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Unternehmensstrategie
ViacomCBS will mit Streamingdienst expandieren

Der US-Konzern ist früher in den Streaming-Markt eingestiegen als manche Konkurrenten, konnte aber bisher nicht wirklich reüssieren. Das soll sich nun ändern. Mit einem internationalen Angebot.

Text: W&V Redaktion

12. Mai 2020

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Wie bei vielen anderen Entertainment-Konzernen auch sind die Unternehmenszahlen, die Bob Bakish, CEO von ViacomCBS, für das erste Quartal dieses Jahres vorlegte, eher bescheiden: Der Umsatz ging um sechs Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar zurück, die Werbeerlöse brachen um gleich 19 Prozent ein und der operative Gewinn halbierte sich nahezu (minus 49 Prozent) auf nur noch 917 Millionen Dollar.

So nutzte Bakish die Gelegenheit, um die eher positiven Tendenzen und ehrgeizigen Ambitionen eines speziellen Geschäftsbereichs herauszuheben: der Videostreaming-Angebote. Laut Unternehmensangaben stieg die Zahl der Abonnenten der beiden ViacomCBS-Dienste CBS All Access und Showtime um mehr als 50 Prozent auf über 13,5 Millionen. Die Abo- und Werbeerlöse legten hier sogar um 51 Prozent auf 471 Millionen Dollar zu.

Auch der werbefinanzierte Streamingdienst Pluto TV, den ViacomCBS Anfang 2019 für 340 Millionen Dollar übernommen hatte, konnte die Zahl der aktiven Nutzer im Jahresvergleich um 55 Prozent auf über 24 Millionen steigern. Allerdings: Die Abonnentenzahl der beiden kostenpflichtigen Dienste Showtime und CBS All Access, das übrigens bereits im Oktober 2014 und damit mehr als fünf Jahre vor Disney+ gelauncht wurde, ist im Vergleich zu den Großen der Streaming-Branche wie Netflix, Amazon Prime Video und Hulu trotz des jüngsten Wachstums alles andere als berauschend. Dies soll sich nun aber bald ändern.

So will ViacomCBS mehr als 100 Filme des Hollywood-Studios Paramount Pictures, das ebenfalls zum Konzern gehört, in CBS All Access integrieren. Außerdem, so Bakish, "werden wir international in den nächsten zwölf Monate ein breit angelegtes Streaming-Produkt in zahlreichen Märkten launchen". Dieser Dienst, so der CEO weiter, soll die "ganze Stärke des ViacomCBS-Portfolios nutzen und eine bedeutende Markenpräsenz in den wichtigsten Videostreaming-Märkten der Welt" schaffen.

Relaunch der bestehenden Dienste erwartet

Damit bestätigte Bakish entsprechende Ankündigungen von Anfang des Jahres, dass CBS All Access, dessen Abo-Gebühr bei monatlich 5,99 Dollar liegt, unter einer "House of Brands"-Strategie stark erweitert wird. Zu vermuten ist deshalb allerdings auch, dass die beiden bestehenden Marken CBS All Access und Showtime nochmals komplett relauncht werden. Doch hierzu gibt es auch weiterhin keine konkreten Angaben.

CBS und Viacom, Tochterfirmen der Unternehmensholding National Amusements, an der die Familie des 96-jährigen Patriarchen Sumner Redstone 80 Prozent der stimmberechtigten Anteile hält, hatten bis 2005 unter einem Dach agiert. Sie wurden dann allerdings in zwei unabhängige Unternehmen, die CBS Corporation und die (neue) Viacom mit Kabelsendern wie MTV, Nickelodeon und Comedy Central gesplittet.

Redstones Tochter Shari Redstone, Präsidentin von National Amusements sowie Chairwoman von ViacomCBS, hatte seit Jahren die Wiedervereinigung der beiden Unternehmenstöchter betrieben. Nach zunächst zwei gescheiterten Anläufen kam es beim dritten Versuch Ende vergangenen Jahres zur offiziellen Fusion.


Autor: Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.

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