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Streamingtipps
Warum Migration uns alle betrifft

Migration ist Teil unseres Lebens - aber wie kann man am besten für das Thema sensibilisieren? Unsere aktuellen Streamingtipps zeigen: Statt Ressentiments braucht es vor allem Mitgefühl und Empathie.

Text: W&V Redaktion

11. September 2020

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Wie für das Thema Migration sensibilisieren? Vielleicht, in dem wir uns Schicksale vor Augen führen, mit denen wir im Alltag zu selten oder gar nicht konfrontiert werden ("Little America"). Oder in dem wir uns ein Bild von den Folgen der Flucht und dem Ist-Zustand abseits gängiger Nachrichtenbilder machen ("Seefeuer"). Dafür braucht es in diversen Gesellschaften Offenheit und die eine oder andere ausgestreckte Hand ("Und atmen Sie normal weiter"). Wer das nicht versteht, der sollte sich zunächst über die Folgen einer strikten Abschiebepolitik bewusst werden ("Immigration Nation") - oder sich auf die soziokulturellen Hintergründe eigener Freundschaft besinnen ("Ziemlich beste Freunde").

Von Lampedusa bis zur mexikanischen Mauer: In den nachfolgenden Streaming-Formaten heften wir uns an Protagonist*innen, die sich nach einem erfüllten Leben sehnen. Ihr steiniger Weg geht ans Herz und schärft letztlich den Verstand. Mehr Streamingtipps finden Sie im Feed auf shelfd.com. Und wenn Sie keine Highlights mehr verpassen möchten, dann holen Sie sich die Neustarts von Netflix oder Prime Video direkt in Ihren Kalender. Happy Streaming!

Little America (Staffel 1)

Bei Apple TV+ verfügbar

Eine junge Frau aus Uganda will studieren. Ein Syrer flüchtet vor der Homophobie seiner Heimat. Und eine mexikanische Teenagerin scheint ohne Papiere in den USA vorerst aufgeschmissen. In Apples "Little America" bekommen wir Geschichten geschenkt, die so universell sind, wie das Leben selbst - und obendrein auf wahren Begebenheiten basieren. Statt auf den bösen Trumps des Landes herumzuklopfen, zeigt uns die Produktion selektiv das, was Amerika im besten Falle zu bieten hat: Erfindertum, ethnische Vielfalt und letztlich Träume.

Es geht nicht um "wir gegen die", sondern um das Sichtbarmachen der Marginalisierten. Hervorgehoben werden damit Menschen, die Amerika zu ihrer Heimat gemacht haben und noch machen wollen – mit überschüssigem Mut und voller Tatendrang. Saftige 100 Prozent gab es nach dem Release dafür bei der Kritiker-Seite "Rotten Tomatoes". Zum Glück geht die Serie in die zweite Runde.

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Hier geht es zur Serie.

Seefeuer (Doku)

Bei TVNow verfügbar

Lampedusa. Hier versucht „Seefeuer“ die europäische Flüchtlingspolitik zu greifen, spürbar zu machen für seine Zuschauer*innen. Das Besondere? Wir finden uns hier nicht in einer der etlichen Nachrichtensequenzen wieder, die wir schon so oft gesehen und schon so oft mit einem müden Mitleidsblick an uns vorbeiziehen lassen haben. Stattdessen begleiten wir den zwölfjährigen Samuele bei seinem spielerischen Treiben auf der Mittelmeerinsel: Knallkörper in Kakteen stecken, Spaghetti schlürfen und über die See fachsimpeln. Der Spaß mit dem Buben wird gebrochen, wenn wir die ausgekühlten und sich teils stapelnden Körper Geflüchteter sehen, die auf der Insel nur auf der Suche nach einem besseren Leben waren. Dieser Kontrast und die Gleichzeitigkeit von Samuele und der Meereskrise sind es, die schocken.

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Hier geht es zur Doku.

