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Videostreaming-Markt
Warner Media im Medienmarken-Chaos

HBO, HBO Go, HBO Now, HBO Max – das selbst geschaffene Markenwirrwarr ist wohl mitverantwortlich für den holprigen Start des Streamingdienstes HBO Max. Nun sollen zwei Marken verschwinden.

Text: W&V Redaktion

15. Juni 2020

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Das war für viele US-Konsumenten offensichtlich doch zu konfus: Mit dem Launch des neuen Videostreamingdienstes HBO Max am 27. Mai kam bereits die vierte HBO-Medienmarke auf den Markt – nach HBO, HBO Go und HBO Now. So verlief denn auch der Start mehr als holprig. Und völlig anders als beispielsweise der Launch des Konkurrenten Disney+ im November vergangenen Jahres. Hier hatten sich innerhalb von 24 Stunden mehr als zehn Millionen Kunden registriert. Bei HBO Max sollen es nach dem Start lediglich einige Zehntausend gewesen sein.

So sieht sich die HBO-Mutter Warner Media nur knapp drei Wochen nach dem Start gezwungen, das selbst geschaffene Chaos zu beseitigen und das Angebot erheblich zu vereinfachen. Wie das Unternehmen Ende vergangener Woche mitteilte, werden die Marken HBO Go und HBO Now in den nächsten Monaten vom Markt verschwinden.

Die Streaming-App HBO Go war ursprünglich für Abonnenten des Premium-Kabelkanals HBO geschaffen worden, die die HBO-Inhalte auch unterwegs, unabhängig von ihrem Fernsehgerät nutzen wollten. Diese App wird nun zum 31. Juli dieses Jahres abgeschaltet. Nutzer der App, die ohnehin Abonnenten des Kabelkanals HBO sind, können künftig ohne Aufpreis auch auf den neuen Streamingdienst HBO Max zugreifen, der neben dem eigentlichen HBO-Content zusätzlich noch Filme und Serien aus der umfangreichen Warner-Media-Bibliothek umfasst. Die Gebühren für den Kabelkanal HBO als auch für HBO Max liegen bei rund 15 Dollar pro Monat.

Im Gegensatz zu HBO Go war die Streaming-App HBO Now für Kunden konzipiert worden, die über keinen Kabelanschluss verfügen, aber dennoch auf HBO-Inhalte zugreifen wollen. Diese App heißt künftig schlicht HBO wie der Kabelsender und ist eigentlich nur noch für diejenigen gedacht, deren Internetprovider derzeit noch keinen Zugang zum Streamingdienst HBO Max bietet. Dies bedeutet allerdings auch, dass die Nutzer dieser App nicht auf den zusätzlichen Warner-Content zugreifen können, den HBO Max bietet.

"Die Umsetzung dieser Änderungen erlaubt es uns, HBO Max als primäre Zugangsplattform nicht nur für die HBO-Angebote, sondern auch für die riesige Warner-Media-Bibliothek mit Kauf- und Original-Content weiter zu stärken", heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Gleichzeitig vereinfache sie das Angebot für die Konsumenten. Erste offizielle Zahlen zur Abonnenten-Entwicklung bei HBO Max werden voraussichtlich Ende Juli bekannt gegeben.


Autor: Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.

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