergangenen Jahres hatte AGB den Titel für 110 Millionen Dollar vom Verlag Meredith übernommen. Meredith seinerseits war Anfang 2018 durch die Übernahme der Time Inc. in den Besitz des Titels gelangt, hatte aber nur wenig später angekündigt, ihn weiterverkaufen zu wollen.

Bei der Übernahme des Titels durch die ABG hieß es noch, dass Meredith und die ABG eine strategische Partnerschaft bilden wollen. Während die ABG künftig für das Marketing, die Geschäftsentwicklung und das Lizenzgeschäft zuständig sei, falle die redaktionelle Betreuung des Print-Magazins und der Website weiterhin in den Aufgabenbereich von Meredith. Doch davon war schon wenig später keine Rede mehr. Denn Mitte 2019 erwarb The Maven für 45 Millionen Dollar die Lizenzrechte für die Herausgabe des Blatts – sowohl in gedruckter als auch digitaler Form.

Als mit Abstand profitabelste Ausgabe des Heftes gilt nach wie vor die Swimsuit Edition mit einem enormen Abverkauf an den Kiosken und gespickt mit Werbeanzeigen. Die Ausgabe 2020 erscheint in der kommenden Woche.


Autor: Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.

Anzeige