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Zeitschriften im Fokus
Was VDZ-Präsident Thiemann von der Politik fordert

Rudolf Thiemann appelliert bei der Eröffnung des VDZ Publishers Summit 2018, die Bedingungen für die Presse auf klassischen und digitalen Vertriebswegen zu verbessern.

Text: W&V Redaktion

5. November 2018

VDZ-Präsident Rudolf Thiemann: Zeitschriften sind "das Schmieröl der Demokratie."
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Es ist eine schwierige Zeit für die Presse: Die Gesellschaft sei derzeit einer beispiellosen Diskreditierung des Journalismus ausgesetzt, der zu einem seit zwei Jahrzehnten fundamentalen Wandel in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft hinzukäme.

"Wir erleben einen heftigen Aufbruch in eine neue Phase, deren Ende wir nicht erkennen können", so Rudolf Thiemann, Präsident des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), in seiner Eröffnungsrede  zur Eröffnung des VDZ Publishers Summit 2018. Eine besorgniserregende Beobachtung dabei: Demokratie setze sich nicht zwangsläufig durch.

Mehr Handeln, weniger Reden

Thiemann appelliert daher an die Politik, "nicht nur Bekenntnisse abzugeben, sondern die Bedingungen für eine freie Presse zu verbessern". Denn eine freie, publizistisch und wirtschaftlich vom Staat unabhängige Presse sei für eine freie, demokratische Gesellschaft unverzichtbar.

Gerade in einer Welt, in der kritische Berichterstattung häufig mit Fake News gleichgesetzt werde und der Umgang verrohe. Dabei könnten Zeitschriften mehr denn je die Antworten geben: Sie seien "das Schmieröl der Demokratie."

Besonders kritisch: E-Privacy

Politiker und Beamte in Berlin und Brüssel müssten daher viel genauer darauf achten, die Bedingungen für den Erhalt einer solchen Presse auf allen klassischen und digitalen Vertriebswegen zu verbessern. Urheber- und Verlegerrecht, E-Privacy-Verordnung, Medienplattformregulierung, Telefonmarketing, AVMD-Richtlinie, Werbebeeinträchtigungen - all das seien kritische Punkte, in denen die Politik handeln müsse.

So bedrohe allein die derzeit im Ministerrat verhandelte E-Privacy-Verordnung mehr als 30 Prozent der Werbeeinnahmen journalistischer Internetangebote der Presseverlage. Hinzu kämen Einschnitte bei der Produktgestaltung, Behinderungen beim Verkauf und bei Reichweitenmessung. Besonders problematisch sei Artikel 10 der Verordnung, der sich mit Softwarevoreinstellungen befasse.

Neues Konzept

Ein Lichtblick sei hingegen, dass sich der EU-Ministerrat darauf verständigt hat, ermäßigte Mehrwertsteuersätze auch auf digitale Presseangebote auszuweiten. Thiemann: "Jetzt kommt es darauf an, dass das neue Recht schnell umgesetzt wird."

Im Rahmen des VDZ Publishers' Summit 2018 treffen sich am 5. und 6. November in Berlin rund 500 Teilnehmer aus der Verlags-Branche. Das Programm: Rund 30 Redner aus Politik, Wirtschaft, Medien und Wissenschaft geben ihre Einschätzung zur Medienpolitik und zu verlegerischen Zukunftsplänen ab und stellen Fallstudien vor.

In diesem Jahr präsentiert sich der Event außerdem mit einem neuen Konzept: Es gibt unter anderem Impulsvorträge, Talk-Runden und neue Formate wie das "What‘s Next Kreativlabor", das Einblicke in zukünftige Verlagsmodelle liefert.

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