Und atmen Sie normal weiter

Bei Netflix verfügbar

Weder mystische Vulkane noch romantische Gewässer? Das alles erspart uns Regisseur Isold Uggadottir in seinem Spielfilm. Denn viel zeitgemäßer als Klischeebilder Islands, ist doch die Frage: Wie machen die Isländer*innen das eigentlich mit der Migration? Zumindest eine Teilantwort auf diese Frage liefert "Und atmen Sie normal weiter": Das Drama lässt zwei Frauen aus prekären Lebenslagen aufeinander prallen: Lára (Kristín Þóra Haraldsdóttir) ist alleinerziehende Mutter und von der Armut gepeinigt. Adja (Babetida Sadjo), eine Asylbewerberin aus Guinea, steht kurz vor der Abschiebung. Obwohl sich die Protagonistinnen zunächst mit Argwohn begegnen, formt sich über die Zeit ein intensives Band. Beide versuchen ihre Leben zurück auf die richtige Spur zu hieven. Am Ende steht ein kleines Lehrstück über die Solidarität des Einzelnen in der Gesellschaft.

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Immigration Nation (Doku-Serie)

Bei Netflix verfügbar

"Immigration Nation" schlägt exakt den konträren Weg zur Serie "Little America" ein. Hier geht es gegen Trump, und zwar mit voller Breitseite. Gezeigt werden die Auswirkung seiner Abschottungsstrategie gegen Mexiko. Denn trotz Corona und absackender Wirtschaft hält der Präsident eisern am Mauerbau fest. In der Serie sehen wir mitunter Latino-Viertel, Abschiebegefängnisse und Lokalkommunen, die alle von der Einwanderungspolitik gezeichnet sind. Amerika brennt.

Das erfahren wir, wenn wir sehen, dass Abschiebungen wie am Fließband durchgeführt werden. Wie sich schlagartig die Falltüren unter den Unerwünschten öffnen und Familien voneinander getrennt werden. Und auch, wie die verantwortlichen Richter*innen und Beamt*innen mit ihrem eigenen Handeln hadern – obgleich sie alle eben „nur ihren Job machen“, wie sie sagen. Es festigt sich der Eindruck eines menschenverachtenden Systems, das, eines Amerikas, das mit der Kraft Vieler erbaut wurde, das nun aber einige von ihnen wieder von sich stößt.

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Hier geht es zur Doku-Serie.

Ziemlich beste Freunde

Bei Netflix verfügbar

Philippe (François Cluzet) ist zwar stinkreich, aber auch ein sehr unglücklicher Mann. Vom Hals abwärts gelähmt kann er weder allein essen, schreiben noch spazieren. Er braucht jemanden, der ihn 24 Stunden rund um die Uhr umsorgt. Der Mann, der ihm künftig nicht von der Seite weichen soll, ist der Schwarze Driss (Omar Sy). Driss hat eine große Schnauze und kommt aus der Unterschicht. Stress mit dem spießigen Philippe scheint vorprogrammiert. Doch während Driss dann selbst in das Leben der Upper Class schnuppert, lernt Philippe, seine verbitterte Art abzulegen – mit einer Menge Witz und dem einen oder anderen Joint. "Ziemlich beste Freunde" gilt als Komödie, ist aber gleichzeitig auch eine Parabel, die uns lehrt anfängliche Barrieren zu überwinden.

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Hier geht es zum Film.

 

Autor: 

Benjamin Freund hat Medienwissenschaft und Kulturjournalismus studiert und arbeitet als freier Journalist für diverse Print- und Onlineformate. Benjamin wirft ein Auge auf die großen und kleinen Phänomene unserer Pop- und Netzkultur.

 

 


Autor: W&V Leserautor

W&V ist die Plattform der Kommunikationsbranche. Zusätzlich zu unseren eigenen journalistischen Inhalten erscheinen ausgewählte Texte kluger Branchenköpfe. Einen davon haben Sie gerade gelesen.

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