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Leistungswerte Zeitungen/Zeitschriften
Trend der MA Print: Häufig mehr Leser als Käufer

Nur mäßig sinkende Reichweitenzahlen bei Zeitschriften registriert die MA Print - eine Woche nach dem teils deutlichen Auflagenminus der IVW.

Text: W&V Redaktion

24. Januar 2018

Sie lesen immer noch gern - und so manch ein Heft hat immer mehr Leser.
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Obwohl die Auflagenzahlen bei Zeitschriften weiter zurückgehen, verlieren die gedruckten Titel laut der aktuellen MA Print im Schnitt eher mäßig an Reichweite. 88,2 Prozent der über 14-Jährigen lesen demnach Publikumszeitschriften (Vor-MA aus dem Sommer 2017: 89,6 Prozent).

Damit erreichen die 155 in der aktuellen MA 2018 Pressemedien I Zeitschriften ausgewiesenen Titel, Wochenzeitungen, zwei Zeitungssupplements, Lesezirkel sowie Kino pro Erscheinungsintervall 61,8 Millionen Leser (Vor-MA: 62,8).

Die "schwer erreichbaren jungen Altersklassen der 20- bis 34-Jährigen" wurden zum zweiten Mal zusätzlich online befragt, wie es die agma formuliert. 8 Titel lesen die Menschen im Schnitt (Basis: WLK Weitester Leserkreis, Vorjahr: 7,9).

Programmies halten sich gut in der MA

Die meistgelesene Gattung ist nach wie vor die Programmpresse – deren ausgewiesene Titel eine Gesamtreichweite von 64,6 Prozent erreichen (Vorjahr: 66,4 Prozent). Die "Aktuellen Zeitschriften und Magazine" finden Zugang zu 43,4 Prozent (nach 45,7) der deutschsprachigen Bevölkerung über 14 Jahren.

Zur Erhebung der Reichweiten der Publikumszeitschriften wurden insgesamt 35.776 Personen in Deutschland befragt.

Platzhirsche bleiben die gleichen

Bei einem genauen Blick auf die Daten zeigt sich, dass sich an den Konstellationen im Prinzip wenig geändert hat. Bei den Zeitschriften etwa bleibt das Verbandsblatt ADAC Motorwelt mit einer Gesamtreichweite von 14,89 Millionen Lesern (MA 2017 Pressemedien II: 15,17 ) deutlich an der Spitze, die TV-Beilage rtv folgt mit 8,87 und Springers Bild am Sonntag mit einem Minus (Index: 97) bei 8,60 Millionen Lesern.

Das Segment der Nachrichtenmagazine beherrscht weiterhin das Gruner+Jahr-Flaggschiff Stern mit 6,49 Millionen Lesern vor dem Spiegel (6,07 Millionen) und Burdas Focus (4,48 Millionen) - sie alle mit eher moderatem Reichweitenminus bei teils stark gesunkener verkaufter Auflage, wie die IVW erst vor wenigen Tagen bekannt gegeben hatte.

Gesegnet mit Leserzuwächsen trotz Käuferschwund laut IVW: Burdas Bunte (Index 104), der G+J-Titel Gala (Index 113) oder Klambts OK! (Index 109). Der größte MA-Gewinner nach Prozenten ist das Bauer-Magazin Rezepte Pur (Index 129 gegenüber MA 2017 Pressemedien II; 40.000 Leser Gesamtreichweite), der größte Verlierer ist Springers B.Z. am Sonntag (Index 69, 20.000 Leser Gesamtreichweite). Auch Women’s Health der Motor Presse Stuttgart rangiert weit hinten (Index 71).

Interessant: Die Zeit, eine der wenigen Gewinnerinnen der IVW der Vorwoche, hat offenbar mehr Käufer als Leser gewonnen. Denn bei der MA 2018 Pressemedien I Zeitschriften ist der Hamburger Wochentitel mit dem Index 89 gelistet – und damit auf der Verliererseite, auf der auch der Springer-Titel WamS steht (Index 79).

Reichweitenstärkstes Medienhaus bleibt Bauer. Fast jeder zweite Deutsche (45 Prozent) liest nach Verlagsberechnungen eine Zeitschrift von "Europas größtem Zeitschriftenverlag", wie die Hamburger sich selbst bezeichnen. Das entspricht 31,85 Millionen. Tendenz aber auch hier sinkend. Insbesondere bei den Frauen sei die Bauer Media Group mit 19,66 Millionen Leserinnen und einer Reichweite von 55 Prozent besonders stark.

Fazit: Die Kluft wird größer …

Klar wird: Zeitschriften an sich werden immer noch gern gelesen, aber nicht mehr so oft gekauft. Es gibt gut genutzte Lesezirkel, hinzu kommen digitale Alternativen - am E-Kiosk herrscht immer größerer Leserandrang. Während die Zahl der Print-Verkaufsstellen nach aktuellen Angaben aus dem Presse-Grosso 2017 leicht zurückgegangen ist (104.438 Presseeinzelhändler, minus 3,3 Prozent).

Über die Diskrepanz zwischen IVW- und MA-Daten diskutiert übrigens nach wie vor die Mediabranche. So kritisierte Andreas Bahr, Chef der Medienagentur Fluent, im vergangenen Jahr im Gespräch mit W&V, dass die Diskrepanz zwischen sinkender Auflage und steigender Leserzahl die Glaubwürdigkeit der Reichweitendaten mindere, die eigentlich die Werbekunden überzeugen sollten (W&V 16/2017).

Die Forderung der Mediaplaner: Die Methodik der MA, die seit 1954 von der agma herausgegeben wird, müsse angepasst werden. Immerhin: Die Jungen werden seit dem Vorjahr zusätzlich online befragt.

Alles in allem gilt: Digitales Lesen, Teilen und auf Zeit Mieten liegt im Trend. Das tut immerhin der Reichweite und damit dem Anzeigenverkauf der Verlagshäuser gut. Doch die Vertriebserlöse, die bei schwindendem Werbevolumen eigentlich immer wichtiger werden, gehen zurück.

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