Anzeige

Großbritannien
Vorläufiges OK für Onlinepläne der BBC

Die Ofcom hat nach einer Prüfung die Pläne der BBC für eine "Neuerfindung" der Onlinemediathek iPlayer positiv beurteilt. Sehr zum Missfallen der kommerziellen Konkurrenz.

Text: W&V Redaktion

17. Juni 2019

Anzeige

Der britische Medienkontrolleur Ofcom (eigentlich: Office of Communications) hat der BBC vorläufig grünes Licht für die Pläne zur "Neuerfindung" der Onlinemediathek iPlayer gegeben. Damit könnte die britische Rundfunkanstalt einzelne Programme statt wie bisher nur 30 Tage künftig bis zu einem Jahr den Nutzern zum jederzeitigen Abruf anbieten.

Weil der BBC iPlayer seit Jahren Marktanteile an Wettbewerber wie Netflix und Amazon Prime Video verliert, hatte die Rundfunkanstalt im April einen Plan für die komplette "Neuerfindung" der Onlinemediathek bei der Ofcom eingereicht (W&V Online berichtete).

Die Kernpunkte dabei: Die Inhalte sollen künftig bis zu zwölf Monate lang abrufbar sein. Bei Serien möchte die BBC sämtliche Folgen – auch über mehrere Staffeln hinweg ("full box sets") – anbieten. Schließlich soll das Angebot der Mediathek durch Inhalte aus dem umfangreichen BBC-Archiv deutlich ausgeweitet werden.

Nach einer ersten Evaluierung der Pläne erklärte die Ofcom nun, dass die vorgeschlagenen Änderungen "einen beträchtlichen Nutzen für die Öffentlichkeit" mit sich bringen könnten.

Herausforderung für die Konkurrenz

Zwar würden laut Ofcom die Änderungen für konkurrierende Anbieter von Video-on-Demand-Diensten eine große Herausforderung darstellen. Dies sei jedoch gerechtfertigt, da es für die Nutzer insgesamt zu einer größeren Auswahl und Verfügbarkeit von TV-Content führen könnte.

Zugleich würden die geplanten Änderungen "sicherstellen, dass die BBC angesichts der sich verändernden Mediennutzung relevant bleibt". Eine endgültige Entscheidung will der Medienkontrolleur im August treffen.

Bei den kommerziellen BBC-Konkurrenten dürfte die vorläufige Einschätzung der Ofcom wenig Begeisterung auslösen. Insbesondere nicht beim Fernsehsender ITV. Denn der verhandelt gegenwärtig mit der BBC über den Launch eines gemeinsamen Videostreamingdienstes mit dem Namen Britbox als Konkurrenzangebot zu Netflix & Co.

Wohl nicht ganz zu unrecht fürchtet ITV, dass die BBC nun andere Prioritäten setzt und den Fokus auf den Umbau der eigenen Mediathek richten wird. Carolyn McCall, CEO des Senders, hat bereits zu verstehen gegeben, dass sie die BBC-Pläne vehement ablehnen werde, es sei denn, die BBC unterstütze künftig verstärkt das Britbox-Projekt.

Marktteilnehmer haben nun bis zum 10. Juli die Möglichkeit, ihre Position gegenüber der Ofcom zu erklären.


Autor: Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.

Anzeige