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Strukturwandel
Wie die Taz in eine Zukunft mit weniger Papier aufbrechen will

40 Jahre nach Gründung präsentiert die Taz ein detailliertes Planspiel für den Teil-Ausstieg aus der gedruckten Zeitung.

Text: W&V Redaktion

17. September 2018

Taz-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch (re.) will raus aus Print. Was bleibt, ist der Blick zum Springer-Hochhaus.
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Am 19. Oktober - ziemlich genau 40 Jahre nach der Gründung - eröffnet die Taz ihr neues, 23 Millionen teures  Medienhaus in der Friedrichstraße. Der Umzug der linken überregionalen Tageszeitung in das neue Gebäude soll auch das Signal für den Aufbruch in eine deutlich digitalere Zukunft werden.

Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch hat für 2022 - wenn die Taz nur noch am Wochenende in gedruckter Form erscheinen soll - ein Rechenplanspiel entwickelt. Demnach entfallen zwar gut 15,8 Millionen Euro Umsatz aus der derzeit noch täglichen verkauften Printauflage (2017:  Mo-Fr 30 486 Abos). Dafür reduzieren sich unter der Woche Druck- und Vertriebskosten um knapp 8 Millionen Euro.

Das alleine reicht natürlich nicht aus, um eine digitale Erfolgsstory zu schreiben. Deswegen rechnet Ruch frohen Mutes mit einem Schub für die diversifizierten Taz-Produkte - allen voran die digitalen Abos.

Statt wie heute knapp 11 000 soll es dann 20 000 Abonnenten für die gedruckte Wochenendausgabe geben, dazu 20 000 Abonnenten für das Kombi-Angebot aus E-Paper/App und gedruckter Wochenend-Taz (Stand 2017:  1738 Stück) sowie 20 000 reine Digitalabos (Stand 2017: 6241 Stück).

"Der Trend geht zum Online-Abo.Wir müssen uns keine Sorgen machen, dass wir in dem neuen schönen Haus in Schönheit sterben", sagt Ruch. Der Mitgründer verlässt die Taz 2019 nach 42 Jahren in der Geschäftsführung, will der Redaktion vorher aber noch "alle Ängste nehmen".

Hier Ruchs Zukunfts-Szenario  im Detail:

Chefredakteur Georg Löwisch rechnet damit, dass die Taz einerseits junge Leser erschließt, bis dann aber auch die "Freunde des Papierraschelns" unter den Taz-Lesern wegen ihrer engen Bindung zum Produkt auf die digitalen Angebote umsteigen werden.

Geändert haben sich auch die Werbekampagnen. Die letzte Rettungskampagne "taz muss sein" lief Ende 2001 aus. Man brauchte sie nicht mehr: In den letzten 10 Jahren habe die Taz unterm Strich "kein Geld verbrannt", sagt Ruch.

Legendäre Image-Kampagnen wie die des Star-Werbers Michael Schirner  "Eine muss es sagen" (1985) sind in digitalen Zeiten ebenfalls passé:  Ab Samstag bewirbt die Taz zum Jubiläum ihr Kombi-Abo aus Wochenend-Taz und Digitalangebot mit einem Schnupperpreis (10 Wochen für 10 Euro) - vor allem auf Social Media Kanälen wie Facebook.  

Der Fokus liegt voll auf dem Digitalen: Das Team um Digitalchefredakteurin Katrin Gottschalk will die mobile App weiter verbessern: "Die abgeschlossene tägliche Taz soll bleiben, aber besser auf dem Telefon funktionieren. Seit September sind auch erstmals - zunächst befristet für ein Jahr- zwei SEO-Spezialisten an Bord.

Und so warb die Taz 1979 zu ihrem Start:

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