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TV-Konzerne
Wie Max Conze ProSiebenSat.1 digitalisieren will

Die erste Jahresbilanz von ProSiebenSat.1-CEO Max Conze fällt mau aus. Der Vorstandschef will den Konzern nun radikal umbauen und digitalisieren.

Text: W&V Redaktion

7. März 2019

ProSiebenSat.1-CEO Conze: 2019 ist das Jahr der Investitionen.
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Der Ort, an dem der  TV-Konzern ProSiebenSat.1 seine jüngste Bilanz vorstellte, war wohl gewählt. Vorstandschef Max Conze und der scheidende Finanzchef Jan Kemper präsentierten die aktuellen Unternehmenszahlen in dem Fernsehstudio, in dem täglich das ProSieben-Nachmittagsmagazin "Taff" produziert wird. Die Sendung zählt zu den ältesten Formaten im Sender-Programm, aber sie erreiche inzwischen mehr Zuschauer auf digitalen Kanälen als über das herkömmliche TV. "Vielleicht ist das ja ein gutes Zeichen für die Zukunft", meint Conze.

Der neue Vorstandsboss, der seit Sommer 2018 im Amt ist, will den Konzern radikal umbauen. Die ersten Jahresbilanz, die er als CEO vorstellen musste, ist eher schlecht ausgefallen.  Einbußen im Werbegeschäft ließen 2018 Umsatz und Ergebnis sinken. Das Wachstum im Digitalgeschäft, unter anderem bei der Beteilungs-Tochter Nucom, konnte diese "Schwäche noch nicht ausreichend ausgleichen", musste Conze einräumen.

"Können wir gegen den sinkenden TV-Markt wachsen?", stellte der CEO, der 2018 vom Staubsauger-Hersteller Dyson kam, selbst die Schlüsselfrage. Seine Antwort: Ja, mit einem strikten Digitalisierungskurs.

"2019 ist das Jahr der Investitionen"

Der wird Geld kosten. Anlegern und Aktionären konnte Conze erst einmal keine Hoffnung auf kurzfristig sprudelnde Gewinne machen. Er will mehr in einheimische Produktionen investieren. Unter anderem eine Kochshow mit dem ehemaligen Sterne-Küchenchef Eckhard Witzigmann kündigte er an. Sein größtes Projekt aber ist die geplante gemeinsame Streaming-Plattform 7TV mit dem US-Konzern Discovery. Sie soll im Sommer an den Start gehen. Der Konzern kündigt für das zweite und dritte Quartal "ausgeprägte Ergebnisrückgänge an". In den Worten von Conze klingt das so: "2019 ist das Investment-Jahr. 2020 müssen wir Wachstum liefern."

Conzes Argumentation: Der Bewegtbild-Markt wächst eigentlich. Die Menschen schauen mehr Video-Content, wenngleich weniger im klassischen linearen Fernsehen. Speerspitze der "digitalen Attacke" soll das Streaming-Projekt 7TV werden, mit dem ProSiebenSat.1 Netflix und Amazon Konkurrenz machen will. Details wollte Conze bei der Bilanz-Pressekonferenz aber nicht nennen.  Man sei auf einem guten Weg, werde im Sommer starten – "und dann, mit allem, was wir haben".

Im Werbegeschäft will Max Conze den Vermarkter SevenOne Media crossmedialer aufstellen. Er setzt große Hoffnungen auf die kommende Crossmedia-Reichweite der AGF, die in der zweiten Jahreshälfte endlich abgeschlossen sein soll. Auf der Basis der künftigen übergreifenden Media-Währung, die sowohl Online-Video wie klassisches Fernsehen umfasst, will der Konzern Werbekunden dann crossmediale Pakete anbieten.

Große Hoffnung auf neue AGF-Währung

Einen Alleingang in Währungsfragen schloss Conze dabei aus. Er sei zuversichtlich, dass die AGF ihren Zeitplan einhalte und setzt auf eine "gemeinschaftliche Lösung". Unterschiedliche Leistungsdaten im Markt seien "nicht die Welt, die ich will", so Conze.

Für Finanzvorstand Jan Kemper war die Präsentation im TV-Studio der letzte Auftritt in alter Rolle. Er wird das Unternehmen Ende März verlassen. Kemper werden große Differenzen mit Conze nachgesagt, er soll laut Medienberichten sogar beim Aufsichtsrat gegen den Vorstandsboss interveniert haben.

Darauf angesprochen, bemühten sich beide Manager um ein harmonisches Außenbild. Kemper bestritt zwar nicht, dass es Meinungsverschiedenheiten gegeben habe ("Wir haben eine offene Diskussionskultur"), betonte aber, dass die Trennung im gegenseitigen Einvernehmen erfolge.

Für Conze sind die Abgänge im Vorstand Teil des Veränderungsprozesses. "Transformation", so der ProSiebenSat.1-CEO, "bedeutet ja schließlich auch Veränderung".

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