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Kongress "beBeta"
Verleger: "Rückenwind" durch Leistungsschutzrecht

Mathias Döpfner, CEO von Axel Springer, erwartet aus dem neuen Leistungsschutzrecht bis zu einer Milliarde Euro Verwertungserlöse für Verlage. Kein Wunder, dass gute Stimmung war beim Kongress "beBeta".

Text: W&V Redaktion

17. Juni 2021

Mathias Döpfner
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Zeitungsverleger sehen sich durch das neue Leistungsschutzrecht für ihre journalistischen Inhalte auf externen Plattformen wirtschaftlich gestärkt. Der Präsident des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV), Mathias Döpfner, sagte am Donnerstag auf dem Verlegerkongress "beBeta", ein Gesamttrend werde erkennbar: Der Gegenwind der Plattformen wird zum Rückenwind der Verlage." Vor Tagen trat ein großer Teil der Urheberrechtsreform in Kraft, in dem auch das Leistungsschutzrecht für Verleger vorgesehen ist.

Nun sei ein Rechtsrahmen gegeben, der es Verlagen ermögliche, Bezahl-Inhalte kopierschutzsicher einzuführen, sagte Döpfner, der auch Vorstandsvorsitzender des Medienkonzerns Axel Springer ("Bild", "Welt") ist. Es werde auch sichergestellt, dass Plattformen Verlage bezahlen müssen, wenn sie Inhalte nutzen wollen.

Döpfner zufolge sind erste Einschätzungen der Verwertungsgesellschaft Corint Media, dass sie von sozialen Medien und Suchmaschinen allein pro Jahr mehr als eine Milliarde Euro Verwertungserlöse erwirtschaften und an die Verlage wieder verteilen könne. Corint Media ist eine von mehreren Verwertungsgesellschaften in Deutschland. Sie vertritt nach eigenen Angaben Medienunternehmen, darunter TV-Sender, Radio-Programme und Presseverleger.

Auf dem Kongress wurde deutlich, dass die konkrete Ausgestaltung des Leistungsschutzrechts noch ausgelotet werden muss. BDZV-Vizepräsident Thomas Düffert sagte mit Blick auf die Verwertungsgesellschaft Corint Media, deren Idee sei richtig: Man müsse sich als Verlage bündeln, damit man mit starker Stimme gegen die großen Plattformen sprechen könne. Düffert, der auch Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung der Madsack Mediengruppe mit zahlreichen Regionaltiteln im Portfolio ist, hob zugleich die Bedeutung von Qualitätsjournalismus hervor. "Wenn wir einen Journalismus wollen, der für das Funktionieren einer demokratischen Gesellschaft einen unverzichtbaren Beitrag leistet, müssen wir auch die Belohnungsmechanismen entsprechend ausrichten."

Düffert sieht eine Form von "Fehlsteuerung", wenn fast alle Verwertungserlöse nach Klicks und Visits verteilt werden sollen. Er appellierte, den "Schieberegler ein wenig weg von Reichweite, mehr hin zu dem Journalismus zu schieben, der eben für uns als Demokratie" wichtig sei.

Man müsse darauf achten, über das Leistungsschutzrecht den gesellschaftlich unverzichtbaren Journalismus zu belohnen, betonte Düffert. Unlängst war bekanntgeworden, dass die Madsack Mediengruppe rein vorsorglich die Zusammenarbeit mit der Verwertungsgesellschaft kündigen wolle.

Bei der vom Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) pandemiebedingt erneut virtuell übertragenen Veranstaltung präsentierte Düffert außerdem aktuelle Zahlen zur digitalen Performance der Branche: Danach publizieren die 318 im BDZV organisierten Medienmarken 2800 digitale journalistische Angebote. 302 dieser Medienmarken sind regionale Unternehmen, auf sie entfallen allein 2600 digitale Angebote. Die Bedeutung des Regionalen werde „in der jetzigen Phase der Transformation ein wenig vergessen“, warnte Düffert und forderte die Branche auf, sich „gegenseitig unterzuhaken“. Das Leistungsschutzrecht für Pressepublisher beispielsweise sei eine „tolle Teamleistung“ gewesen.

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