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Großbritannien
Verzicht auf Auflagenkosmetik

Einige britische Zeitungsverlage melden inzwischen nicht mehr ihre "Sonderverkäufe". Mit bösen Folgen für die Auflagenstatistik. So etwa beim Daily Telegraph.

Text: W&V Redaktion

17. August 2018

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Wenn sich die Redakteure der überregionalen britischen Tageszeitungen die monatlichen Daten des Auflagenkontrolleurs ABC anschauen, dürfte sich so mancher Gedanken um seine Zukunft machen. Denn Monat für Monat geht es bergab. Und das schon seit Jahren.

Noch schlimmer: Der Trend scheint sich sogar zu beschleunigen. Denn von den von ABC gelisteten zehn nationalen Tageszeitungen weisen gleich sechs Auflagenrückgänge im zweistelligen Prozentbereich auf. Und das Minus bei den restlichen Blättern liegt auch nicht wesentlich darunter.

Allerdings gibt es einen Beschleunigungsfaktor, der dabei zu berücksichtigen ist. Einige Zeitungsverlage, so etwa Mail Newspapers, die Telegraph Group und die Mirror Group, haben Ende vergangenes Jahr aufgehört, ihre Sonderverkäufe zu melden – also die Abgabe Tausender Exemplare an Flug- und Bahngesellschaften sowie Hotels zu Discount-Preisen oder auch zum Nulltarif. Die Folge: Die Titel dieser Verlage weisen dieses Jahr besonders hohe Auflagenrückgänge aus.

Telegraph verliert mehr als ein Fünftel an Auflage

Der Daily Telegraph beispielsweise verliert im Juli gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres 21,6 Prozent auf durchschnittlich nur noch 375.000 verkaufte Exemplare. Der Daily Mirror büßt 11,3 Prozent ein auf 555.000 Exemplare und die Daily Mail 11,2 Prozent auf 1,27 Millionen.

Starke Rückgänge verzeichnen aber auch einige weitere Titel: So der Daily Star (357.000 Exemplare/-15,5%), der Daily Record (124.000/-13,7%) und der Daily Express (339.000/-10,9%).

Das Boulevard-Blatt The Sun zählt dagegen nach wie vor die Sonderverkäufe von über 118.000 Exemplaren zum Gesamtverkauf in Höhe von 1,43 Millionen hinzu, sodass die Sun "nur" ein Minus von 8,7 Prozent ausweisen muss.

Damit bleibt die Sun klarer Marktführer in Großbritannien – sieht man einmal vom Gratistitel Metro ab, der eine verteilte Auflage von 1,47 Millionen Exemplaren meldet und damit im Juli der einzige überregionale Zeitungstitel ist, der ein Auflagenplus verzeichnet, wenn auch nur um 0,2 Prozent.

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